Künstliche Intelligenz & Lichtdesign: Ein Interview mit Alexander Oborny
Alexander Oborny von »Lights of Vienna« sprach mit LIVING über künstliche Intelligenz, neue Entwurfsprozesse und die Zukunft gestalteter Atmosphäre.
Licht ist im Raum nie nur funktional. Es führt durch Architektur, verändert Materialien und entscheidet darüber, wie ein Ort wahrgenommen wird. »Lights of Vienna« arbeitet seit Jahrzehnten an dieser Schnittstelle. Das Unternehmen entwickelt und fertigt maßgeschneiderte Leuchten für internationale Projekte und bewegt sich heute zunehmend auch im kulturellen Designdiskurs. Die Talkreihe »Design in Transition« zeigt, wie die Marke ihren Anspruch erweitert. Nicht nur das Objekt steht im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, wie Gestaltung künftig entsteht.
Interview mit Alexander Oborny, Lights of Vienna
LIVING: Lieber Herr Oborny, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für das Gespräch nehmen. »Lights of Vienna« kommt aus der Fertigung, bewegt sich heute aber zunehmend auch im kulturellen Designdiskurs. Was hat Sie dazu bewogen, mit »Design in Transition« nicht nur Produkte, sondern auch Fragen zur Zukunft von Gestaltung auf die Bühne zu bringen?
OBORNY: Wir erleben derzeit einen grundlegenden Wandel in der Art, wie Design entsteht – technologisch, gesellschaftlich und kulturell. Künstliche Intelligenz verändert die Art, wie Entwürfe entstehen. Themen, welche die gesamte Gesellschaft betreffen wie Nachhaltigkeit und Individualisierung stellen neue Anforderungen an das Design bzw. an die Gestaltung. Es geht nicht mehr nur um die Form, sondern es geht zunehmend um Haltung - um die Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir leben oder arbeiten wollen oder Räume erleben wollen.
Das betrifft auch den Leuchten-Bereich oder das Lichtdesign. Als Unternehmen, das seit vielen Jahren zwischen Handwerk, Industrie und Architektur arbeitet, sehen wir es als unsere Verantwortung, diesen Wandel aktiv mitzugestalten. Uns interessiert nicht nur, was gestaltet wird, sondern zunehmend auch wie und warum Gestaltung entsteht.
»Design in Transition« soll einen Raum schaffen, in dem Designer, Architekten, Hersteller und Technologen gemeinsam über die Zukunft des Entwerfens nachdenken.
LIVING: »Lights of Vienna« gestaltet Licht für Hotels, private Residenzen, Yachten und sakrale Räume. Was muss ein Lichtobjekt können, damit es nicht nur den Raum beleuchtet, sondern seine Atmosphäre wirklich prägt?
OBORNY: Licht wird dann relevant, wenn es Emotionen erzeugt und Orientierung gibt. Dabei unterscheiden wir das Leuchtobjekt, die Lichtqualität bzw. u.a. die Lichttemperatur und die Lichtführung. Wenn alle 3 Bereiche stimmig sind, schafft die Leuchte nicht nur Aufmerksamkeit für sich selbst, sondern verstärkt die Qualität des Raumes. Wenn man das Gefühl hat, dass die Leuchte schon immer da war, dann tritt sie in Resonanz mit dem Raum - dann fühlt sie sich »richtig« an.
»Design in Transition« soll einen Raum schaffen, in dem Designer, Architekten, Hersteller und Technologen gemeinsam über die Zukunft des Entwerfens nachdenken.
Alexander Oborny
Geschäftsführender Gesellschafter Lights of Vienna
Alexander Oborny
Geschäftsführender Gesellschafter Lights of Vienna
LIVING: Generative KI kann in kurzer Zeit viele Formen und Varianten erzeugen. Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit daraus nicht nur ein digitales Ergebnis, sondern ein starker Entwurf wird?
OBORNY: KI kann unendlich viele Möglichkeiten erzeugen, aber sie ersetzt nicht die gestalterische Haltung oder die kuratorischen Fähigkeiten der Kreativen. Ein starker Entwurf entsteht durch Kontext und die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Design beginnt für uns dort, wo Technologie auf menschliche Intuition trifft. Produktdesign entsteht oft aus Intuition, Materialgefühl und Prototyping. Idee, Kontext und Bedeutung werden immer wichtiger. Das Spüren der Authentizität wird an Bedeutung noch mehr zunehmen.
