Zum Inhalt springen
© artlist.io

Sommerpavillons statt Wintergarten: Diese Gartenräume bleiben im Gedächtnis

Inspiration
Garten
Terrasse
Wohnen

Vom Pavillon in Kensington Gardens bis zur privaten Outdoor-Lounge: Diese Beispiele zeigen, wie Pergolen, Sommerpavillons und halb offene Gartenräume den Wohnraum nach draußen erweitern.

Wenn am 6. Juni der »Serpentine Pavilion« in London eröffnet, steht erneut eines der wichtigsten temporären Architekturformate der Welt im Fokus. Seit dem Jahr 2000 lädt die Serpentine Gallery internationale Architekt:innen ein, für den Sommer einen Pavillon in den Kensington Gardens zu entwerfen. 2026 stammt der Entwurf von LANZA atelier. Unter dem Titel »a serpentine« arbeitet er mit Backstein, geschwungenen Formen, Licht und offenen Übergängen.

Damit passt der Pavillon zu einer Entwicklung, die auch das hochwertige Wohnen prägt. Außenbereiche werden nicht mehr nur als Terrasse verstanden, sondern als architektonisch gestalteter Teil des Hauses. Der klassische Wintergarten bekommt Konkurrenz durch luftigere Formen wie Pergolen, Sommerpavillons, überdachte Wege und halb offene Gartenräume. Sie schließen den Außenraum nicht ein, sondern machen ihn atmosphärisch nutzbar.

Pergolen

Die Pergola ist längst mehr als ein Rankgerüst oder Sonnenschutz. In hochwertigen Wohnprojekten wird sie zur Struktur, die Außenbereiche ordnet und ihnen Kontur gibt. Im Outdoor-Entwurf des Postings wird sie zur eigentlichen Architektur des Gartens. Die Holzlamellen spannen sich über die Lounge, lassen Licht durch und zeichnen ein grafisches Schattenspiel auf Boden und Polster. Gemeinsam mit den üppigen Pflanzen, den hellen Sofamodulen und der warmen Beleuchtung entsteht ein Außenbereich, der eher wie ein offenes Wohnzimmer wirkt als wie eine klassische Terrasse. Die Pergola übernimmt dabei mehrere Aufgaben zugleich: Sie schützt, strukturiert und gibt der Szene eine klare räumliche Fassung.

Sommerpavillons

Der Sommerpavillon schafft einen eigenen Ort im Garten, ohne die Landschaft zu schließen. Im gezeigten Projekt in Shanghai wird ein kompakter Teepavillon aus dunkel gefasstem Holz zum ruhigen Zielpunkt im Grün. Die offene Seite rahmt den Blick in den Garten, die Lamellen geben Schatten und Intimität. So entsteht eine kleine Architektur innerhalb der Landschaft, die Rückzug ermöglicht und zugleich eng mit Licht, Luft und Umgebung verbunden bleibt.

Überdachte Wege

In diesem Projekt übernimmt das Dach die Rolle eines überdachten Weges. Es begleitet den Übergang vom Haus zur Terrasse, fasst den Essbereich und leitet weiter zur Lounge im Garten. Die warme Holzdecke, die schmalen Stützen und die raumhohen Glasflächen schaffen eine Verbindung, die nicht rein funktional wirkt. Man sieht im Posting, wie das Dach den Außenraum bündelt: vorne die Sitzgruppe mit Feuerstelle, dahinter der gedeckte Wohnbereich, rundherum Bäume und Wiesen. Dadurch entsteht ein gestufter Übergang zwischen Architektur und Landschaft, der Schutz, Orientierung und Atmosphäre bietet.

Halb offene Gartenräume

Ein halb offener Gartenraum lebt von Balance. In diesem Beispiel wird der Außenbereich durch eine klare Holzkonstruktion gefasst, bleibt zum Garten hin aber offen. Das Dach schützt, die Holzstruktur rahmt den Sitzplatz und die Lamellen geben seitlich Privatsphäre. Gleichzeitig halten große Öffnungen den Bezug zur Umgebung. So wirkt der Bereich wie ein ruhiger Rückzugsort am Haus, ohne sich vom Garten abzuschotten. Tagsüber kann er als schattige Lounge dienen, am Abend als geschützter Ort für Gespräche oder Dinner.

Wohnen zwischen Haus und Landschaft

Gute Outdoor-Architektur beginnt dort, wo Terrasse, Garten und Haus nicht getrennt betrachtet werden. Pergolen, Pavillons und überdachte Bereiche können Räume im Freien schaffen, die Schutz geben, ohne die Nähe zur Umgebung zu verlieren. Auch der Serpentine Pavilion 2026 erinnert jedes Jahr daran, wie stark Architektur unter freiem Himmel Atmosphäre, Bewegung und Aufenthalt prägen kann. Im privaten Wohnen zeigt sich dieser Gedanke kleiner, aber nicht weniger wirkungsvoll: Der Garten wird nicht zum zweiten Innenraum, sondern zu einer eigenständigen Wohnzone mit eigener Stimmung, eigenem Rhythmus und besonderer Aufenthaltsqualität.

Sebastian Krebitz
Sebastian Krebitz
Autor
Mehr zum Thema
1 / 12