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© The Metropolitan Museum of Art. Ensemble, John Galliano for Maison Margiela, autumn/winter 2020–21 haute couture. Courtesy of Maison Margiela; The Veiled Woman, Rafaelle Monti, 1854. The Metropolitan Museum of Art, New York, Gift of Annie Brinkmann, 1887 (87.7) Artwork by Julie Wolfe.

Met Gala 2026: Wenn Couture zur Inspiration für Räume wird

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Die Met Gala 2026 zeigt, wie eng Mode und Interior Design heute verbunden sind, wenn Materialien, Farben und räumliche Wirkung zu einer gemeinsamen ästhetischen Sprache finden.

Heute richtet sich der Blick wieder auf die Stufen des Metropolitan Museum of Art in New York. Die Met Gala begleitet in diesem Jahr die Ausstellung »Costume Art« des Costume Institute, die ab 10. Mai 2026 im Museum zu sehen ist. Der Dresscode »Fashion is Art« macht deutlich, worum es geht. Mode wird nicht nur als Erscheinung verstanden, sondern als körpernahes Kunstwerk, als Materialstudie und als kulturelles Objekt. Auch Räume erzählen über Stoffe, Oberflächen, Proportionen, Licht und ausgewählte Stücke, wie Gestaltung heute wirkt.

Mode als Objektkunst

Rafaelle Monti (Italien, 1818–1881). »The Veiled Woman«, 1854. Marmor, 75 × 22 × 26 in. (190,5 × 55,9 × 66 cm). The Metropolitan Museum of Art, New York, Schenkung von Annie Brinkmann, 1887 (87.7). Foto von Anna-Marie Kellen; Maison Margiela (Frankreich, gegründet 1988). John Galliano (geboren in Gibraltar, 1960). Ensemble (Detail), Haute Couture Herbst/Winter 2020–21. Kleid aus hautfarbenem Seidentüll, überlagert mit weißer Seidengaze und mit rotem Seidenfaden besetzt; Schleier aus weißer Seidengaze. Courtesy Maison Margiela.

© The Metropolitan Museum of Art

Die Met Gala 2026 setzt dort an, wo Kleidung ihre rein funktionale Ebene verlässt. Ein Kleid kann Skulptur sein, eine Silhouette kann an Architektur erinnern, ein Stoff kann durch Faltung, Stickerei oder Oberfläche eine eigene räumliche Wirkung entfalten. Dieser Gedanke ist dem Interior Design näher, als es auf den ersten Blick scheint. Auch ein Sessel, eine Leuchte oder ein Teppich kann mehr sein als ein Gebrauchsgegenstand. Entscheidend ist die Präsenz im Raum. Hochwertige Materialien, präzise Linien und handwerkliche Details machen aus Möbeln und Objekten Stücke, die nicht nur eingerichtet, sondern bewusst platziert werden.

Der Körper als Maßstab

Marcantonio Raimondi (Italien, ca. 1480–vor 1534), nach Raphael (Raffaello Sanzio oder Santi) (1483–1520). »Adam and Eve«(Detail), ca. 1512–14. Kupferstich, 9 1⁄2 × 6 15⁄16 in. (24,2 × 17,6 cm) (Blatt). The Metropolitan Museum of Art, New York, Ankauf, Joseph Pulitzer Bequest, 1917 (17.50.42); Lùchen (amerikanisch, gegründet 2021). Lu Chen (China, geboren 1994). Ensemble »Adam with Apple«, Frühjahr/Sommer 2022. Beigefarbener Nylontüll und silberfarbene Metallhaken und -ösen. Courtesy Lùchen.

