Das lieben »Best Ager« und »Gen Z« an Wien
Den ersten Platz in der Liste der lebenswertesten Städte der Welt musste Wien zwar dieses Jahr an Kopenhagen abtreten, als Reiseziel aber triumphiert Österreichs Metropole – vor allem bei der Generation 65+, wie eine Umfrage von »GetYourGuide« ergab. Was diese Altersgruppe besonders gerne in Wien tut und was sich auch jüngere Generationen von ihr abschauen können.
Wiener Schmäh, eine gewisse Behaglichkeit gepaart mit sarkastisch-liebevollem Humor, Kunst von Mozart bis zu den Meistern in der Albertina, Architektur von imperialen Prachtbauten bis zum postmodernen Haus Haas, Sissi und die weltberühmte Sachertorte – an Klischees wie diese, die viel Wahres in sich tragen, denken viele beim Stichwort »Wien«. Tatsächlich sind die charmante Melodie der Sprache (hier wird man noch mit »Madame« angesprochen), die unaufgeregte Atmosphäre zwischen Fiaker, Kaffeehäusern und detailverliebt verschnörkelten Fassaden, Künstler und Berühmtheiten der Stadt, Punsch-Krapfen, Sachertorte und natürlich auch Sissi in der österreichischen Hauptstadt omnipräsent.
Neuer Besucherrekord in Wien, mit Gästen Ü65
All das macht Wien zu einem beliebten Reiseziel. Seit Beginn der Aufzeichnungen von »WienTourismus« wurde 2024 mit 18,9 Millionen Übernachtungen ein neuer Rekord erreicht. Auch die Generation 65+ zieht es verstärkt in die Metropole an der Donau, wie eine aktuelle Umfrage von »GetYourGuide« ergab. Das 2009 gegründete Unternehmen bietet mit seiner App eine Plattform, auf der Reisende unter anderem Ausflüge, Sightseeing-Touren mit besonderen Schwerpunkten, aber auch Kochkurse oder Tickets für Konzerte bei Tour-Guides und verschiedenen Anbietern in mittlerweile über 12.000 Städten buchen können. Diese Möglichkeit nutzen auch ältere Zielgruppen immer öfter: »Best Ager nutzen zunehmend auch digitale Tools, um ihre Reisen zu planen«, heißt es dazu in einer Pressemitteilung von »GetYourGuide«.
Lieblingsstadt dank Sicherheit und Komfort
Laut dem Unternehmen ist Wien als Reiseziel für diese Zielgruppe deutlich beliebter als andere Metropolen wie Berlin, Paris und London. Das überrascht nicht, wenn man bedenkt, was dieser Gruppe laut Reisepsychologin Barbara Horvatis-Ebner besonders wichtig ist: Sicherheit, Komfort und eine verlässliche Infrastruktur. All das vereint Wien gekonnt. Da wäre zunächst die Sprache, die es deutschsprachigen Reisenden leicht macht, sich zu verständigen. Da ist der so nah an der Stadt gelegene Flughafen, dessen gute Anbindung selbst kürzeste Städtetrips nicht stressig werden lässt. Und da ist die zentrale Lage vieler Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Shopping-Ziele im 1. Bezirk.
Erlebnisse zählen bei Generation 65+
All das begeistert sämtliche Altersgruppen. Aber, und hier wird es interessant: Die Generation 65+ hat es laut der »GetYourGuide«-Umfrage zwar gerne komfortabel, will es aber nicht nur langsam angehen lassen. Statt nur Sehenswürdigkeiten zu betrachten, wollen demnach viele ihr Ziel aktiv erleben und erfahren. Den passenden Begriff für diese Haltung gibt es auch schon: »Sight-doing«. Laut Horvatis-Ebner geht es bei dieser Haltung vor allem um »erinnerbare Erfahrungen«.
Genuss wird großgeschrieben
Eine solche erinnerbare Erfahrung macht man auch beim Gespräch mit der Reisepsychologin im berühmten Café Landtmann. Das Kaffeehaus, direkt an der Ringstraße gelegen und seit 1873 eine Wiener Institution, ist bis heute bei einem breiten Publikum angesagt. Hier sitzen entspannte Touristen neben konzentrierten Geschäftsleuten, Studenten diskutieren, Familien machen eine Shoppingpause. An diesem Nachmittag wird an einem Tisch im vorderen Bereich eine bekannte österreichische Schauspielerin interviewt, ein Fotograf hält das Ganze mit der Kamera fest, an den Nebentischen lässt sich von alldem niemand aus der Ruhe bringen. Aufregung – oder eher Verzückung – kommt erst auf, als der Ober formvollendet Punsch-Krapfen serviert, eine österreichische Spezialität. Von pastellrosa Zuckerguss umgeben, verbergen sich im Inneren Biskuit, Schokolade, Konfitüre, Rum oder eben Punsch. Genuss wird hier großgeschrieben.
Für den süßen Zahn
Mehr über die hier so ausgeprägte Liebe zur Patisserie kann man auf einer »Wiener Kaffee-, Kuchen- und Schokoladentour« (die man auf »GetYourGuide« buchen kann) lernen und dabei diese Seite der Stadt hautnah erleben und genießen – genauso, wie es die Generation 65+ so gerne tut. Besonders interessant wird es beim Stopp im »Café Vollpension«. In diesem Generationencafé backen Großmütter und servieren ihre kulinarischen Kunstwerke in einem Ambiente mit eklektischem Vintage-Charme. Wer hier mit den älteren Damen ins Gespräch kommt, möchte nicht nur der Torten und Kuchen wegen wiederkommen.
Unter den Straßen Wiens
Kulinarik und Kochkurse sind eine Möglichkeit des Sight-doing, eine andere erfordert etwas mehr Wagemut, der sich aber auszahlt: Bei geführten Touren in die »Wiener Unterwelt« wird gemeinsam in versteckte Kellergewölbe herabgestiegen, wo sich ein ganz neuer Blick auf die Stadt eröffnet: In manchen verbargen sich einst Bars und Apothekenlabor, in anderen suchten Menschen vor Krieg Zuflucht, in wieder anderen versteckten Schmuggler ihre Waren. Auch wenn die Luft hier unten mitunter ein leicht modriges Aroma hat, passen die Guides gut auf einen auf. Auch solche sogenannten »Soft Adventures«, also spannende, aber eben nicht extrem risikoreiche Erlebnisse, sind laut Horvatis-Ebner auch bei den über 65-Jährigen beliebt.
Zwischen den Tiefen der Wiener Unterwelt und der hohen Kunst der Patisserie gibt es unzählige Optionen, die Stadt im wahrsten Sinne des Wortes zu erleben – und die Pausen zwischen diesen kleinen Abenteuern ganz entspannt und komfortabel zu genießen. Am liebsten mit einer Prise Wiener Schmäh.