Frühjahrsstart im Garten: Tipps & Trends
Der akkurat geschnittene englische Rasen ist out: Es darf wieder wild gewuchert werden im Garten. Klare Linien bei der Architektur schaffen einen schönen Kontrast. Auch im Trend: markante Bäume und klimafreundliche Arten – und eigenes Gemüse.
Wenn die Tage länger werden, dann hält uns wenig drinnen. Der Impuls sagt: Jetzt wird wieder gegartelt. Doch bevor es richtig losgeht, sollte man ganz pragmatisch klären, was den heuer doch eher strengen Winter überlebt hat im Garten oder auf der Terrasse. »Grundsätzlich muss man zwischen winterharten und nicht winterharten Pflanzen unterscheiden«, sagt die Gartenexpertin Theresia Starkl. Was in Österreich heimisch oder entsprechend robust sei, überstehe auch Minusgrade meist problemlos.
Urbane Wildnis
Oase für Mensch und Tier: Ein schön wuchernder Terrassen-garten ist ein echter Hingucker.
starkl.at
SANFT AUFRÄUMEN
»Die häufigste Todesursache ist tatsächlich nicht die Kälte, sondern Trockenheit«, so die Expertin. Gerade immergrüne Pflanzen und Gewächse im Topf leiden eher unter fehlendem Wasser als unter Frost. Fürs Gießen im Winter aber gilt: immer nur an frostfreien Tagen. Wer im Frühling unsicher ist, kann vorsichtig an der Rinde kratzen. »Ist es darunter grün, lebt die Pflanze«, sagt Starkl. Und was sollte man im Frühling beim Aufräumen beachten? Laub und abgestorbene Pflanzenteile dürfen weg – aber mit Maß. »Ganz viele Nützlinge überwintern in den Beeten, in braunen Blättern oder hohlen Stängeln«, betont die Gärtnerin. Wann ist der richtige Zeitpunkt? Ihr Richtwert ist ein altbekannter Frühlingsbote: »Sobald die Forsythie blüht, kann man loslegen.«
Zentral ist, den Garten als Gesamtsystem zu denken, das man fit für die Zukunft machen möchte. »Natürlich spielt Klimafreundlichkeit eine immer wichtigere Rolle«, sagt Stefan Hinterhölzl, Landschaftsarchitekt bei Kramer und Kramer. Das beginnt bei der Auswahl klimaresistenter Pflanzen. »Bäume rücken ins Zentrum. Sie spielen wieder die Hauptrolle im Garten.« Gefragt sind dabei: markant gewachsene Solitärgehölze mit Charakter und klimafreundliche Arten, die mit Hitze und Trockenperioden zurechtkommen.
MISCHUNG AUS RANZ UND GLANZ
Pflanzflächen sind zwar strukturiert und definiert, dürfen aber wieder üppig sein. Wer heute einen Garten plant, will mehr als Rasen, Hecke, Kugelbaum. »Die Trends gehen ganz klar weg von dekorativen, kurzlebigen Gärten hin zu zeitlosen, architektonisch gedachten Anlagen – aber mit viel mehr Natürlichkeit«, sagt Peter Baumgarten von Begründer. Gerade diese scheinbare Gegensätzlichkeit mache den Reiz aus: klare Linien im Baulichen, der Retro-Schick von Mid-Century-Pavillons und dazu üppige Freiheit im Grünen. Baumgarten, der seit Jahren Gärten im urbanen Raum gestaltet, beobachtet eine leise, aber konsequente Verschiebung. Große Staudenflächen und Gräserbeete dürfen wieder »einfacher und natürlicher sein«. Wasser spielt als Gestaltungselement eine wichtige Rolle – als Becken, Teich oder Pool.
Perfekter Kontrast
Klare Linien im Baulichen, der Retro-Schick von Mid-Century-Pavillons, und Wildwuchs im Garten.
kramerundkramer.at
»Wie heißt es so schön? Eine gute Mischung aus Ranz und Glanz«, sagt er. Gemeint ist das bewusste Nebeneinander von rauen, gewachsenen Strukturen und präzisen, hochwertigen Elementen. »Da dürfen auch große Felsen herumliegen, die in einen Dialog mit dem Haus treten.«
Auch der Nutzgarten erlebt eine Renaissance. Kund:innen fragen wieder nach klassischen Beeten, nach Glashäusern, nach einem eigenen Bereich für Gemüse und Kräuter. Hochbeete aus Metall oder Holz bleiben, doch der Wunsch wächst wieder, »ganz normal im Boden anzubauen, mit Schotter- oder Rasenwegen dazwischen«, so Baumgarten. Was lange dominierte, war die Sehnsucht nach dem perfekt gezogenen Garten, »alles mit dem Lineal gemacht«. Heute wachse das Verständnis, »dass ein Garten auch Natürlichkeit ausstrahlen darf«.
Kleiner Dachgarten
Auch auf der Terrasse helfen blühende Kräuter und Sträucher den Bienen.
begruender.at
TREND: NATURNÄHE
Totholzecken, blühende Stauden, ein wenig Wildwuchs – all das ist kein Zeichen von Nachlässigkeit, sondern von ökologischer Intelligenz, bestätigt auch Theresia Starkl. Weg vom englischen Rasen, hin zu mehr Vielfalt.
»Ein naturnaher Garten bietet eine Symbiose. Die vielen Nützlinge helfen mit beim Garteln.« Auch Starkl kann eine große Nachfrage in Sachen Selbstversorgung bestätigen: »Gemüse, Obstbäume, Beerensträucher – alles, was trägt, ist gefragt.« Das hat mehrere Gründe. »Man weiß, woher es kommt. Und viele dieser Pflanzen sind gleichzeitig bienenfreundlich.« Eine perfekte Mischung.