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Wien blickt nach oben: Billi Thanners „Unendlichkeit des Lichtes“ erwacht bald

Licht
Kunst

Billi Thanners monumentale Lichtskulptur „Unendlichkeit des Lichtes“ steht kurz vor ihrer Enthüllung. Das Werk verbindet Architektur, Präzision und poetisches Licht – und erweitert die Votivkirche um einen zeitgenössischen Dialog im Stadtraum.

Wenn die liegende Acht auf den Türmen der Votivkirche am 16. Dezember erstmals vollständig erleuchtet wird, endet ein Prozess, der weit früher begonnen hat. Billi Thanner arbeitete rund eineinhalb Jahre an der „Unendlichkeit des Lichtes“ – einer Skulptur, die nicht durch Lautstärke, sondern durch Klarheit wirken soll. Billi Thanner bezeichnet die vertikale Lichtinstallation am Stephansdom, die sie 2021 realisierte, im Vergleich zu diesem neuen Projekt als „Kindergarten".

Das 1.500 kg schwere und 28 m lange Lichtobjekt muss nämlich Windspitzen von bis zu 100 km/h standhalten, eine echte statische Herausforderung. Bevor das Werk überhaupt zwischen die Türme gehoben werden konnte, waren unter anderem 3D-Vermessungen und eine Genehmigung des Bundesdenkmalamtes nötig. Erst dann folgte in der vergangenen Woche die Installation, ausgeführt von Industriekletterern auf einer Höhe von 90 Metern.

Blick durch ein gotisches Dreipassfenster. Das Objekt wurde auf 90 m Höhe zusammengefügt.

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Montage in schwindelerregender Höhe durch Industriekletterer.

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Bemerkenswert ist auch der Rahmen, in dem die Arbeit entsteht: Die Renovierung der Votivkirche wurde erst kürzlich, nach 25 Jahren Bauzeit, abgeschlossen. Nachvollziehbar, dass Pfarrer Dr. Joseph Farrugia trotz großer Vorfreude auch ein wenig nervös war: „Haut’s ma die Kirche bloß ned glei wieder zam“.

Billi Thanners Konzept bleibt bewusst niedrigschwellig: Licht als Symbol für Verbindung, ein Projekt, getragen von Menschen, die an die Wirkung von Schönheit glauben. Die Realisierung erfolgte ohne öffentliche Förderungen; die Finanzierung beruht ausschließlich auf Spenden, die die Künstlerin selbst gesammelt hat. Die 4.900 LED-Punkte der Skulptur leuchten tagsüber mit voller, nachts mit gedimmter Intensität – vorerst warmweiß, technisch aber beliebig variierbar.

Für die Bezirksvorsteherin des Alsergrunds Saya Ahmad bietet das Projekt einen einfachen Zugang zu Kunst und Kultur im Grätzl. Für Wien bedeutet es vor allem eines: Ab dem 16. Dezember lohnt sich am Schottentor ein Blick nach oben, weg vom Handybildschirm, besonders.

Künstlerin Billi Thanner und Kurator Walter Seidl vor der Votivkirche, wo die Skulptur noch auf ihre Illuminierung wartet.

© Katharina Schiffl
Redaktion
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