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© Florian Hammer

Österreichische Designer:innen und die Sprache des Schmucks

Schmuck
LIVING The Jewelry Editon
Designer
Österreich

Juwelen erzählen Geschichten von Herkunft, Handwerk und Persönlichkeit. Vier Designer:innen und ihre Philosophien zeigen, wie sich im Spannungsfeld von Tradition und Zeitgeist der Wert des Schmucks heute neu formen lässt.

In einem eleganten Gründerzeithaus in der Wiener Spiegelgasse liegt ein Juwelier, der sich der leisen Kunst des Goldschmiedehandwerks verschrieben hat. Max Semler, ausgebildeter Gemmologe mit Stationen in London, fertigt hier Preziosen, die weit über das rein Dekorative hinausgehen. Seine Entwürfe entstehen im Dialog mit den Materialien und dem Erbe eines Handwerks, das zunehmend in den Hintergrund zu treten droht. »Ein Schmuckstück muss mehr erzählen als nur den eigenen Materialwert«, sagt -Semler, während er einen noch unfertigen Weißgoldring zeigt, dessen Oberfläche kurz vor der Politur steht. Jeder Auftrag entsteht in enger Abstimmung mit den künftigen Träger:innen, oft über Wochen, manchmal über Monate hinweg. Die Preisklasse entscheidet hier nicht, das Service bleibt immer gleich. Erste Handskizzen werden anschließend digital visualisiert, denn moderne Technik gehört für Semler ebenso zur Gegenwart des Handwerks wie die traditionelle Feile oder das Polierleder.

Der Werkstattbereich ist offen im Ausstellungsraum integriert. Was andernorts hinter verschlossenen Türen geschieht, bleibt hier Teil des Erlebnisses und macht das Handwerk damit sichtbar und tatsächlich (be)greifbar. »Ich möchte zeigen, wie viel Wissen und Präzision in jedem einzelnen Schritt liegt.« Auch, dass seine Kund:innen den Entstehungsprozess begleiten können, ist Teil der Philosophie. Denn hinter jedem Werk steckt Zeit und Aufmerksamkeit, stets mit dem Ziel, ein Stück zu schaffen, das über den schnellen Effekt hinaus Bestand hat. Das gilt vor allem für die Wahl der Edelsteine. Neben klassischen weißen Diamanten finden sich zahlreiche farbige Varianten in seinen Kollektionen, von Blau-, Grün- bis Rosé-, Cognac- oder zarten Lilatönen. »Farbige Steine erzählen andere Geschichten. Es geht nicht nur um die 4Cs, sondern darum, welche Wirkung ein Stein entfaltet.« In einer Zeit, in der Oberflächen oft genügen müssen, schafft Max Semler Werte. In seinem Atelier führt er eine Tradition weiter, ohne sie zu konservieren. Ganz im Gegenteil – mit der Ernsthaftigkeit des Handwerks und der Offenheit für neue Wege verpackt er Wünsche in kleinen Samtboxen.

Max Semler Goldschmied und Gemmologe
»Ein Schmuckstück muss mehr erzählen als nur den eigenen Wert. Es geht um individuelle Wirkung und persönliche Ansprüche.«

© Max Semler

Werte schaffen
Juwelier Max Semler hält die Kunst des Goldschmiedehandwerks lebendig, indem er traditionelle Handwerkskunst mit modernen Technologien verbindet und so zeitlose Schmuckstücke von klassischer Eleganz und handwerklicher Präzision entstehen lässt.
maxsemler.at

© Max Semler

Schmuck als Muse

Persönliche Geschichte(n) in funkelnde Formen fassen ist ebenso die Philosophie der Schmuckdesignerin Nathalie von Hohenzollern. Und wer mit ihr spricht, spürt sofort, dass Schönheit für sie kein oberflächliches Ideal ist, sondern ein Lebensprinzip. Ihr Schmuck erzählt von Herkunft, von Reisen, von Erinnerungen. In ihrer Welt verschmelzen europäische -Tradition und südamerikanische Leidenschaft zu einem Stil. »Schmuck ist für mich ein Ausdruck meiner Identität und das authentischste Medium, um Schönheit, Stärke und Persönlichkeit sichtbar zu machen.«

