Homestory: So wohnt Anne Hathaway
Die Erfolgs-Aktrice Anne Hathaway steht heute für einen Lifestyle, der Luxus neu und sanft definiert. Mit einem feinen Echo aus »Der Teufel trägt Prada« wird ihr Zuhause zum Gegenentwurf der Modewelt von damals: reduziert, kuratiert, entspannt und ganz auf das Ankommen ausgerichtet.
Es ist ein Haus, das weniger wie eine Immobilie wirkt als wie eine Erzählung – ein fast vergessenes Kapitel kalifornischer Architekturgeschichte, das Anne Hathaway gemeinsam mit ihrem Mann Adam Shulman in eine poetische Gegenwart übersetzt hat. Entlang der zerklüfteten Küstenlinie, versteckt in den Hügeln von Ojai, dort, wo sich die Straßen in weichen Kurven durch Zypressenhaine winden und der Blick plötzlich frei wird auf den endlosen Pazifik, befindet sich ihr Chalet aus dem Jahre 1906. Das kleine Juwel, das einst Yves Saint Laurent bewohnte, ist keine klassische Westküsten-Villa, sondern ein märchenhaftes Hybrid aus Schweizer Berghütte und Arts-and-Crafts-Idylle. Und doch liegt über allem ein feiner Subtext – als hätte ihre ikonische Rolle als Andy Sachs im Erfolgs-Kinohit »Der Teufel trägt Prada« (das Sequel läuft ab 30.4. in den deutschen Kinos) eine zweite, reifere Dimension gefunden.
Hathaways Interior-Stil entzieht sich bewusst jeder klaren Kategorisierung. Statt Trends zu folgen, versteht sie Räume als emotionale Landschaften. Ihr kalifornisches Zuhause ist deshalb kein minimalistisches Statement, sondern ein maximalistisches Narrativ aus Erinnerungen, Farben und Stimmungen. »Es sollte sich wie die ideale Kombination aus Romantik und gutem Design anfühlen«, beschreibt die Oscar-Preisträgerin das Konzept – ein Satz, der wie ein Leitmotiv über dem gesamten Haus schwebt.
Bühne für Emotion
Gemeinsam mit der Designerin Pamela Shamshiri entwickelte Hathaway ein Interior, das sich Schicht für Schicht entfaltet: historische Referenzen, cineastische Anspielungen und persönliche Objekte verschmelzen zu einem Raumgefühl, das eher an ein Set von Wes Anderson erinnert als an ein klassisches Prominentenhaus. Es ist ein Dialog – zwischen Natur und Struktur, zwischen Kontrolle und Loslassen. Hathaway soll, so hört man in Designkreisen, bei der Planung vor allem eines betont haben: »Ich möchte, dass das Haus zuhört.« Und tatsächlich wirkt jeder Raum so, als würde er zuerst wahrnehmen, bevor er sich zeigt. Denn, so die 43-jährige Aktrice: »Ich wollte nie, dass sich mein Zuhause wie ein Ausstellungsraum anfühlt. Es soll gelebt werden – mit allem, was dazugehört.«
Viel Holz fürs Gleichgewicht
Das Fundament bildet die originale Architektur: dunkle Holzvertäfelungen, schwere Balken, fast alpin in ihrer Präsenz. Doch statt diese rustikale Strenge zu betonen, wird sie durch eine unerwartete Leichtigkeit gebrochen. Pastellige Töne – zartes Grün, Puderrosa, ein Hauch von Himmelblau – setzen bewusste Kontrapunkte. »Wir wollten die Süße des Hauses bewahren und gleichzeitig neue Schichten hinzufügen«, heißt es aus dem kreativen Prozess.
Das Ergebnis ist ein Spiel aus Gegensätzen: Erdige Tiefe vs. luftige Farben. Tradition vs. zeitgenössische Akzente. Rustikalität vs. fast märchenhafte Zartheit. Gerade diese Spannung macht den Raum so lebendig – nichts wirkt inszeniert, alles erzählt.
