Ein neues Licht über Wien
Mit der ersten Illuminierung von „Unendlichkeit des Lichtes“ tritt Billi Thanners neue Skulptur in den öffentlichen Raum. Ein Symbol für die Verbindung zwischen allen Menschen, die an das Schöne glauben.
Ab dem Abend des 16. Dezembers zeigt sich die Votivkirche von einer neuen Seite. Mit „Unendlichkeit des Lichtes“ installierte die Künstlerin Billi Thanner eine monumentale Lichtskulptur zwischen den Türmen des neugotischen Bauwerks. Damit erweitert sie den Wiener Alsergrund um einen zeitgenössischen Akzent, der für alle zugänglich ist. Im unserem Online-Beitrag Wien blickt nach oben berichteten wir von der Entstehung des Kunstwerks, von der ersten Idee bis zur Montage auf 90 Höhenmetern. Das gesamte Projekt wurde vollständig privat finanziert.
Die 28 Meter breite, liegende Acht aus Aluminium leuchtet vorerst bis August tagsüber sowie nachts warmweiß. Das Unendlichkeitszeichen, auch Lemniskate genannt, wurde 1655 vom Mathematiker John Wallis eingeführt, um mathematisch Unendlichkeit darzustellen. Das Konzept kam jedoch schon weit früher in verschiedenen Kulturen vor, etwa als sich selbst beißende Schlange "Uroboros" in der Antike.
Die Wiener Künstlerin verzichtet bewusst auf symbolische Überhöhung. Stattdessen übersetzt sie eine einfache physikalische Konstante in eine klare Form: Acht Minuten benötigt Licht von der Sonne zur Erde. Diese Zeitspanne wird zur Metapher für Kontinuität und Verbindung. Kunst, so Billi Thanners Haltung, soll sichtbar sein, ohne sich erklären zu müssen.
Vier Jahre nach ihrer Himmelsleiter-Lichtinstallation am Stephansdom nutzt die Künstlerin abermals die Architektur einer gotischen Kirche als Leinwand. Die horizontale Linie der Skulptur bildet einen bewussten Kontrapunkt zur vertikalen Architektur der Votivkirche. Das Ergebnis ist kein Bruch, sondern ein Dialog zwischen historischer Substanz und zeitgenössischer Kunst.