Auf sich gestellt: Nicht nur bei Check-in und Check-out ist man auf sich gestellt, Hotel-Services fehlen in Airbnbs.
© pexels/cottonbro
Nie mehr Ärger mit »Airbnb«: Welche Regeln wo für Kurzzeitvermietung gelten
Wien, Salzburg oder Innsbruck haben die Vorgaben verschärft, die EU-Regelung tritt im Mai in Kraft. Doch die Umsetzung läuft recht unterschiedlich an. PROFI hat den Überblick.
von redaktion
28. Mai 2026
TEXT Jasmin Bürger
Bei uns im Haus ist jede Woche wer anderer drin.« Oder auch: »Die Hotels zahlen sich dumm und dämlich an Auflagen, und die machen, was sie wollen.« In diesen Postings geht es nicht etwa um Barcelona oder Venedig; in einer Facebook-Gruppe regt sich zunehmend Ärger über den Anstieg von Kurzzeitquartieren in der Messestadt Wels. Das Geschäft mit Miet-Apartments für Touristen ist in der Provinz angekommen! Michael Nell bestätigt das als Obmann der Fachgruppe Hotellerie in der Wirtschaftskammer Oberösterreich: »Das hat in letzter Zeit deutlich an Fahrt aufgenommen und ist ein Riesenthema!« Die Anzahl innerstädtischer »Airbnb«-Apartments liegt in Linz im dreistelligen Bereich, in Wels kratzt man am Hunderterbereich – nicht wenig für eine 60.000-Einwohnerstadt. »Das ist wie ein zusätzliches großes Hotel«, sagt Alexandra Platzer, die in Wels den »Bayrischen Hof« führt und wie Hotelier Nell (u. a. »Schwarzer Bär« in Linz) in der Kammer (WKO) aktiv ist.
Ein Hotel ohne alle Auflagen
Dass Konkurrenz das Geschäft belebt, ließen die beiden durchaus gelten, wäre da nicht ein großes »Aber«: »Wir Hotels haben Auflagen vom Brandschutz bis zu Hygienevorschriften und laufende Kontrollen. Für diese Kurzzeit-Apartments gilt das alles nicht«, fasst Platzer zusammen. Auch Michael Nell spricht von Wettbewerbsverzerrung. Wünschenswert wäre für ihn eine Regelung wie in Wien: Dort ist die Möglichkeit zur Kurzzeitvermietung von Wohnungen seit 2024 deutlich eingeschränkt: Maximal 90 Tage pro Jahr dürfen Wohnungen gewerblich für kurzfristige Beherbergungszwecke genutzt werden, Ausnahmen werden sehr restriktiv gehandhabt. Auch die Strafen sind saftig.
Wien ist damit den Beispielen vieler europäischer Städte gefolgt, wo immer mehr Kurzzeit-Mietanbieter die Wohnungspreise nach oben treiben und Touristen immer mehr zum Hassobjekt für die lokale Bevölkerung wurden: Paris, London und Berlin haben mit 120 Tagen Vermietung ein etwas höheres Limit für die zulässige Mietdauer, in Hamburg, Barcelona oder Amsterdam ist diese dagegen sogar noch kürzer.

Zwischen Taskforce und Register
Salzburg verlangt überhaupt eine baurechtliche Genehmigung für jegliche Kurzzeitvermietungen und hat auch eine Registrierungspflicht für Gastgeber eingeführt, eine solche gilt auch in Tirol. In Innsbruck kontrolliert seit 2023 eine »Taskforce« die Einhaltung, jährlich gibt es in der Stadt rund 200 (!) Verdachtsmeldungen von verärgerten Bürgern. Ein 90-Tage-Limit für Kurzzeitvermietungen und eine Meldepflicht hat 2022 auch Düsseldorf eingeführt. Knapp 3.000 Gastgeber wurden seither registriert, die Dunkelziffer angebotener »Airbnb« ist immer noch ein regelmäßiger Aufreger.
In der Registrierungspflicht sieht auch die EU eine Lösung: Bis 20. Mai 2026 hatten die Mitgliedstaaten Zeit, eine Verordnung umzusetzen, die eine zentrale und verpflichtende Registrierung von Anbietern von Kurzzeitmietobjekten vorsieht. Während sich in Deutschland ein bundesweit einheitliches Register abzeichnet und Bayern mit einer eigenen Regelung vorgeprescht ist, lässt in Österreich der Föderalismus grüßen. Ein bundesweites Beherbergungsregister könne es gar nicht geben, heißt es aus dem Büro von Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner. Denn: Bau- und Raumordnungsfragen sind Ländersache, »es steht den Bundesländern frei, ob sie die Verordnung umsetzen oder nicht«.

