Der neue Vitra »Water Garden«: Landschaft als Designidee
Mit dem »Water Garden« auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein zeigt Bas Smets, warum Landschaftsdesign heute zu den spannendsten Fragen der Architektur gehört.
Der Vitra Campus in Weil am Rhein ist seit Jahrzehnten ein Ort, an dem Architektur nicht nur gezeigt, sondern weitergedacht wird. Mit dem neuen »Water Garden« verschiebt sich der Fokus nun stärker in Richtung Landschaft: Vor dem Vitra Design Museum von Frank Gehry hat der belgische Landschaftsarchitekt Bas Smets eine Teichlandschaft geschaffen, die den Campus erweitert und ihm eine neue atmosphärische Ebene gibt.
Das Projekt ist Teil einer langfristigen Zusammenarbeit zwischen Vitra und Smets. Seit 2022 beschäftigt sich der Landschaftsarchitekt mit der Frage, wie der industriell geprägte Campus grüner, widerstandsfähiger und ökologisch vielfältiger werden kann. Seine Antwort ist kein dekorativer Garten, sondern ein lebendiges System aus Wasser, Bäumen und Wasserpflanzen, das Biodiversität fördert und das Mikroklima verbessert.
Im Zentrum steht ein großzügig angelegter Teich, dessen Ufer von Vegetation und neu gesetzten Bäumen gerahmt werden. Gespeist wird die Anlage durch Regenwasser vom Dach eines angrenzenden Fabrikgebäudes. Gespeist wird die Anlage durch Regenwasser vom Dach eines angrenzenden Fabrikgebäudes. Der beim Aushub entstandene Boden wurde zu einer bepflanzten Erhebung geformt, die den Ort gegenüber der nahegelegenen Straße abschirmt. So entsteht ein geschützter Freiraum, der neue Lebensräume für Vögel, Fische und Insekten schafft.
Architektonisch tritt der »Water Garden« in einen bewussten Dialog mit seiner Umgebung. Die organische Form des Wasserspiegels nimmt Bezug auf die Wegeführung Richtung Tadao Andos Conference Pavilion und reflektiert die dynamischen Volumen von Gehrys Vitra Design Museum. Was bisher als Abfolge ikonischer Bauten wahrgenommen wurde, erhält damit eine verbindende landschaftliche Ebene.
Auch Kunst und Design sind in die Anlage eingebunden. Drei großformatige Keramikskulpturen von Hella Jongerius bilden im Teich einen Brunnen und setzen einen expressiven Akzent im Landschaftsbild. Entlang des Rundwegs ergänzen eine Bank von Balkrishna Doshi, Jean Prouvés »Maison Démontable 4x4« und die Skulptur »Balancing Tools« von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen den Garten um weitere gestalterische Perspektiven.
Der »Water Garden« verändert den Blick auf den Vitra Campus. Nicht mehr nur einzelne Gebäude oder Designobjekte prägen den Ort, sondern auch Zwischenräume, Temperatur, Licht, Wasser und Vegetation. Bas Smets versteht den Campus als lebenden Organismus, der sich an veränderte klimatische Bedingungen anpassen soll. Der Garten wird hier nicht als reine Erholungsfläche gedacht, sondern als gestaltete Infrastruktur.
Designstatement mit Zukunft
Für Vitra ist der »Water Garden« zugleich ein sichtbares Zeichen eines größeren Wandels. Nach dem Oudolf Garten und den nach dem Miyawaki-Prinzip gepflanzten Mikro-Wäldern wird der Campus Schritt für Schritt entsiegelt, bepflanzt und ökologisch verdichtet. Der »Water Garden« macht sichtbar, dass Schönheit und Widerstandsfähigkeit im zeitgenössischen Design keine Gegensätze mehr sind.