Black Gold Museum in Riad: Wenn Öl zur Kunst wird
In Saudi-Arabien widmet sich ein neues Museum dem Rohstoff Öl als kulturellem Material und verbindet Kunst, Architektur, Lichtdesign und immersive Räume.
Öl hat die Moderne geprägt wie kaum ein anderer Stoff. Es steckt in Mobilität, Konsum, Gestaltung, Mode, Industrie und Alltag. Und doch bleibt es meistens unsichtbar. Das Black Gold Museum in Riad nimmt diese Spannung zum Ausgangspunkt und macht aus einem Rohstoff ein kulturelles Thema. Nicht als technische Abhandlung, sondern als räumliche Erfahrung zwischen Kunst, Design, Licht und digitaler Erzählung.
Der Ort ist Teil der Aussage. Das Museum befindet sich auf dem KAPSARC-Campus in Riad, in einem Gebäude, dessen ursprüngliche Architektur von Zaha Hadid Architects stammt. Die frühere Forschungsbibliothek wurde von DaeWha Kang Studio in ein Museum über vier Ebenen verwandelt. Rund 6.800 Quadratmeter umfassen permanente Galerien, eine Halle für temporäre Ausstellungen, Café, Eventgarten und Bereiche für Logistik und Kunsthandling. Das Black Gold Museum ist dabei nicht als klassisches Ausstellungshaus gedacht, sondern als Abfolge von Räumen, in denen Architektur, Szenografie, Licht und digitale Elemente ineinandergreifen.
Die kuratorische Idee stammt von Christian Janicot. Im Zentrum steht die Frage, wie ein Material, das ganze Gesellschaften verändert hat, im Alltag so selten bewusst wahrgenommen wird. Der Rundgang ist in vier Kapitel gegliedert. Encounter, Dreams, Doubts und Visions beschreiben keine reine Chronologie, sondern unterschiedliche Zustände im Verhältnis zwischen Mensch und Öl. Der Rohstoff erscheint als Versprechen, als Motor der Moderne, als Problem und als Projektionsfläche für neue Zukunftsbilder.
Mehr als 350 Kunstwerke und Installationen bilden die Sammlung. Gezeigt werden Arbeiten aus Fotografie, Skulptur, Malerei, Film, Design, Mode, Comic und digitalen Praktiken. Internationale Positionen wie Wim Delvoye, Adel Abdessemed, Jimmie Durham, Edward Burtynsky, Christo und Ugo Rondinone treffen auf saudi-arabische Künstler wie Ahmed Mater und Muhannad Shono. Öl wird hier nicht nur als ökonomische Ressource betrachtet, sondern als Material, das Bilder, Objekte, Lebensformen und Räume hervorgebracht hat.
Für die Szenografie zeichnet Agence NC unter der Leitung von Nathalie Crinière verantwortlich. Jeder Abschnitt erhält eine eigene Atmosphäre. Mineralische, dunklere Räume wechseln mit helleren Sequenzen. Materialien, Maßstab und Lichtverläufe bestimmen, wie sich der Besuch anfühlt. Das Lichtdesign von Lightemotion führt durch den Rundgang, hebt Oberflächen hervor und verbindet unterschiedliche Werke zu einer gemeinsamen Erzählung. Ergänzt wird das Konzept durch digitale Installationen von La Méduse und Nokinomo, die mit bewegten Bildern, Daten, Interaktion und räumlichem Klang arbeiten.
Riad als Bühne für ein neues Museumsformat
Das Black Gold Museum passt in eine Zeit, in der Kulturinstitutionen zunehmend anders erzählen. Wissen wird nicht nur vermittelt, sondern räumlich übersetzt. In Riad wirkt dieser Ansatz besonders stark, weil das Thema Öl unmittelbar mit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Geschichte des Landes verbunden ist.