Erich Lehner © EY/Christina Hauesler

EY-Managing-Partner Erich Lehner

© EY/Christina Hauesler

Wirtschaftslage: Tourismus blickt überdurchschnittlich positiv in die Zukunft

Mittelstandsumfrage der Beratungsfirma EY zeigt, dass Unternehmen in anderen Branchen von einer Verschlechterung der Konjunktur ausgehen.

von Alexander Schöpf
13. Dezember 2023

Trotz des aktuell schwierigen wirtschaftlichen Umfelds mit eingetrübter Konjunktur, gestiegenen Preisen für Energie und Rohstoffe oder auch hoher Inflation sind Österreichs mittelständische Betriebe mit der eigenen Geschäftslage zufrieden: Gut vier von fünf Unternehmen (82 Prozent) bewerten die eigene Geschäftslage als eher gut oder gut. Der Rest beurteilt die eigene Geschäftslage aktuell hingegen als negativ. Höher war der Anteil der »Pessimisten« zuletzt nur zu Jahresbeginn 2021, als COVID die Wirtschaft und das Leben im Griff hatte sowie im Februar 2009, auf dem Höhepunkt der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise. Das sind die Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die im November 2023 über 600 Verantwortliche von mittelständischen, nicht kapitalmarktorientierten Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeiter:innen in Österreich befragt wurden.

»Die österreichischen Unternehmen lassen sich zwar nicht unterkriegen, aber die wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen wirken sich langsam auf die Gesamtstimmung aus«, ordnet Erich Lehner, Managing Partner Markets und Verantwortlicher für den Mittelstand bei EY Österreich, die Ergebnisse ein. Diese Einschätzung unterstreicht auch der Ausblick der Unternehmen auf die kommenden Monate: Zum zweiten Mal in Folge rechnen mehr Unternehmen mit einer Verschlechterung (21 Prozent) der eigenen Geschäftslage für das kommende Halbjahr als mit einer Verbesserung (17 Prozent). Damit geht etwa jeder fünfte Betrieb von einer Verschlechterung der eigenen Situation im kommenden Jahr aus.

Uneingeschränkt zufriedener Tourismus

Etwas anders sieht das Stimmungsbarometer im Tourismus aus: Mehr als drei Viertel der befragten Tourismusbetriebe (76 Prozent) sind mit der eigenen Geschäftslage zurzeit uneingeschränkt zufrieden. In den Sektoren Finanz- und andere Dienstleister und Soziales, Wissenschaft, Bildung & Konjunktur liegt der Anteil der uneingeschränkt Zufriedenen mit 65 Prozent bereits signifikant darunter. Am wenigsten zufrieden sind aktuell Industrieunternehmen: Hier bewerten lediglich rund zwei von fünf Betrieben (41 Prozent) ihre Geschäftslage als gut.

Aber nicht nur hinsichtlich der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage ist der Tourismus am positivsten gestimmt. Auch was die Erwartung an die kommenden sechs Monate betrifft, zeigen sich Tourismus und Finanz- und andere Dienstleister besonders zuversichtlich (30 bzw. 29 Prozent), im Gegensatz zur Immobilien- und Baubranche sowie Soziales, Wissenschaft, Bildung und Kultur, die besonders pessimistisch auf das nächste Halbjahr blicken (9 bzw. 7 Prozent).

Fachkräftemangel als größte Herausforderung

Wie in den Vorjahren bleibt der Fachkräftemangel das größte Problem der heimischen Unternehmen – ein Thema, das auch und vor allem den Tourismus umtreibt. Zwei von drei Befragten geben an, dass der Mangel an qualifiziertem Personal aktuell die größte Gefahr für die Entwicklung des eigenen Betriebs darstellt (66 Prozent). Danach folgen eher akute Herausforderungen wie die hohen bzw. volatilen Rohstoffpreise (54 Prozent), die drohende Rezession (56 Prozent), die hohe Inflation (62 Prozent) sowie die hohen Energiepreise (52 Prozent).

»Die Bewältigung des Fachkräftemangels erfordert eine langfristige Strategie, die auf eine bessere Ausbildung, die Förderung von Berufseinsteiger:innen sowie die Ansprache neuer Zielgruppen und eine höhere Arbeitsattraktivität setzt. Um die volatilen Rohstoffpreise und die hohen Energiekosten zu reduzieren, ist eine stärkere Diversifizierung und die Förderung erneuerbarer Energien von großer Bedeutung. Zudem sollten Unternehmen aktiv eine Anpassung ihrer Geschäftsmodelle an potenzielle Rezessionsphasen vornehmen. Bei der hohen Inflation hilft eine effektive Kostenkontrolle und Preisoptimierung, um die Konkurrenzfähigkeit am Markt sicherzustellen«, rät Lehner.

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