Leichtweine 2026 - Falstaff PROFI

Klarer Tendenz: Für viele junge Menschen sind leichtere Weine attraktiv.

© Kelsey Chance/Unsplash

Weniger Prozent im Trend: Das Phänomen Leichtwein

Die Entalkoholisierung – spät, aber massiv »in« ­geworden – nimmt den Weinen einen wesentlichen Geschmacksträger. Was aber, wenn man schon im ­Weingarten auf moderaten ­Alkohol hinarbeitet?

von Roland Graf
17. April 2026

Eigentlich war er immer da. Doch es bedurfte der Suche nach weniger alkoholstarken Weinen, um die deutsche Spezialität des Riesling Kabinett nicht nur im Export zu schätzen. Mit dem Rückenwind junger Fans des »Kabi« wird ein alter Stil plötzlich wieder salonfähig. Doch es gibt ein technisches Detail, das nicht allen schmeckt – der Restzucker-Gehalt. Denn weniger vergärbarer Zucker der Traube, der zu Alkohol vergärt, bedeutet eben mehr Süße im verbliebenen Wein. Wo Schiefer-Mineralik und hohe Säure gegenhalten, entsteht dennoch Balance. Anderen wiederum ist der »Kabi« schlicht zu süß.

Leicht, aber mit Süße

Was an Mosel, Ruwer oder Nahe aber Tradition hat, ist in anderen Weinbaugebieten noch ziemliches Neuland. Denn kräftiger, hieß lange auch gut. Die »Zuckerpyramide«, also der Öchsle- oder KMW-Grad im Refraktometer galt lange als das Maß aller Dinge. Doch wer kann sich noch für Wein mit 15 %-vol. am Etikett erwärmen? Das hat man selbst am anderen Ende der Welt, in der Shiraz-Hochburg Australien, erkannt. Ein Weg, der dort beschritten wird, ist in Europa aber für Qualitätswein nicht zulässig – »Co-Fermenting«, also die Zugabe weißer Trauben zum Rotwein. Und doch sehen die Weinvermarkter von »Wine Australia« mittelfristig mehr Potenzial für »low alcohol wines«, also alles unter 10 % Alkohol, als für entalkoholisierten Wein.

An sich eine gute Nachricht – wenn es denn diese Weine in ausreichender Zahl gäbe. Denn zumindest laut wird nicht für sie geworben. Verständlich, denn damit würde man generell alles darüber als Irrweg brandmarken. Doch das Gros der Weinproduktion bewegt sich seit Jahren eher über 13,5 % denn über 12,5 % wie noch vor ein paar Jahren.

Die Einstellung, dass Rotwein fast schwarz und hoch im Alkohol sein muss, ist zum Glück nicht mehr so im Trend.

– Alexander und Florian Gisy, Händler, Wine-House.at

Leichtweine 2026 - Falstaff PROFI
»Co-Fermenting« in Australien: Die Zugabe weißer Trauben zum Rotwein. | © unsplash.com/razi pouri

Teil eines guten Angebots

Alexander und Florian Gisy lassen aber keinen Zweifel aufkommen: »Es kann auch große Weine mit geringen Alkoholwerten geben«. Mit ihrer »wine-house GesbR« gehen sie bei der Auswahl der Winzer eher in Richtung moderater Alkoholwerte. Verteufeln wollen die Brüder – als Weinkundige – den isoliert betrachteten Alkoholwert aber keineswegs: »Es gibt natürlich auch beispielsweise Wachauer Smaragde, die trotz höherer Alkoholwerte unglaublich fein, elegant und trinkfreudig sind. Mittlerweile wird von den Kunden aber nicht nur im Sommer nach Leichtem verlangt, so die Erfahrung der Gisys. Und Sommeliers, die die ganze Bandbreite der Weinwelt abdecken wollen, »versuchen ihren Gästen aber auch immer wieder einen Zugang zu Weinen mit geringen Alkoholwerten zu zeigen«, sagen die Händler aus Königstetten. »Und das oft mit einem richtigen Aha-Erlebnis beim Gast«!

Ihre persönlichen Gastro-Tipps diesbezüglich führen in die Steiermark: Weingüter wie Tauss, Jaunegg oder Sternat-Lenz (»mit den Jahrgängen 2023 und 2024 ganz besonders«), aber auch den Südburgenländer Clemens Krutzler mit seinem Welschriesling (10,5 %-vol., aber unfiltriert) empfehlen sie.

Leichtweine 2026 - Falstaff PROFI
In Österreich angekommen: der Trend der Leichtweine mit weniger Alkoholgehalt findet Anklang. | © unsplash.com/Lukáš Kulla

In »leichter« Stimmung

Ein weiteres Weingut, das sich seit Jahren abseits der »Kabis« mit leichten Weinen beschäftigt, befindet sich im österreichischen Weinviertel. »Mit dem Grünen Veltliner »Federflug« (11 %-vol.) haben wir bereits früh einen Leichtwein im Einstiegssegment etabliert, der unkompliziert ist, zugleich aber klar unsere Handschrift und Herkunft widerspiegelt«, so Wolfgang Hagn. Das »Weingut Hagn« sieht die leichten Weine auch »nicht als kurzfristigen Trend, sondern als bewusste Antwort auf veränderte Trinkgewohnheiten«. Konkrete Erfolge feiert der leichte Veltliner als eine Austro-Paradesorte z. B. beim Après-Ski in Westösterreich. Den leichten Weg der Mailberger Winzer, zu denen auch der »Messwein« exklusiv für die Gastronomie gehört, bestätigt auch das positive Feedback der Kunden. Dementsprechend sieht der Betrieb auch »großes Potenzial, neue Zielgruppen an das Thema Wein heranzuführen«. Und die kann man schließlich gerade jetzt brauchen!

Leichtweine schaffen neue Genussmomente – verantwortungsvoll, zeitgemäß und klar im Kontext von Essen und Begegnung.

-Wolfgang Hagn, Winzer, Weingut Hagn

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