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© Giuseppe Arezzi

Designers to watch von der Milan Design Week

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Designers to watch

Auch in diesem Jahr gab es auf der Milan Design Week viel Spannendes zu entdecken. LIVING präsentiert zwei der jungen Talente und ihre kreativen Entwürfe.

Form folgt Gefühl: Giuseppe Arezzi

Giuseppe Arezzi denkt Möbel nicht als Statussymbole, sondern als Begleiter für den Alltag. Seine Entwürfe wirken reduziert, fast still, und erzählen trotzdem viel über Herkunft, Material und Gewohnheiten. Zwischen Ragusa,  Mailand und internationalen Designschauen entwickelt Arezzi Objekte, die mediterrane Handwerkstraditionen mit zeitgenössischem Wohnen verbinden. Dabei interessieren ihn weniger dekorative Effekte als die Frage, wie Menschen heute leben, arbeiten und sich zurückziehen.

Genau daraus entstehen Tische, Sitzmöbel oder Leuchten, die funktional bleiben und gleichzeitig poetisch wirken. Viele seiner Arbeiten spielen mit archetypischen Formen und einfachen Materialien wie Holz, Metall oder Keramik. Dass Stücke von ihm inzwischen in Sammlungen wie dem Vitra Design Museum gelandet sind, überrascht kaum. Giuseppe Arezzi gehört zu jener jungen Generation italienischer Gestalter:innen, die lokale Kultur nicht nostalgisch betrachtet, sondern als Ausgangspunkt für neues Design nutzt.

Giuseppe Arezzi

Er studierte an der Polytechnischen Hochschule Mailand und lebt heute in Ragusa auf Sizilien. Der Möbeldesigner und Innenarchitekt entwirft Produkte und Räume, die wandlungsfähig und multifunktional sind.

giuseppearezzi.com

© Natale Leontini

Formgebend

Beim Wandspiegel »Atrio« wird die Spiegelfläche durch einen Rahmen definiert und begrenzt.

© Giuseppe Arezzi

Quadratisch

Die Struktur des Lampenschirms »Barlume« ist aus Stahl und transparenten, farbigen Methacrylat-Trapezen gefertigt.

Neu interpretiert

Als Vorbild für »Tramoggia« dienten die »Cassapanca«, traditionelle italienische Truhen, die für verschiedenste Zwecke genutzt werden. Arezzis Version besteht aus lackiertem Stahlblech und macht als Zwei- und Dreisitzer aber auch außen eine stylishe Figur.

© Giuseppe Arezzi

Technik mit Gefühl: Jüngerkühn

Zwischen Werkbank und Roboterarm bewegt sich das Berliner Design-Duo Jüngerkühn mit erstaunlicher Leichtigkeit. Konrad Jünger und Verena Kühn entwickeln Möbel, Objekte und experimentelle Installationen, die Hightech nicht als Selbstzweck verstehen, sondern als Werkzeug für bessere Gestaltung. Statt sterile Perfektion zu feiern, interessieren sie sich für Oberflächen mit Charakter, sichtbare Prozesse und Materialien, die erzählen dürfen, wie sie entstanden sind.

Besonders spannend wird es dort, wo digitale Fertigung auf handwerkliche Intuition trifft: Sensoren tasten Keramik ab, Maschinen reagieren auf  Unebenheiten, jedes Stück erhält eine eigene Handschrift. Trotz aller technischen Raffinesse wirken die Arbeiten nie kühl. Sie strahlen Ruhe, Präzision und eine fast grafische Klarheit aus. Jüngerkühn denkt Design nicht als schnelle Lösung, sondern als langfristige Beziehung zwischen Mensch, Material und Objekt. Kein Wunder also, dass das Studio inzwischen international ausstellt und als Stimme einer neuen Designgeneration gilt.

Jüngerkühn

Konrad Jünger und Verena Kühn studierten Industriedesign und Produktgestaltung in Berlin und Halle. 2018 folgte die Gründung des gemeinsamen Studios in Berlin, in dem sie traditionelles Handwerk mit digitalen Techniken verbinden.

juengerkuehn.com

Technisch versiert

Bei »Material driven« wird mithilfe eines digital gesteuerten Roboterarms flüssiges Porzellan verarbeitet.

© Jüngerkühn

Verflochten

Die Objekte der Serie »network« stammen zwar aus dem 3D-Drucker, entstehen aber, ähnlich wie beim Korbflechten, durch den Wechsel aus vertikalen und horizontalen Filamentsträngen.

© Jüngerkühn

Formgebende Kräfte

Zu der Serie »taper« gehören mundgeblasene Trinkgläser und eine dazu passende Karaffe.

© Jüngerkühn

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 4/2026

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Anja Kleinschuster
Autor
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