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Iconomy: Design-Icons unter 100 mit William Stanley Jr.

ICONOMY
Designgeschichte
Design

Der »Stanley Cup« ist das It-Piece in der Fitnesswelt. Der Thermobecher eroberte die Getränkehalter der SUVs ebenso wie die Herzen der Hydrierten. Eine unkaputtbare Ikone, die gerne viral geht.

Der »Stanley Cup« ist wahrscheinlich das It-Piece der letzten zwei Jahre. Und das, obwohl der überdimensionierte Thermobecher, in Fachkreisen auch Tumbler oder Quencher genannt, mit einer sehr eigenwilligen Formensprache aufwartet: Eine zylindrische Grundform mit leicht konischer Verjüngung nach unten, dazu ein komfortabler Henkel und ein dicker Strohhalm. Alles so gestaltet, dass es in jeden gängigen Fahrzeug-Getränkehalter passt.

Eigenwilliges hat, das lehrt die Designgeschichte, Potenzial, ikonisch zu werden. Der »Stanley Cup« ist da keine Ausnahme. Es brauchte allerdings einige Jahre, bis das Thermo-Monster mit 1,2 Liter Fassungsvermögen zum Milieuzeichen einer bestens hydrierten Fitnessgemeinde wurde. Er war nämlich nicht immer das stylishe Accessoire, das man ins Gym mitschleppt oder neben die Yogamatte platziert oder das vorne im Mamis SUV mitfahren darf.

Social Media, vor allem Influencerinnen, spielten eine zentrale Rolle in dieser Entwicklung. Als der »Quencher« 2016 auf den Markt kam, war er zunächst ein Ladenhüter. Das hatte viel mit dem Markenimage von Stanley zu tun: Das Unternehmen richtete sich mit seinen robusten Edelstahlprodukten traditionell eher an Naturburschen, Bauarbeiter oder Camper. Historisch betrachtet wurde Stanley-Equipment sogar von Air-Force-Piloten im Zweiten Weltkrieg genutzt.

Heiß und kalt
Der Thermobecher »Quencher« von Stanley ist gleichermaßten Kult wie gelungener Marketingstreich.
stanley1913.com

2019 stellte Stanley die Produktion des »Quenchers« ein. Drei Bloggerinnen, bekennende Fans des Bechers, kauften auf eigenes Risiko 10.000 Stück auf – und verkauften sie rasch. Sie vermarkteten den Becher erfolgreich als Lifestyle-Produkt für moderne Frauen. Stanley reagierte prompt: 2020 kam eine überarbeitete Version auf den Markt, begleitet von einer strategischen Neuausrichtung unter Terence Reilly – jenem Marketingprofi, der zuvor schon die Vollgummischlapfen Crocs in die Popkultur zurückgeholt hatte.

Bilder von Adele, Jessica Alba oder Olivia Wilde mit dem übergroßen Becher machten die Runde. Der endgültige Durchbruch kam Ende 2023, als ein virales TikTok-Video das ausgebrannte Auto einer Amerikanerin zeigte – darin ein unversehrter »Stanley Cup«, in dem sogar noch Eiswürfel klimperten. Die Firma schenkte der Frau ein neues Auto – und das Netz drehte durch. Das macht den »Stanley Cup« nicht nur zum Lifestyle-Accessoire, sondern auch zu einem Paradebeispiel für Marken- und Imagewandel.

Über den Designer

William Stanley Jr.
Der amerikanische Erfinder und Ingenieur (1858–1916) entwickelte 1913 die erste doppelwandige Vakuumflasche aus Edelstahl – revolutionär robust im Vergleich zu zerbrechlichen Glasflaschen. Dieses Design legte den Grundstein für die Marke Stanley. Seine Erfindung macht heiße Getränke tragbar, praktisch und langlebig. Dank cleverer Marketingstrategie steht Stanley heute für mehr als robustes Design. So zeigte man mit dem Thermobecher »Quencher«, wie altbewährte Funktionalität ins Jetzt transportiert wird – Social-Media-Hypes inklusive.

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 7/2025

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Manfred Gram
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