Wer aber soll es machen?
Ein Umstand, den die oberste Hotellerie-Sprecherin in der WKÖ, Maria Schreiner, bedauert: »Die Fachgruppe war in allen Arbeitsgruppen des Tourismusministeriums und hat darauf gedrängt, dass eine Registrierungspflicht in allen Bundesländern umgesetzt wird.«
Damit zurück nach Wels und Linz. In Oberösterreich spielt man den Ball zurück: »Aus unserer Sicht wäre eine bundesweit einheitliche Vorgehensweise sinnvoll, die klare Regeln für die Kurzzeitvermietung unter anderem über Plattformen festlegt. Bedauerlicherweise ist diese nicht zustande gekommen«, lässt Wirtschafts- und Tourismus-Landesrat Markus Achleitner (ÖVP) wissen. Eine mögliche landesweite Regelung werde derzeit »geprüft«, heißt es weiter, immerhin seien »faire Wettbewerbsbedingungen und Rücksichtnahme auf die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung wichtig«. Auch in Linz hat sich der Gemeinderat schon mit dem Thema befasst.
Leidensdruck in der Schweiz
Vielleicht hilft der Blick nach Zürich: Dort drängt eine Volksinitiative von SP, Grünen und Alternativer Liste auf ein 90-Tage-Limit, das bereits in den Kantonen Luzern und Genf gilt. Der Zürcher Stadtrat will nun einen Alternativvorschlag erarbeiten. In der Schweizer Metropole hat das Problem eine ganz andere Dimension, da finden sich neben tausenden »Airbnb«-Wohnungen mindestens ebenso viele Business-Apartments und verknappen den Wohnraum – trotz bereits bestehender Registrierungspflicht für Gastgeber in der Schweiz.
Nicht zuletzt deshalb ruht die Hoffnung vieler Hoteliers erneut auf der EU: Deren »Affordable Housing Plan« soll sich auch der Kurzzeitvermietungen annehmen. Aber: Das kann dauern …
Lesenswert
Der »Young Talents Day« bietet eine Rallye durch zehn Wiener Top-Hotels, fünf Challenges pro Route und ein Abend mit Sternekoch Silvio Nickol.
© Daniel Taladrid
60 Lehrlinge beim »Young Talents Day«: Die Wiener Top-Hotels investieren in Nachwuchs
Der »Young Talents Day« von »tophotels.wien« bringt 60 Lehrlinge zusammen und zeigt, wie die Wiener Spitzenhotellerie aktiv in ihren Nachwuchs investiert.
Hohe Ansprüche: Sauerteig, lange Teigführungen, handwerkliche Optik. Auch bei Großbäckern zählen wichtige Qualitätsmerkmale.
© Sonja Priller
Die Kraft der Kruste: Brot wird in der Gastronomie zum Qualitätsversprechen
Der Brot-Gang macht Image! Vom Frühstückskorb bis zum Signature-Burger ist gutes Gebäck wichtiger denn je. Wie Bäcker und Gastronomen gemeinsam an Qualität und Geschmack arbeiten.
Praxisnahe Impulse für mehr Effizienz, bessere Abläufe und starke Hotelbetriebe.
© Foto beigestellt
Leading Hospitality Circle am »LOXONE« Campus
Wie können Hotels ihre Teams entlasten, Prozesse vereinfachen und gleichzeitig mehr Raum für persönliche Gastfreundschaft schaffen? Genau darum geht es beim Leading Hospitality Circle am 9. September 2026 am »LOXONE« Campus in Kollerschlag.
Positives Signal für die Zukunft: 74 Prozent der befragten Hotel-Lehrlinge möchten grundsätzlich in der Branche bleiben.
© shutterstock.com/Drazen Zigic
»Wenn es nur überall so wäre«: Hohe Arbeitszufriedenheit bei Hotel-Lehrlingen
Neue Studie der ÖHV zeigt: Hotel-Lehrlinge sind zufriedener als der durchschnittliche Angestellte in Österreich. Trotzdem gibt es auch klaren Handlungsbedarf.
