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© Kris Tamburello, Source: v2com

Artful Living: 5 Beispiele, wie Kunst das Interior verändert

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Kunst im Interior wird zum Schlüssel für persönliche Räume. Diese Beispiele zeigen, wie Skulpturen und Kunstwerke dem Zuhause kulturelle Tiefe, Charakter und eine bewusst kuratierte Wirkung verleihen.

Bei Pascale Girardin verschiebt sich der Blick von der großen öffentlichen Installation in den privaten Wohnraum. Die Künstlerin, die für Arbeiten in Hotels, Kulturorten und öffentlichen Bereichen bekannt ist, entwickelt in Québec inzwischen vermehrt Arbeiten für private Residences. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht einzelne dekorative Setzungen, sondern maßgeschneiderte Eingriffe, die Architektur und Alltag verbinden. Ein Wandbild mit Wolken- und Blütenmotiv empfängt im Eingangsbereich eines modernen Hauses, während ein handgearbeiteter Kaminbereich in tiefen Blautönen über Glasur, Relief und Lichtwirkung arbeitet. Die Oberfläche bleibt dabei bewusst weich in der Wirkung. Sie soll den Raum nicht dominieren, sondern ihn begleiten. Gerade dadurch wird Kunst hier zu einem Teil des Wohnens, der täglich präsent ist und nicht nur aus der Distanz betrachtet wird.

Im Art Gallery House von Clara Lleal INTERIORISTA wird Skulptur nicht als einzelnes Objekt behandelt, sondern als Ausgangspunkt des gesamten Interiors. Das Haus in Badalona wurde für den Künstler und Bildhauer Juanma Noguera entworfen. Eine zentrale Herausforderung bestand darin, seine Arbeiten so in das Projekt einzubinden, dass sie nicht wie Ausstellungsstücke wirken, sondern Teil des räumlichen Alltags werden. Dafür wurde die industrielle Substanz des Gebäudes bewusst freigelegt. Sichtbare Ziegelwände, Gewölbedecken mit Eisenbalken, originale hydraulische Böden, Beton, Schwarzstahl und wiedergewonnenes Holz bilden einen rohen, aber warmen Rahmen. Besonders stark wirkt der große Wohn- und Essbereich mit rund 120 Quadratmetern und mehr als sechs Metern Raumhöhe. Die skulpturalen Arbeiten treffen dort auf maßgefertigte Möbel, viel Tageslicht, antike Stücke und eine Galeriezone mit Eisen- und Glastüren. So entsteht ein Zuhause, das tatsächlich wie eine bewohnbare Art Gallery funktioniert.

Mit Glint Variation von Ceramiche Refin und Quayola wird Oberfläche zum künstlerischen Medium. Das Projekt entstand im Rahmen von REFIN DTS – Daring Art Explorations und setzt eine Zusammenarbeit fort, die bereits beim Fuorisalone in Mailand mit einer Installation in den Refin Studio Spaces sichtbar wurde. Für die Variation wurde die Idee weiterentwickelt und in einzelne, skulpturale Elemente aus Feinsteinzeug übertragen. Inhaltlich geht es um Licht, Wasser und Geometrie. Die Struktur soll die Bewegung von Wasseroberflächen in ein greifbares Relief übersetzen. Dafür wurde im Refin-Labor ein spezielles Verfahren entwickelt, das eine fein reliefierte Oberfläche ermöglicht. Besonders interessant für das Interior ist der modulare Charakter. Die Stücke können einzeln wie ein Kunstobjekt wirken oder zu größeren Kompositionen zusammengefügt werden. Die 30 x 60 Zentimeter große Variante erscheint als limitierte Edition von 99 Stücken mit nummeriertem Zertifikat.

Im Projekt »Life as Art« von Martha Franco Architecture & Design wird ein Wohnhaus aus dem Jahr 1912 zur Bühne für eine private Kunstsammlung. Das Projekt liegt in Westmount bei Montréal und verbindet historische Substanz mit zeitgenössischen Eingriffen. Gallery Windows, gewölbte Decken und klassische Raumfolgen bilden den Rahmen für Werke von Jean-Paul Riopelle, Jim Dine, Damien Hirst, Francesco Vezzoli und Kent Monkman. Interessant ist dabei der Umgang mit Übergängen. Kunst wird hier nicht nur an einzelne Wände gesetzt, sondern begleitet Wege durch das Haus, vom Entrée über Ess- und Wohnzimmer bis in privatere Bereiche. So entsteht ein Interior, in dem Vergangenheit, Sammlung und heutiges Wohnen miteinander in Dialog treten, ohne distanziert oder unbewohnbar zu wirken.

Ein Wohnhaus-Projekt von Strang Design in Miami zeigt, wie persönlich Artful Living im privaten Interior werden kann. Entworfen wurde es für eine vierköpfige Familie aus Brasilien. Das Projekt verbindet die Prinzipien des »Environmental Modernism« mit kulturellen Bezügen der Bewohner. Die Architektur ist auf Licht, subtropisches Klima und eine enge Beziehung zum Garten ausgerichtet. Im Inneren prägen Travertin, Teak, Sichtbeton, Jerusalem Stone und warme Erdtöne das Bild. Dazu kommen Vintage- und Einzelstücke, die auf den brasilianischen Hintergrund der Familie verweisen. Der Raum wirkt dadurch nicht wie eine neutrale Designhülle, sondern wie ein persönliches Wohnbild, in dem Material, Herkunft und Lebensweise ineinandergreifen.

Artful Living zeigt, wie sehr Kunst ein Interior prägen kann, wenn sie nicht als Dekoration verstanden wird, sondern als Teil des Raums. Skulpturen, Editionen und besondere Objekte geben Wohnungen eine persönliche Signatur und machen sichtbar, was Menschen interessiert, was sie sammeln und was sie begleitet.

Sebastian Krebitz
Sebastian Krebitz
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