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Photo credit: Maxime Brouillet, Source: v2com

Québec: Historisches Haus aus 1811 wird zum modernen Holzrefugium

Wohnen
Interior Design
Kanada
Inspiration

In Québec trifft ein Wohnhaus von 1811 auf einen modernen Holzbau. Das Architekturstudio yh2 schafft daraus ein Familienrefugium, das Vergangenheit und Gegenwart mit der Landschaft verbindet.

Ein Haus mit Familiengeschichte

Maison Aubé
Saint-Eustache, Canada Photo credit: Maxime Brouillet, Source: v2com
Maison Aubé
Saint-Eustache, Canada Photo credit: Maxime Brouillet, Source: v2com

Ausgangspunkt des Projekts »Maison Aubé« in Saint-Eustache, Québec, war kein Neubau, sondern ein bestehendes Ensemble mit mehreren Schichten. Rund um das ursprüngliche Haus hatte sich über die Jahre eine familiäre Architekturgeschichte entwickelt. Zuerst entstand im Garten das Wohnhaus der Künstlerin Geneviève Jost. Später übernahm ihre älteste Tochter das historische Anwesen. Der Garten wurde damit zum gemeinsamen Ort einer Familie, deren Wohnbedürfnisse sich veränderten, während das alte Haus seinen Charakter bewahren sollte.

yh2 entschied sich deshalb für eine Lösung, die nicht auf den schnellen Effekt zielt. Das bestehende Gebäude wurde außen restauriert, im Inneren neu geordnet und durch einen zeitgenössischen Holzbau erweitert. Die Architektur stellt das historische Haus in den Mittelpunkt und macht es zum Ausgangspunkt eines größeren Wohngefüges.

Die Rückkehr zur ursprünglichen Form

Maison Aubé
Saint-Eustache, Canada Photo credit: Maxime Brouillet, Source: v2com
Maison Aubé
Saint-Eustache, Canada Photo credit: Maxime Brouillet, Source: v2com
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Maison Aubé
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Ein wesentlicher Schritt war die Befreiung des historischen Baukörpers von späteren Ergänzungen. Ein bestehender Anbau wurde entfernt, um die ursprüngliche Form wieder klarer hervortreten zu lassen. Fenster, Rahmen und Profilierungen wurden erneuert und an das Erscheinungsbild der historischen Öffnungen angelehnt. Auch das Zedernschindeldach wurde wiederhergestellt. Im Inneren tritt die alte Substanz deutlicher hervor. Freigelegte Holzkonstruktionen, restaurierte Steinwände und der Kamin prägen die Räume. Besonders der neue, zweigeschossige Wohnbereich gibt der historischen Struktur mehr räumliche Kraft. Küche, Essbereich und Wohnraum sind in einem großen Volumen zusammengeführt, ohne die Herkunft des Hauses zu überdecken.

Ein Übergang aus Glas

Maison Aubé
Saint-Eustache, Canada Photo credit: Maxime Brouillet, Source: v2com
Maison Aubé
Saint-Eustache, Canada Photo credit: Maxime Brouillet, Source: v2com

Die Verbindung zwischen Altbau und Erweiterung bleibt bewusst zurückhaltend. Ein verglaster Gang führt durch den Garten und trennt die beiden Baukörper, ohne sie voneinander zu lösen. Von außen spiegelt sich die Umgebung in der Glasfläche, wodurch der Übergang fast Teil der Landschaft wird. Von innen wirkt er wie ein kurzer Weg durch den Garten, bevor man in die neue Wohnwelt eintritt. Diese Entscheidung war zentral für das Projekt. Der historische Bau bleibt als eigener Körper erkennbar. Der neue Teil tritt nicht in Konkurrenz zu ihm, sondern entwickelt aus Abstand und Blickbezügen eine ruhige Verbindung.

Der dunkle Anbau im Garten

Maison Aubé
Saint-Eustache, Canada Photo credit: Maxime Brouillet, Source: v2com
Maison Aubé
Saint-Eustache, Canada Photo credit: Maxime Brouillet, Source: v2com
Maison Aubé
Saint-Eustache, Canada Photo credit: Maxime Brouillet, Source: v2com
Maison Aubé
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Die Erweiterung fügt sich mit dunklem Zedernholz, schwarz gebeizten Holzfenstern und einem Dach aus Flusskieseln in den Baumbestand ein. Der Baukörper reagiert auf die vorhandenen Bäume und auf das leicht abfallende Gelände. Im Inneren führt ein zentraler Gang über Rampen zu Schlafzimmern, Bad, Büro und Fitnessbereich. Am Ende liegt der Master Bedroom, etwas abgesetzt vom historischen Haus und mit weitem Bezug nach außen.

Auch hier arbeitet yh2 mit Materialkontinuität. Holzdecken, sichtbare Balken und dunkle Oberflächen schaffen eine intime Atmosphäre, ohne den Garten auszuschließen. Die Fenster rahmen Wasser, Bäume und Altbau wie wechselnde Bilder. Das Haus wird dadurch nicht zum abgeschotteten Rückzugsort, sondern zu einem Ort, der seine Umgebung aufnimmt.

Wohnen für vier Generationen

Maison Aubé
Saint-Eustache, Canada Photo credit: Maxime Brouillet, Source: v2com
Maison Aubé
Saint-Eustache, Canada Photo credit: Maxime Brouillet, Source: v2com
Maison Aubé
Saint-Eustache, Canada Photo credit: Maxime Brouillet, Source: v2com
Maison Aubé
Saint-Eustache, Canada Photo credit: Maxime Brouillet, Source: v2com

»Maison Aubé« zeigt, wie denkmalnahes Wohnen zeitgemäß erweitert werden kann, ohne die Geschichte eines Ortes zu überformen. Drei Gebäude teilen sich heute den großen Garten. Jedes erzählt einen eigenen Abschnitt der Familiengeschichte, doch erst die neue architektonische Ordnung macht daraus ein zusammenhängendes Ensemble. Der Wert des Projekts liegt nicht allein in der Restaurierung. Entscheidend ist, wie yh2 aus einem historischen Haus, einem Garten und einem neuen Baukörper eine Wohnform für mehrere Generationen entwickelt. Architektur wird hier nicht zur nostalgischen Geste, sondern zu einem präzisen Werkzeug, um Erinnerung und Alltag miteinander zu verbinden.

Sebastian Krebitz
Sebastian Krebitz
Autor
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