© The Metropolitan Museum of Art

Jean-Baptiste Carpeaux (Frankreich, 1827–1875). »Impression of Amélie de Montfort« (Detail), ca. 1867–69. Terrakotta, 7 5⁄8 × 3 1⁄4 × 3 1⁄2 in. (19,4 × 8,3 × 8,9 cm). The Metropolitan Museum of Art, New York, Ankauf, Friends of European Sculpture and Decorative Arts Gifts, 1989 (1989.289.2); Charles James (geboren in Großbritannien, 1906–1978). »Bustle«-Musselin, 1947. Ungebleichter und schwarzer Baumwollmusselin. The Metropolitan Museum of Art, New York, Brooklyn Museum Costume Collection at The Metropolitan Museum of Art, Schenkung des Brooklyn Museum, 2009; Schenkung von Millicent Huttleston Rogers, 1949 (2009.300.752).

© The Metropolitan Museum of Art

Im Zentrum von »Costume Art« steht der gekleidete Körper. Für das Wohnen ist dieser Gedanke besonders interessant, weil auch Interior Design vom Körper ausgeht. Ein Raum wird nicht nur gesehen, sondern betreten, berührt und erlebt. Die Höhe eines Sessels, die Tiefe eines Sofas, das Gewicht eines Vorhangs oder die Struktur eines Teppichs beeinflussen, wie sich ein Raum anfühlt. Mode und Interior teilen damit eine gemeinsame Grundlage. Beide arbeiten mit Nähe, Bewegung und Material. Was auf dem Red Carpet als Couture erscheint, findet im Wohnraum seine Entsprechung in Polsterung, Textil, Oberfläche und Proportion.

Stoffe als Architektur

Kaum ein Bereich verbindet Mode und Interior Design so unmittelbar wie Textilien. Drapierungen, Plissees, schwere Stoffbahnen, feine Transparenzen und aufwendig gearbeitete Oberflächen gehören in beiden Welten zu den stärksten Gestaltungsmitteln. Das gezeigte Met-Gala-Posting von Theaterproduzent Jordan Roth führt das auf besonders eindrückliche Weise vor. Sein ausladendes Cape funktioniert nicht nur wie ein mobiler Innenraum, sondern trägt im Motiv selbst bereits Architektur. Die aufgefächerte Stofffläche zeigt einen Theaterraum mit Rängen, Decke und Proszenium und macht das Outfit damit zur begehbaren Szenerie im Bild. Mode erscheint hier nicht bloß als Hülle, sondern als Raumidee aus Stoff.

Darin liegt auch die Nähe zum Interior, wo Vorhänge, Wandbespannungen oder große textile Flächen nicht nur dekorieren, sondern Räume gliedern, Atmosphäre erzeugen und Wahrnehmung steuern.

Der Raum als Bühne

Die Met Gala lebt nicht nur von Mode, sondern auch von ihrem räumlichen Rahmen. Treppen, Licht, Blickachsen und der Moment des Ankommens sind Teil ihrer Wirkung. Auch im Interior Design wird der Raum als komponiertes Ganzes verstanden. Es geht nicht um starke Effekte, sondern um das Verhältnis von Möbeln, Kunst, Licht und Material. Ein Eingangsbereich kann wie ein Auftakt funktionieren, ein Esstisch wie ein Zentrum, ein Sessel wie ein Solitär. Räume gewinnen an Ausdruck, wenn ihre Elemente nicht zufällig nebeneinanderstehen, sondern eine klare Beziehung zueinander eingehen.

Zwischen Körper, Objekt und Raum

Die Met Gala 2026 ist damit mehr als ein Modeereignis. Sie öffnet einen Blick auf Gestaltung, der Mode, Kunst und Interior Design nicht getrennt voneinander betrachtet. Kleidung, Möbel und Räume arbeiten mit ähnlichen Fragen. Wie wirkt Material am Körper oder im Raum. Wie verändert Licht eine Oberfläche. Wie wird aus Handwerk Ausdruck. Und wie viel Kunst steckt in Dingen, die uns im Alltag umgeben. Darin liegt die Relevanz dieses Moments für Interior Design. Wer Räume heute gestaltet, denkt nicht nur in Möbeln, sondern in Beziehungen zwischen Körper, Objekt, Material und Atmosphäre.

Sebastian Krebitz
Sebastian Krebitz
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