ICONOMY: DESIGN-ICONS UNTER 100 MIT NORM ARCHITECTS
Glas statt Eisen. Transparenz statt Geheimnis. Mit dem »Kettle Tea Pot« übersetzt das Kopenhagener Studio Norm Architects orientalische Teekannenformen in eine nordische Designsprache und zeigt wie sinnlich Reduktion sein kann.
Kann man so etwas wie eine Teekanne neu erfinden? Wenn man vom Geistesblitz gestreift wird, wahrscheinlich schon. Dringend nötig ist es allerdings nicht. Schließlich weiß jeder, was eine Teekanne können muss und wie sie auszusehen hat. Es gibt sie seit Jahrhunderten, in unzähligen
Varianten, auf der ganzen Welt. Die Typologie ist ausdefiniert, das Objekt vertraut.
Ganz ähnlich denkt man übrigens in den Kreativräumen des dänischen Architekturbüros Norm Architects. »Wir wollen etwas tun, das tatsächlich auf den bestehenden Normen und Standards aufbaut, die über Jahrzehnte hinweg verfeinert wurden, anstatt zu versuchen, etwas völlig Neues zu machen«, sagte Co-Gründer Jonas Bjerre-Poulsen einmal in einem Interview. Ein Ansatz, der sich beim »Kettle Tea Pot« besonders gut nachvollziehen lässt. Denn statt radikal neu zu denken, machte man sich daran, das Archetypische behutsam aufzuwerten – und dabei gleich mehrere Welten und Philosophien miteinander zu verbinden.
Konkret heißt das: Die Formensprache klassischer, gusseiserner orientalischer Teekannen wird ins Skandinavische übersetzt. Aus Eisen wird hitzebeständiges Borosilikatglas. Auf den Herd kann man die Kanne zwar nicht stellen, dafür ist der bauchige Körper mit 1,5 Litern Fassungsvermögen (in der großen Variante) großzügig dimensioniert. Und weil Glas die angenehme Eigenschaft der Durchsichtigkeit besitzt, darf man dem Tee beim Ziehen zusehen. Das Teezeremoniell wird transparent – im wahrsten Sinne des Wortes. Man erlebt, wie sich das Wasser verfärbt, wie sich Aromen entfalten und der Tee langsam trinkfertig wird.
Durchziehen!
Mit dem »Kettle Tea Pot« wird der Teezubereitungszauber zum Erlebnis. Genusstransparenz von Audo Copenhagen: audocph.com Gesehen bei: connox.at & miliashop.com
So wird der Blick auf das Wesentliche geschärft, und man macht aus einem vertrauten Ritual ein bewusstes Erlebnis. Eine Teekanne als leise Lektion in zeitgemäßer Gestaltung.
Mittendrin statt nur dabei in diesem Vorgang: das »Tea Egg« aus Edelstahl. Es ist der funktionale und visuelle Kern des Ganzen, der klare Fokuspunkt auf dem Tisch. »All eyes on the Teeei«, könnte man sagen. Es hängt an einer feinen Silikonschnur, die an ein Lesebändchen erinnert und am Ende ganz gewitzt die Papieretiketten handelsüblicher Teebeutel zitiert. Ein subtiler Gestaltungsgag, präzise gesetzt. Denn, so erklärt Co-Gründer Jonas Bjerre-Poulsen: »Als Architekt:innen legen wir großen Wert auf Details, weil wir auch als Designer:innen arbeiten. Als Designer:innen wiederum gehen wir sehr analytisch an Gestaltung heran, weil wir Architekt:innen sind.«
Über die Designer
Norm Architects
2008 von den Architekten Jonas Bjerre-Poulsen (l.) und Kasper Rønn gegründet, arbeitet das Architekturstudio an der Schnittstelle von Architektur, Interior, Produktdesign, Fotografie und Art Direction. Dabei hat man stets den Anspruch, Räume und Dinge zu entwerfen, die die menschliche Erfahrung »entschlacken« und auf das Wesentliche fokussieren. Minimalismus ist demnach nicht Askese für Snobs ohne Geld, sondern wahrer Luxus, der Klarheit ins Leben bringt. Zu den Kund:innen des Büros gehören Möbelhersteller wie Audo Copenhagen, Karimuko Case, Reform oder Lema.
normcph.com