Auffällig ist, wie sehr Funktion und Intimität im Vordergrund stehen. Die Räume sind nicht als Schaustücke gedacht, sondern als Bühnen für das tägliche Leben: ein Frühstücksnook mit Blick ins Grüne, eine Küche wie aus einem europäischen Märchen, ein Wohnzimmer, das eher zum Verweilen als zum Präsentieren einlädt. Hathaway denkt Interior dabei konsequent vom Gefühl her: Räume sollen nicht beeindrucken, sondern beruhigen, verbinden, verlangsamen.
Im Eingangsbereich, der eher ein sanftes Ankommen als ein klassisches Entrée ist, fällt der Blick sofort auf eine Wand aus grobem Putz, daneben eine schmale Bank aus dunklem Walnussholz. Keine überflüssigen Objekte, kein dekorativer Lärm. »Editing«, wie Hathaway es nennt – die Kunst des Weglassens. Jeder Gegenstand muss seine Existenz begründen, sonst verschwindet er.
Touch of Color. Auch in diesem Eck lässt es sich im orangefarbenen Ohrensessel gemütlich loungen.
© Stephen Kent Johnson / OTTO / APA-Images
Schlaf gut. Im Hauptschlafzimmer regiert Gemütlichkeit. Interiors sind mit Rubelli-Stoff aus Seidenwolle bezogen, und das Kissen besteht aus geblümtem Samt von Liberty. Über einem Dhurrie aus Jute liegen Überwürfe aus Ziegenfell, die für Wärme und Luxus sorgen.
© Stephen Kent Johnson / OTTO / APA-ImagesBesonders faszinierend ist ihr Umgang mit Übergängen. Es gibt kaum harte Grenzen zwischen innen und außen. Große, rahmenlose Fenster lassen die Landschaft fast ungehindert in die Räume fließen. Türen stehen oft offen, Vorhänge bewegen sich im Wind, Schatten wandern über den Boden. Das Haus lebt mit seiner Umgebung, nicht gegen sie. Ein Raum, der diesen Gedanken besonders verkörpert, ist ihr Arbeitszimmer. Kein klassisches Office, sondern eher ein Denkraum. Ein massiver Holztisch, darauf verstreute Notizen, ein paar Drehbücher, vielleicht ein Gedichtband. Keine Bildschirme im Vordergrund, keine offensichtliche Technik. Stattdessen Stille, Licht, Konzentration. Hier entsteht nicht nur Arbeit – hier entsteht Klarheit.
Und dann ist da noch ihr Sinn für Mode, der sich subtil durch das gesamte Haus zieht. Textilien spielen eine zentrale Rolle: schwere Vorhänge, die wie ein perfekt geschnittener Mantel fallen; Teppiche, die an handgewebte Stoffe aus europäischen Ateliers erinnern. Farblich bleibt alles in einer ruhigen Palette – Off-White, Sand, gelegentlich ein über-raschendes Schwarz, wie ein präziser Eyeliner-Strich. Anne Hathaway: »Mein Stil war schon immer eher leise als laut. Das gilt für Mode genauso wie für Interiors.« Und: »Mode hat mir beigebracht, wie wichtig Proportionen sind. Das übersetze ich direkt in Räume.«
Lange bevor »Quiet Luxury« zum Trend wurde, lebte Hathaway bereits dessen Essenz – allerdings ohne die oft sterile Perfektion. Ihr Stil ist wärmer, persönlicher, fast nostalgisch. Vintage-inspirierte Möbel erzeugen eine Atmosphäre, die eher an ein geerbtes Familienanwesen erinnert als an ein durch-gestyltes Celebrity Home. Oder, wie es zwischen den Zeilen ihres Designansatzes anklingt: Schönheit entsteht nicht durch Reduktion, sondern durch Bedeutung.
Nicht laut, aber nachhaltig
Vielleicht ist das treffendste Bild für Hathaways Chalet genau das: ein eingefrorener Moment – irgendwo zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Fiktion.
Ein Zuhause, das nicht laut ist, aber nachhallt. Und eines, das zeigt, dass wahrer Stil nicht darin liegt, etwas zu zeigen – sondern darin, etwas zu fühlen. Denn, so bringt es die Mutter von zwei Söhnen auf den Punkt: »Am Ende ist Stil für mich immer etwas sehr Persönliches. Wenn es sich nicht nach mir anfühlt, funktioniert es nicht.«