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»Mind the gap«: Wie ein Label aus Transsilvanien rumänische Designs mit englischer Exzentrik verknüpft

Interior Design

Im Interview spricht Gründer Stefan Ormenisan über die Magie zeitloser Muster, den Einfluss transsilvanischer Mythen und warum Tapeten unsere Persönlichkeit widerspiegeln sollten.

Transsilvanien, die Heimat von Mind The Gap, ist bekannt für ihre Mythen, kulturelle Vielfalt und handwerkliche Traditionen. Stefan Ormenisan, Gründer des jungen Labels, hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese reichhaltige Geschichte in die Welt zu tragen – mithilfe von Tapeten, Stoffen und Möbeln, die Fantasie und Persönlichkeit in jeden Raum bringen.

Ihre Wurzeln liegen in der Heimat von Graf Dracula. Haben die Mythen dieser Region die Entwürfe geprägt?

Stefan Ormenisan: In gewisser Weise ja, aber zunächst möchte ich sagen, dass die Menschen in Transsilvanien überhaupt nicht stolz auf die Verbindung zu Dracula sind, eine Figur, die der irische Schriftsteller Bram Stoker geschaffen hat. Sie sind vielmehr stolz auf ihr multikulturelles Erbe, auf die Mischung aus fünf oder sechs Ethnien, die hier seit Jahrhunderten leben. Die Volkskunst ist reichhaltig, und da wir eine unserem Mutterland gewidmete Sammlung zusammengestellt haben, habe ich festgestellt, dass die meisten der Muster und Motive, die hier bei den Ungarn, Rumänen und Sachsen zu finden sind, auch in Usbekistan oder Ostasien, Ungarn und Tirol vorkommen. Diesen ­komplexen Mix wollen wir mithilfe von Tapeten und Stoffen in die Welt tragen.

Welche Aufgabe haben Tapeten?

Jedes Design sollte unsere Fantasie anregen, egal ob Tapeten, Möbel oder Stoffe. Wir sind ständig in Bewegung, haben wenig Zeit, um zu bewundern, was um uns herum geschieht. Deshalb sollten wir bei der Wahl einer Tapete oder eines Anstrichs zumindest unserem Zuhause mehr Aufmerksamkeit schenken. Diese Orte müssen unsere Persönlichkeit widerspiegeln. Ich spiele zum Beispiel Musik in meinem Jazz-Trio, und unser Studio ist mit gerahmten Drucken von Jazz- und Rock-Ikonen gefüllt.

Welche Rolle spielt die britische Designwelt?

In England hatten die Menschen noch nie Angst vor exzentrischen Mustern. Es ist wahr, dass die Brit:innen in Sachen Inneneinrichtung schon immer kühner waren. Das liegt höchstwahrscheinlich an der kulturellen Dominanz des Empire und dem Mut, den sie durch Kunst und Musik kultivierten. Eine zeit­lose Tapete zu entwerfen, bedeutet für mich, Geschichten, Motive und Muster zu finden, die niemals altern, Symbole, die stark genug sind, um Zeit und Ort zu überdauern. Aber auch, Kunstwerke zu schaffen, die überraschen.

Vintage boomt bei Möbeln, merken Sie das auch bei Tapeten?

Wir alle lieben es, Vintage-Sachen in Design­projekten zu verwenden. Das liegt daran, dass wir uns so am besten mit unseren Wurzeln verbinden können. Generell beobachten wir, dass die Kund:innen bereit sind, gewagte Muster auszuprobieren, verglichen mit, sagen wir, den letzten fünf Jahren. Wir erkennen immer deutlicher, dass wir von fröhlicheren und mutigeren Räumen umgeben sein wollen, in denen wir leben, anstatt von langweiligen und minimalistischen Innenräumen, die uns in menschliche Roboter verwandeln.

Welche anderen Trends beobachten Sie derzeit?

Trends sind für diejenigen, die zu faul sind, selbst kreativ zu sein. Schauen Sie sich Andy Warhol oder Jean-Michel Basquiat, Jimi Hendrix und Miles Davis an. Welchen Trends sind diese Künstler gefolgt? Keinem! Lassen Sie Ihrem Geist freien Lauf, um das zu tun, was Sie fühlen und was Sie jeden Tag in Ihrem Haus sehen möchten.

Welche Tapeten passen zu welchen Räumen? Wollen Sie dort wohnen oder wollen Sie nur ein sogenanntes »perfektes Zuhause« schaffen?

Alles passt zu jedem Raum, wenn Sie mich fragen. Es hängt sehr von Ihrer Persönlichkeit und Ihrem Lebensstil ab. Mein Zuhause ist voller Tapetenmuster, es ist eine eklektische Mischung, die mich glücklich und zufrieden macht.

Warum Tapeten heuer ein großes Comeback feiern, lesen Sie hier

Alles über andere Wandkunstwerke finden Sie hier.

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 8/2024

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Karin Cerny
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