Das sind die Vertreter der zehn Mitgliedsbetriebe der neuen Hotel-Allianz »Superior Hotels Mühlviertel«.
© TVB Muehlviertel
Neue Hotel-Kooperation in Österreich: »Superior Hotels Mühlviertel« vereinen ihre Kräfte
Zehn Vier-Sterne- und Vier-Sterne-Superior-Hotels schließen sich zur neuen Allianz zusammen. Das Ziel ist dabei, die Region gemeinsam zu vermarkten, neue Märkte zu erschließen und die Interessen der Mühlviertler Hotellerie geschlossen zu vertreten.
Mit neuem Küchenchef und zeitgemäßem Verhaltenskodex startet das »Interalpen-Hotel Tyrol« in die Saison 2026.
© © Interalpen-Hotel Tyrol
Neuer Küchenchef, klare Haltung
Mit dem Saisonstart im Mai hat das »Interalpen-Hotel Tyrol« klare Zeichen für höchste Qualität, Verantwortung und einen respektvollen Umgang im Arbeitsalltag gesetzt.
Meist gelesen
Laut »EcoAustria« könnte der Prozentpunkt langfristig bis zu 12.000 zusätzliche Arbeitsplätze ermöglichen.
© shutterstock.com/groviapoto
Beschlossene Sache: Die Lohnnebenkosten sinken ab 2028 um einen Prozentpunkt – reicht das?
Österreich zählt bei den Lohnnebenkosten zu den teuersten Standorten Europas. Der Nationalrat hat nun eine Senkung um einen Prozentpunkt ab 2028 festgesetzt. Das ist ein Signal, das die Wirtschaft lange gefordert hat.
Ein Hotel, bei dem die Servicearbeiten ausschließlich von Robotern gemacht werden? Auf der »West Artificial Island« in China wird das bald Realität (Symbolbild).
© shutterstock.com/Jihun Sim
Roboter statt Rezeption: In China entsteht erstes vollautomatisiertes Hotel
»Pudu Robotics« und »Shenzhen CTID« planen das weltweit erste vollständig robotergestützte Hotel, ein Testbetrieb ist noch für Ende 2026 geplant. Die Frage, in welchem Maß Roboter auch in europäischen Betrieben Einzug halten, wird immer relevanter.
Ohne Tageslicht, dafür in zentraler Lage: In Stockholm entstehen 135 unterirdische Zimmer.
© Scandic Hotels Group
»Scandic« plant neues Hotel-Konzept – unter der Erde
Direkt unter einer der belebtesten Einkaufsstraßen der schwedischen Hauptstadt: Vier Stockwerke unter der Erde entstehen 135 Zimmer ohne Fenster. Das Konzept der Hotelgruppe »Scandic« trifft einen wachsenden Gästetrend.
Haus mit langer Geschichte: Das »Grand Hotel Europa« soll 2029 als »NH Collection«-Haus zurückkehren.
© aurena.at
Traditionshaus in Innsbruck vor Wiedereröffnung: »NH Collection« zieht ins »Grand Hotel Europa« ein
Nach Jahren des Leerstands steht für das bekannte Fünf-Sterne-Hotel der Neustart bevor. »Minor Hotels« will das historische Haus umfassend revitalisieren und 2029 als erstes »NH Collection«-Hotel Tirols wiedereröffnen.
Der Österreichischen Nationalbibliothek nachempfunden: das künftige Wiener »Crowne Plaza«.
© IHG
Neues Hotelprojekt: »IHG« eröffnet erstes »Crowne Plaza« in Wien
Mit dem ersten »Crowne Plaza« in der Bundeshauptstadt bringt die »IHG«-Gruppe eine international etablierte Businesshotel-Marke in den heimischen Markt zurück – mit klarem Fokus auf Geschäftsreisenden und dem wachsenden Bleisure-Trend.
Wiener Lifestyle-Hotellerie: Anica Remetić übernimmt »Das Triest« in Wien.
© RHG
»Radisson« Neubesetzungen: Zwei General Managerinnen für Österreich
Die »Radisson Hotel Group« verstärkt ihre Führungsriege in Österreich mit Anica Remetić und Anna Sima. Beide bringen umfassende Erfahrung in der Hotellerie und im Hotelmanagement mit.
Der Newsletter für echte Profis
Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!