Inspiration findet sie in ihrer Biografie und in der Natur, die weit über Ästhetik hinausgeht. »Ich bin als Kind teilweise in Bolivien aufgewachsen, auch mit indigenen Gemeinschaften. Dort habe ich gelernt, mit der Natur zu leben, sie zu verstehen. Und noch heute ist sie meine Kraftquelle.« Mit derselben Begeisterung, wie sie über Pflanzen spricht, spricht sie über Edelsteine. »Ich liebe starke, klare Farben. Sie erinnern mich an Südamerika, an die Textilien und die Intensität des Lichts.« So entstand 2002 ihr Machu Picchu-Design. »Ich beginne fast immer mit einem einzelnen Stück; und aus diesem entwickelt sich eine ganze Kollektion. Es ist ein organischer Prozess, der mit mir wächst und sich auch in späteren Ideen wiederfinden kann.« Das zeigt sich aktuell in den neuen Chokern der »Coquette«-Linie, die von Marie Antoinette und höfischen Moden der Zeit inspiriert ist. Zwei Welten, zwei Kulturen und ein gemeinsamer roter Faden. Die Marke NVH vereint zwei Linien: die künstlerischen Einzelstücke, erhältlich »by appointment«, und die jüngere, filigrane Linie, die auch online bestellbar ist. Beide eint ein leuchtendes Farbspektrum und die Feinmaterialien Gold, Silber sowie Edelsteine und Diamanten. Sonderanfertigungen nehmen im engen Austausch mit den Kund:innen ihre Form an. »Ich finde, Schmuck zeigt Selbstbewusstsein. Und wenn eine Frau Juwelen trägt, die sie liebt, strahlt sie von innen heraus. Dann wird sie zu ihrer eigenen Muse und erzählt ihre eigene Geschichte.«

Von Geschichte inspiriert
Kollektionen aus Textil gepaart mit Feinmaterialien. Die Choker der jüngsten »Coquette«-Linie sind von den höfischen Moden Marie Antoinettes inspiriert.
nvh-jewels.com

© Violetta König

Nature Inspired
Schmuckdesignerin Nathalie von Hohenzollern entwirft kunstvolle Einzelstücke aus Edelsteinen und Brillanten – etwa den Ring »MAR«.

© Nathalie von Hohenzollern,

Nathalie von Hohenzollern Schmuckdesignerin und Gründerin von NVH Jewels
»Wenn eine Frau Schmuck trägt, der ihre innere Kraft widerspiegelt, wird sie zu ihrer eigenen Muse und erzählt ihre ganz persönliche Geschichte.«

© Nathalie von Hohenzollern

Schmuck als Lebenseinstellung

Biografien spielen in kreativen Arbeiten oft eine Rolle. In der Schmuckwelt, in der Opulenz und Überfluss häufig dominieren, positioniert sich Oliver Heemeyer, Juwelier und Gemmologe, mit einer Sprache der Reduktion und Präzision. Seine Zeit in Bangkok hat ihn geprägt. Die dort erlebten ästhetischen Prinzipien von Klarheit und Fokus ziehen sich heute durch alles, was seine Marke ausmacht – vom Design der Stücke über die Bildsprache bis zum Interieur seiner Stores. »Wir können jede Vision verwirklichen, von der Umarbeitung eines Erbstücks bis zur völlig neuen Kreation. Bei uns entstehen Unikate.« Im Herzstück seiner Arbeit, der Werkstatt in Wien, fertigt Heemeyer Ringe, Halsketten, Anhänger und Ohrringe, doch auf Trends blickt er mit Gelassenheit. »Der größte und beständigste Trend ist der nach Einzigartigkeit. -Besonders gefragt sind individuell gefertigte Verlo-bungs- und Eheringe. Ein Schmuck-stück, das ein Leben lang begleiten soll, darf nicht von der Stange kommen. Es sollte einzigartig sein.«

