»WOW!house 2026«: Textile Wände und starke Muster
Minimalismus bekommt Konkurrenz: Fünf Räume der »WOW!house 2026« zeigen, wie textile Wände, Muster und kunstvolle Details Interiors wieder vielschichtiger machen.
Noch bis 2. Juli 2026 zeigt die »WOW!house« im Design Centre Chelsea Harbour in London, wie dekorativ Interior Design wieder werden darf. Internationale Designer:innen setzen dort auf textile Wände, expressive Muster und dekorative Wanddetails, die Räume nicht nur schmücken, sondern prägen. Statt glatter Zurückhaltung steht eine neue Lust an erzählerischen Interiors im Mittelpunkt.
1. »Benjamin Moore Minhwa Salon« by Young Huh
Koreanische Minhwa-Malerei bildet den Ausgangspunkt für Young Huhs »Benjamin Moore Minhwa Salon«. Kräftige Farbtöne, florale Motive und eine bewusst erzählerische Wandgestaltung verwandeln den Salon in einen Raum, der Farbe nicht nur atmosphärisch, sondern kulturell versteht. Zwischen lackierten Oberflächen und Fromental-Details entsteht ein Interior, das reich an Ausdruck ist, aber dennoch kontrolliert bleibt. Besonders spannend zeigt sich hier, wie traditionelle Bildwelten in ein zeitgenössisches Raumkonzept übersetzt werden können. Muster und Farbe werden nicht nachträglich hinzugefügt, sondern bilden das Fundament des Entwurfs. Der Salon zeigt damit exemplarisch, wie Wandgestaltung wieder zur eigentlichen Architektur eines Interiors werden kann.
2. »Garden Folly Room« by Studio Enass
Für den »Garden Folly Room« entwickelt Studio Enass einen Raum, der Herkunft und Erinnerung über Stoff und Farbe erzählt. Die »Amalfi Silk«-Wandbekleidung von Phillip Jeffries bildet die Grundlage des gesamten Konzepts und gibt die tiefe rote Farbwelt vor. Enass Mahmoud verweist damit auf festliche Rottöne, die in der sudanesischen Kultur eine besondere Bedeutung haben. Aus dieser textilen Wand heraus entsteht ein dichtes, emotionales Interior. Details erinnern an den Nil und an Landschaften, die für die Designerin mit Heimat verbunden sind. Muster und handwerkliche Oberflächen machen den Raum zu einem Rückzugsort, der persönliche Geschichte räumlich erfahrbar macht.
3. »Schumacher Dining Room« by Max Rollitt
Historische Räume dienen Max Rollitt im »Schumacher Dining Room« nicht als starre Vorlage, sondern als lebendiges Material. Terracottafarbene Damastwände, antike Porträts und ein langer Esstisch erzeugen eine Atmosphäre, die an ein englisches Country House erinnert. Entscheidend ist die ruhige Wirkung, die aus Patina und Ornament entsteht. Damast bekommt in diesem Kontext eine neue Aktualität. Das Muster wirkt nicht konservativ, sondern raumbildend. Es verleiht den Wänden Tiefe, bringt Wärme in den Raum und zeigt, dass luxuriöses Interior Design nicht zwangsläufig aus Zurückhaltung entstehen muss.
4. Zardi & Zardi Withdrawing Room by Sean Symington Design
Als Rückzugszimmer nach dem Dinner gedacht, greift Sean Symington im »Zardi & Zardi Withdrawing Room« die Tradition des georgianischen Salons auf. Wandbekleidungen, dekorative Borten und Antiquitäten verbinden sich zu einem Zimmer, das bewusst gesammelt und persönlich wirkt. Statt einen historischen Stil zu kopieren, entsteht eine neue Form privater Opulenz. Pattern Drenching wird hier als verbindendes Prinzip eingesetzt. Wenn Muster und textile Details ein gesamtes Interior umschließen, wirkt die Wand nicht mehr wie Hintergrund, sondern wie ein tragender Teil des Raumgefühls. Möbel, Kunst und Leuchten bekommen dadurch einen klaren Zusammenhang.
5. Black Edition at Romo Speakeasy Salon by Studio Duggan
Dunkel, sinnlich und fast cineastisch wirkt der »Black Edition at Romo Speakeasy Salon« von Studio Duggan. Großzügige Vorhänge, lackierte Flächen und eine dramatische Zeltdecke schaffen die Atmosphäre eines versteckten Salons. Besonders prägnant ist eine maßgefertigte ornamentale Wandzone, die mythologische Motive aufgreift und dem Raum architektonische Spannung gibt. Mit diesem Entwurf kehrt auch das dekorative Wanddetail als starkes Gestaltungselement zurück. Es markiert nicht bloß den Übergang zur Decke, sondern wird zum erzählerischen Teil des Raums. Gemeinsam mit Licht und Stoff entsteht ein Interior, das dekorative Details nicht als Nebensache behandelt, sondern als wichtigen Teil der Raumwirkung versteht.
Der Raum als erzählerische Hülle
Die fünf Beispiele der »WOW!house 2026« zeigen, dass Interior Design wieder stärker über Oberfläche, Stoff und Atmosphäre gedacht wird. Textile Wände, starke Muster und kunstvolle Details wirken dabei nicht nostalgisch, sondern überraschend gegenwärtig. Räume dürfen wieder dichter, persönlicher und erzählerischer werden. Entscheidend bleibt die Balance: Wenn Farben, Materialien und Licht gut geführt sind, entsteht ein Interior, das dem Minimalismus eine vielschichtige Alternative entgegensetzt.