Kunst auf dem Eis
Schnee, Eis und Kälte werden bei diesen drei Kunstinstallationen zum Mitspieler: als Oberfläche, als Resonanzraum, als atmosphärische Verstärkung. Ob auf dem Eisfeld eines Grandhotels, hoch oben im alpinen Gebirge oder in einer Berliner Industriehalle: Für diese Kunsterfahrungen sollte man sich warm anziehen.
Carsten Höller: Pink Mirror Carousel, St. Moritz
Ein Karussell ist normalerweise eindeutig. Es steht für Tempo, Lärm, Kindheitserinnerungen und dafür, einen Moment lang alles um sich herum vergessen zu können. Das Pink Mirror Carousel, das diesen Winter auf dem Eisfeld des Kulm Hotel St. Moritz steht, ist weniger Vergnügungsgerät als Versuchsanordnung. Schon die Bewegung widerspricht jeder Jahrmarktlogik. Statt rasanter Drehung gleitet das Karussell mit kontrollierter Langsamkeit dahin; eine Rotation dauert exakt zwei Minuten.
Die Skulptur besteht aus zwölf Segmenten, verkleidet mit rosafarbenen Spiegeln. Sie reflektieren alles: die Engadiner Winterlandschaft, die Eisläufer:innen, das Hotel und jene, die sich auf eine Fahrt einlassen. Man beobachtet und wird gleichzeitig beobachtet. Das Karussell funktioniert wie eine Bühne, auf der jede Bewegung sichtbar wird. Dass diese Installation ausgerechnet vor einem der traditionsreichsten Grandhotels der Alpen steht, ist kein Zufall. Das Kulm Hotel St. Moritz pflegt seit jeher den Schulterschluss mit Kunst und Kultur.
Wann und wo? Zu sehen ist das Pink Mirror Carousel während der Wintersaison 2025/26 auf dem Eisfeld des Kulm Hotel St. Moritz, täglich zugänglich für Hotelgäste und Öffentlichkeit.
James Turrell: Skyspace-Lech
Während Höller mit Spiegelung und Bewegung arbeitet, setzt James Turrell in Lech auf Stillstand und Konzentration. Der Skyspace-Lech liegt auf 1.780 Metern oberhalb von Oberlech, halb im Berg versenkt. Der Weg dorthin führt durch einen Tunnel, der bereits Teil des Erlebnisses ist: ein Übergang von außen nach innen, von Landschaft zu Wahrnehmung. Im Zentrum steht ein Raum mit umlaufender Sitzbank und einer Öffnung zum Himmel. Turrell interessiert sich nicht für das Panorama, sondern für das Sehen selbst. „Seeing yourself seeing“ nennt er diesen Ansatz. Künstliche Lichtsequenzen beeinflussen die Wahrnehmung von Farbe, Tiefe und Zeit.
Im Winter verstärkt die Schneelandschaft diesen Effekt. Weißes Licht, gedämpfte Geräusche und die Reduktion auf Himmel und Raum lassen jede Ablenkung verschwinden. Wird die Kuppel geschlossen, verwandelt sich der Skyspace in einen sogenannten Ganzfeldraum: Die klare Raumstruktur löst sich auf, Orientierung geht verloren. Was bleibt, ist eine Erfahrung, die weniger erklärt als empfunden werden muss.
Wann und wo? Der Skyspace-Lech liegt oberhalb von Oberlech auf dem Tannegg und ist ganzjährig zugänglich, im Winter täglich von 12-20 Uhr.
Christopher Bauder: FOREST – Winterlights, Berlin
Ganz anders, aber nicht weniger konsequent inszeniert ist FOREST – Winterlights in der Berliner Kunsthalle DARK MATTER. Hier wird Winter nicht als Stille gedacht, sondern als choreografiertes Ereignis. In der monumentalen Transformator-Halle entsteht eine leuchtende Waldlandschaft aus über 600 schwebenden Bäumen und mehr als 250.000 Lichtpunkten.
Medienkünstler Christopher Bauder kombiniert klassische Wintermotive mit zeitgenössischer Licht- und Medientechnik. Kopfstehende Tannen – inspiriert von alten osteuropäischen Winterbräuchen – hängen von der Decke und bilden ein gespiegeltes Waldszenario. Licht und Klang werden begleitet von einer Komposition des niederländischen Musikers Chris Kuijten. Ein zentrales Element ist die Eisbahn, die sich mitten durch die Installation zieht. Besucher:innen gleiten buchstäblich durch das Licht, werden Teil der Inszenierung. Wer nicht Schlittschuh läuft, bewegt sich zu Fuß durch einen Parcours aus Reflexionen, Farben und Klangräumen.
Wann und wo? FOREST – Winterlights läuft vom noch bis 15. Februar 2026 in der Kunsthalle DARK MATTER in Berlin-Rummelsburg.