LIVING: »Lights of Vienna« verbindet industrielle Präzision mit Handwerk, Materialgefühl und Einzelanfertigung. Welche Rolle bleibt der Hand, dem Auge und der Erfahrung, wenn digitale Werkzeuge immer stärker in den Entwurfsprozess eingreifen?
OBORNY: Das geschulte Auge erkennt Dinge, die kein Algorithmus messen kann, wie Proportionen und Spannungsverhältnisse, die mathematisch korrekt sind, aber trotzdem nicht harmonisch wirken. Die Wirkung von Licht auf unterschiedliche Materialien und Oberflächen, die emotionale Wirkung eines Objekts oder Raumes, die feinen Nuancen zwischen Perfektion und Charakter, die Frage, wann etwas reduziert und elegant wirkt und wann es kalt oder beliebig wird. Deshalb sehen wir die Zukunft nicht als Entweder- oder, sondern als Verbindung von digitaler Präzision und menschlicher Erfahrung.
Das Bedürfnis nach Authentizität wird künftig noch stärker an Bedeutung gewinnen. Aktuell erhalten wir beispielsweise Anfragen, bei denen bewusst sichtbare Schweißnähte gewünscht werden – ein Detail, das sich nicht durch Schweißroboter reproduzieren lässt, sondern die Handschrift des Handwerks sichtbar macht.
LIVING: Mit »Design in Transition« öffnen Sie einen Dialog über Gestaltung, Technologie und Zukunft. Welche Frage beschäftigt Sie selbst derzeit am meisten?
OBORNY: Mich beschäftigt die Frage, wie wir technologische Möglichkeiten nutzen können, ohne die menschliche Handschrift zu verlieren. Wie verändert Künstliche Intelligenz die Art und Weise, wie wir gestalten, entwerfen und produzieren? Wie setzen wir KI ein, ohne beliebig zu werden? Und entsteht durch den Einsatz generativer KI eine neue Formensprache? Wie sieht es mit der Autorenschaft aus? Wie schaffen wir Innovation, die nicht nur effizienter, sondern auch bedeutungsvoll ist? Und wie gestalten wir Produkte, die emotional, ästhetisch und nachhaltig sind? Genau über diese Fragen möchten wir mit »Design in Transition« diskutieren.
Mit »Design in Transition« erweitert »Lights of Vienna« den Blick über das Lichtobjekt hinaus. Die Talkreihe geht maßgeblich auf Sabine Mitterbacher, Head of Brand bei »Lights of Vienna«, zurück, die das Format aus einem persönlichen Anliegen heraus konzeptionell entwickelt und als kulturelle Plattform der Marke aufgebaut hat. Gemeinsam mit Alexander Oborny, Geschäftsführer von »Lights of Vienna«, wurde die zweite Ausgabe im Wiener Bridge Club als Abend für Design, Technologie und Diskurs fortgeführt. Unter dem Titel »Generative AI and the New Logic of Form« diskutierten Matias del Campo, Boris Podrecca und Thomas Feichtner unter der Moderation von Martin Traxl über generative KI, Autorenschaft und neue Entwurfslogiken.
Als LIVING beim abendlichen Talk vor Ort war, zeigte sich, wie weit der Anspruch eines Leuchtenherstellers heute reichen kann. Es geht nicht nur um Formen, Materialien und Technologien, sondern auch um kulturelle Fragen, die mit Gestaltung verbunden sind. Im Zentrum des Gesprächs stand generative KI und damit die Frage, wie digitale Werkzeuge Entwurfsprozesse, Autorenschaft und kreative Verantwortung verändern.
Dass dieser Diskurs zur Marke passt, zeigt sich auch in den Projekten. »Lights of Vienna« entwickelt Leuchten nicht als isolierte Objekte, sondern aus dem jeweiligen Raum heraus. Weltweit hängen die Leuchten des Unternehmens heute in mehr als 50 Staaten. In Hotels, Restaurants, Spas, sakralen Räumen, Yachten und privaten Residenzen wird Licht zum verbindenden Element, das technische Präzision in räumliche Wirkung übersetzt.
Parallel zum internationalen Projektgeschäft baut »Lights of Vienna« auch eine eigene Leuchten-Designkollektionen auf, die gemeinsam mit verschiedenen Designer:innen entstehen. Die letzten drei gezeigten Bilder der Galerie geben einen kleinen Einblick in die eigene Kollektion. Die Fertigung in und rund um Wien bleibt dabei der Ausgangspunkt. Von hier aus entstehen maßgeschneiderte Lichtlösungen, die technische Präzision mit räumlicher Wirkung verbinden und Licht von Beginn an als Teil des Entwurfs verstehen.