Die Pariser Wohnung von Patrick Frey: Eine sehr persönliche Welt
Die Pariser Wohnung von Patrick Frey, Chef und Kreativdirektor von Pierre Frey, erzählt von einem Leben voller Kunst, Reisen und Erinnerungen. Ein lebendiger Mix aus Design, Familiengeschichte und gelebtem Eklektizismus – authentisch, frei und zutiefst individuell.
Beii Patrick Frey geht es nicht um Dekoration. Es geht um das Leben selbst. In seinem Beruf entwirft, veröffentlicht und entwickelt er Kollektionen von Möbelstoffen, Tapeten, Möbeln und Teppichen, seine Kund:innen sind Dekorateur:innen, Innenarchitekt:innen, Polsterer und Designstudios. Dennoch würde er sich selbst niemals als Dekorateur bezeichnen. »Das ist nicht meine Aufgabe. Ich würde damit
in die Arbeit meiner Kunden eingreifen«, sagt er.
Die Wohnung, die er mit seiner Frau Lorraine bewohnt, ist weder ein Showroom noch eine stilistische Inszenierung. Sie ist das Spiegelbild eines reichen Lebens, geprägt von Reisen, Tradition, Emotionen und gemeinsamen Leidenschaften. Im Laufe der Zeit haben die beiden viele Kunstwerke, Möbel und besondere Objekte zusammengetragen. Jeder Gegenstand erzählt eine Geschichte und spiegelt ihren jeweils ganz persönlichen Geschmack wider – manchmal unterschiedlich, aber stets harmonisch. »Am Ende finden wir immer einen gemeinsamen Nenner«, erzählt Patrick Frey.
Dieses Zuhause, das er als ihre endgültige Wohnung bezeichnet, ist ein Projekt, in dem viel Erfahrung mitschwingt und das mit großer Freiheit verwirklicht wurde. Vor vier Jahren erwarb das Paar die Wohnung und gestaltete sie von Grund auf neu. Gemeinsam mit dem Architekten Jérôme Bouet wurden die Räume neu strukturiert, großzügige und lichtdurchflutete Bereiche geschaffen, klassische Stuckelemente ergänzt und ein neuer Grundriss entwickelt. Herzstück der Wohnung ist heute ein runder Raum, der alle Bereiche miteinander verbindet und ihnen eine fließende Ordnung verleiht.
Begleitet wurden sie dabei von zwei langjährigen Weggefährten: Savinel und Le Bévillon. »Sie kennen uns seit vierzig Jahren. Mit großem Feingefühl haben sie die Harmonie des Ganzen geschaffen, die Struktur entwickelt und gleichzeitig als Vermittler zwischen unseren Vorstellungen fungiert. Es war fast so, als würden wir noch einmal heiraten«, erzählt er schmunzelnd. Es gibt nur ein Schlafzimmer, dafür aber zwei Traumarbeitszimmer: einen behaglichen Rückzugsort für Patrick und ein großzügiges Atelier für Lorraine, die dort ihrer Leidenschaft als Künstlerin nachgeht. Zwischen Küche und Esszimmer befindet sich eine große antike Tür, die je nach Anlass geöffnet oder geschlossen werden kann und den Räumen unterschiedliche Atmosphären verleiht.
Es ist ein Zuhause für Liebhaber:innen des Besonderen. Afrikanische Kunst steht hier ganz selbstverständlich neben geerbten Möbeln von René Prou, Patrick Freys Großvater und einem renommierten Innenarchitekten der 1930er-Jahre, dazu ein Kronleuchter von Ingo Maurer, eine Keramikleuchte von Johanna de Clisson und Hiromi sowie Gemälde und Textilien, die nicht aufgrund aktueller Trends ausgewählt wurden, sondern allein wegen ihrer Schönheit. »Nichts hier soll Maison Pierre Frey repräsentieren. Die meisten Stücke stammen nicht aus den aktuellen Kollektionen. Es sind persönliche Entscheidungen, manchmal alt, aber immer geschätzt.«
Dieser fröhliche und kontrollierte Eklektizismus verbindet Epochen, Stile und Herkunft, unterstrichen durch kräftige Farbakzente und gewagte Kombinationen wie ein Möbelstück aus Stroh, das vor einem Gemälde aus dem 18. Jahrhundert steht. »Meine Mutter hat mir beigebracht, dass ein Gegenstand, den man niemals umstellt, irgendwann unsichtbar wird. Deshalb ist bei uns ständig alles in Bewegung«, sagt Patrick Frey lachend.
Hoch über den Dächern von Paris eröffnet die lichtdurchflutete Wohnung jeden Tag einen außergewöhnlichen Blick über die Stadt. Eine Stadt, die Patrick Frey nach wie vor mit ungebrochener Leidenschaft liebt. »Ich werde nie müde, darüber zu staunen, wie viel Glück wir haben«, sagt er. Und diese Wohnung? Sie wollen sie gar nicht mehr verlassen. Selbst ihr Landhaus hat inzwischen einen Teil seiner Anziehungskraft verloren.
Mit jedem neuen Fundstück entwickelt sich die Wohnung weiter. Eklektizismus, Farbe und Harmonie bilden ihre leitenden Prinzipien. Sie ist weder statisch noch prunkvoll, sondern lebendig, authentisch und voller Persönlichkeit – ein intimer Ort, der ein gemeinsames Leben, ein familiäres Erbe und ein tiefes Gefühl von Freiheit feiert.
Bunte Harmonie
Mit Mut zu Farbe, Material und Kontrasten entstand ein lebendiges Interieur, das die Persönlichkeit von Patrick und Lorraine Frey widerspiegelt. Sofa, Sessel, Kissen, Teppich und Couchtisch sind allesamt von Pierre Frey, ebenso die Vorhänge mit der Stickerei »Funambule«.
© Philippe Garcia