Und was wünscht sich ein Juwelier, was mit seinen Entwürfen später geschieht? »Sie sollen geliebt und getragen werden. Ein Safe wäre der traurigste Ort.« Diese Überzeugung ist zugleich die Essenz seiner Handschrift. Seit über zwanzig Jahren arbeitet Oliver Heemeyer daran und bleibt seiner Linie aus asiatischen und architektonischen Einflüssen treu. »Ich lebe meinen Beruf mit Hingabe aus ganzem Herzen. Jedes Stück wird mit Leidenschaft gefertigt, und ich liebe es sehr, das Funkeln in den Augen der Menschen zu sehen.«

Stille Kraft
Das Interieur des Wiener Geschäfts in der Bräunerstraße vermittelt eine Atmosphäre meditativer Ruhe und bildet mit seiner reduzierten, zugleich außergewöhnlichen -Gestaltung den perfekten Rahmen für das konzeptuelle Markenzeichen von Oliver Heemeyer.

© Oliver Heemeyer/Florian Hammer

Stiller Luxus
In der Werkstatt von Oliver Heemeyer entstehen vom Baguetteschliff bis zum Brillantschliff außergewöhnliche Schmuckstücke mit klaren, geometrischen Anklängen. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dieser Stil in der Serie Valeria.

© Oliver Heemeyer/stefandiesner.com

Oliver Heemeyer Juwelier und Edelsteinspezialist
»Ein Schmuckstück, das ein Leben lang begleiten soll, darf nicht von der Stange kommen. Es muss so einzigartig sein wie die Person, die es trägt.«

© Oliver Heemeyer/Vanessa Hartmann

Schmuck als Persönlichkeit

Von Unikaten nun zu »mehr ist mehr«. Das Motto von Anna Ausserladscheider verhalf der Gründerin und kreativen Seele hinter dem Schmucklabel ANNA inzwischen zu Standorten in Wien, London, Zürich, Hamburg und München. Die Geschichte der Marke begann 2009 und bewegt sich heute zwischen Alltag und Exklusivität. Ihre Ambition zieht sich durch ihr Leben ebenso wie durch das Produktportfolio, das von filigranen Silberstücken bis zu Haute-Jewellery-Kreationen in 18kt Gold mit Diamanten reicht. Sie arbeitet mit Sterlingsilber, Roségold, Weiß- und Gelbgold und setzt gezielt auf Farbvariation.

Anders als die klassische Maßanfertigung folgt ANNA einer modularen Idee, die auf Personalisierung beruht. In diversen Kollektionen, etwa ANNA B C oder Signature, lassen sich Bestandteile kombinieren und individualisieren. Jedes Stück fungiert als eigenständiger Schmuckgegenstand und zugleich als Teil eines flexiblen Systems. »Es ist für mich das schönste Geschenk, wenn meine Kund:innen Freude an meinem Schmuck haben«, liest man auf ihrer Seite. Das Konzept reflektiert das Gleichgewicht zwischen erschwinglichem Luxus und täglichem Lifestyle, getragen von der Überzeugung, dass Schmuck auch in Serien seinen Platz hat. Was bleibt, sind (persönliche) Werte und das Bewusstsein, dass zwischen Werkbank, Erinnerung und Idee sichtbar wird, was Schmuck heute alles sein kann.

Anna Ausserladscheider Creative Mind und Gründerin von ANNA
»Ohne die Menschen, die sich für mich und meinen Schmuck begeistern, würde es ANNA nicht geben. Dafür bin ich unendlich dankbar.«

© Wenna GmbH

Mehr ist mehr
Das Konzept des Labels ANNA vereint erschwing-lichen Luxus mit einem modernen Lifestyle. Jedes Schmuckstück ist zugleich ein eigenständiges Designobjekt und Teil eines flexiblen Systems, das sich individuell kombinieren lässt.
annaij.com

© Wenna GmbH
© Wenna GmbH
Elisabeth Klokar
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