Lichtdesign im Restaurant: Wie »Tevar« in Hyderabad Atmosphäre formt
In Hyderabad im Süden Indiens zeigt »Tevar«, wie Lichtdesign weit über Beleuchtung hinausgeht und ein Restaurant räumlich, materiell und atmosphärisch prägt.
Restaurants bleiben nicht nur wegen ihrer Küche im Gedächtnis. Oft ist es die Atmosphäre, die einen Ort trägt. Im »Tevar – The Progressive Indian Kitchen & Bar« in Hyderabad übernimmt Licht genau diese Aufgabe. Das indische Studio Love of Light entwickelte gemeinsam mit 23 Degrees Design Shift ein Konzept, bei dem Beleuchtung nicht als nachträgliche Ergänzung, sondern als Teil des räumlichen Entwurfs geplant wurde.
Das Interieur arbeitet mit dunklen Tönen, geschwungenen Formen und klar gesetzten Blickachsen. Statt den Gastraum gleichmäßig auszuleuchten, setzt das Konzept auf Kontraste, Akzente und unterschiedliche Lichtzonen. Tischbereiche, Wandnischen, Deckenformen und Materialien treten dadurch nicht gleichzeitig hervor, sondern entfalten sich nach und nach. So entsteht ein Restaurant, das seine Wirkung weniger aus Dekoration bezieht, sondern aus Tiefe, Schatten, Oberflächen und gezielter Lichtführung.
Über dem zentralen Dining-Bereich hängt eine große Installation aus 89 laternenartigen Leuchten. Sie bildet das visuelle Zentrum des Raumes und schafft eine warme Lichtdecke über den Tischen. Die Leuchten wurden eigens für das Projekt regional entwickelt und aus recyceltem Aluminium sowie mundgeblasenem Glas gefertigt. Besonders interessant ist dabei der lokale Bezug. Die Leuchten wurden aus recyceltem Aluminium und mundgeblasenem Glas gefertigt, das aus einem Umkreis von rund 100 Kilometern stammt. So wird Licht im »Tevar« nicht nur funktional eingesetzt, sondern als Material, Handwerk und atmosphärisches Gestaltungselement erfahrbar.
Entlang der Wände greifen maßgefertigte »Jharokha-Elemente« ein Motiv aus der indischen Architektur auf. Im »Tevar« werden die vorspringenden Fensternischen zu einem grafischen Wandmotiv, das Herkunft andeutet, ohne ins Dekorative zu kippen. Integrierte Lichtlinien betonen die Oberflächen und geben dem Gastraum einen ruhigen Rhythmus. Die warme Lichttemperatur unterstützt zudem Materialien, Interieur und Speisen.
Das Lichtkonzept reagiert auf die unterschiedlichen Situationen im Restaurant. Am Tag, beim Dinner, an der Bar oder während Live-Performances verändert sich die Stimmung, während der gestalterische Zusammenhang erhalten bleibt. Im Barbereich werden Flaschen, Materialien und Counterflächen gezielt hervorgehoben. In den Dining-Zonen bleibt das Licht nah am Tisch und schafft eine intimere Wirkung. So entsteht keine einheitliche Helligkeit, sondern ein Ablauf aus Momenten, der sich mit der Nutzung des Restaurants verändert.
Auch technisch wurde das Projekt auf Langlebigkeit ausgelegt. Einzelne Bauteile der Leuchten lassen sich warten oder austauschen, ohne die gesamte Installation ersetzen zu müssen. Dazu kommen lokal bezogene Materialien und dimmbare LED-Systeme. Nachhaltigkeit entsteht hier nicht allein durch Energieeffizienz, sondern durch Pflege, Reparaturfähigkeit und einen bewussten Umgang mit Material.
»Tevar« zeigt, wie stark Lichtdesign ein Hospitality-Projekt prägen kann. Licht ordnet den Raum, lenkt den Blick, macht Materialien erfahrbar und beeinflusst, wie Gäste sich durch den Ort bewegen und ihn wahrnehmen. Für Restaurants mit Designanspruch ist das Projekt ein Beispiel dafür, dass Licht längst nicht mehr am Ende der Planung steht. Es entscheidet mit darüber, wie ein Ort in Erinnerung bleibt.
Projekt
Tevar – The Progressive Indian Kitchen & Bar, Hyderabad
Lighting Design
Love of Light
Lead Lighting Designer
Dashak Agarwal
Interior Design
23 Degrees Design Shift
Bildcredit
Vivek Eadara
Source
v2com