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Gulla Jónsdóttir: Portrait der Hotelgestalterin

Interior Design

Ob prämierte Restaurants und Hotels oder luxuriöse Residenzen: Architektin und Interior-Designerin Gulla Jónsdóttir verwirklicht mit ihrem Designbüro seit 15 Jahren zahlreiche private und kommerzielle Projekte in ihrem organisch-harmonischen Stil. Der LIVING-Talk.

Titelbild: Für das »Esperanza« gestaltete die Designerin mit La Viva Homes eigene Tonlampen, die warmes, perforiertes Licht werfen. esperanzamb.com

Mutig, außergewöhnlich – und doch harmonisch: Gulla Jónsdóttir beweist seit über 15 Jahren, dass sie zu Recht zu den aufstrebenden Namen der Designszene zählt. Bevor sie sich der Architektur zuwandte, studierte die gebürtige Isländerin Mathematik und Biologie in Reykjavík. Ihre Leidenschaft für das künstlerische Handwerk wurde jedoch schon in jungen Jahren geweckt: »Mein Großvater war Künstler, also begann ich mit ihm zu zeichnen, als ich etwa drei Jahre alt war«, erinnert sich Gulla Jónsdóttir im Gespräch mit LIVING. »Ich reiste viel mit meiner Mutter nach Italien, und als ich zwölf war, besuchten wir Florenz; ich verliebte mich absolut in die Architektur und die Kunst dort!« All diese Erfahrungen inspirierten sie, das Land aus Eis und Feuer zu verlassen, um am damals noch recht jungen Southern California Institute of Architecture, kurz SCI-Arc, Architektur zu studieren.

Von Island nach Kalifornien

Nach ihrem Abschluss war sie vier Jahre lang für Richard Meier and Partners tätig, brachte ihr künstlerisches Können unter anderem im Getty Center in Los Angeles ein. Die nächste Sprosse auf der Karriere­leiter führte sie zu Walt Disney Imagineering, wo sie als Set-Designerin beschäftigt war. Es war allerdings ihr Einstieg in das hochkarätige Architekturunternehmen Dodd Mitchell Design in Hollywood, der sie letztendlich für Hospitality begeisterte. Nach neun Jahren, in denen sie zig Großprojekte für Marken wie Thompson Hotels verantwortete, wagte sie den nächsten großen Schritt: »2009 gründete ich mein eigenes Unternehmen, das dieses Jahr sein 15-jähriges Jubiläum feiert!« Heute zählt »Gulla Jónsdóttir Design« zehn Mitarbeiter:innen – ihr Team soll zukünftig noch wachsen.

Organisch, poetisch, inspiriert

Der Eintritt in von Gulla Jónsdóttir kreierte Räume darf zu Recht als sensorisches Erlebnis bezeichnet werden: Ihr Stil zeigt sich inspiriert vom Zusammenspiel aus Natur, Kunst und Architektur. »Zu Beginn gehe ich über den Ort, nehme die Geräusche und den Geruch jedes einzelnen Ortes wahr und skizziere, was mir in den Sinn kommt – dort beginnt die Reise«, erklärt sie ihre Herangehensweise. Für sie ist dabei von Bedeutung, wie sich das Projekt in die lokale Natur, Kultur, Landschaft und Umgebung einfügen kann. Diese organische Ästhetik verwebt sie mit funktionalen Elementen. »Ich denke, es ist wichtig, alle fünf Sinne anzusprechen und den Raum vom Boden über die Wände bis zur Decke fließend zu gestalten. Es ist also eine Art Bewegung poetischer Gesten, organischer und üppiger Formen.« So spielen auch Übergangsräume eine große Rolle in ihrer Arbeit, die Bewegung durch diese soll für die Menschen »leicht und natürlich« fließend sein. Projekte wie das prämierte »Esperanza Restaurant« in Manhattan Beach, Kalifornien, zeugen von der Gestaltungsweise der Designerin. »Das Restaurant war stark inspiriert von Los Cabos, dem Meer und dem Sand – ich wollte die Leute zu einer Urlaubsreise nach Mexiko einladen«, so die Architektin. »Die weiße Gipswand wurde mit der Gravur einer abstrakten Agavenpflanze versehen, und es hat diese frischen und fröhlichen Farben.« Für das Hotel gestaltete sie zahlreiche Sonderanfertigungen, darunter kleine Tonlampen mit perforiertem Licht, die in Zusammenarbeit mit den lokalen Kunsthandwerkern von La Viva Homes hergestellt wurden.

China trifft Kolonialgeschichte: »The Macau Roosevelt« war Gulla Jónsdóttirs erstes zur Gänze gestaltetes Hotelprojekt. themacauroosevelt.com

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Architektin und Designerin Gulla Jónsdóttir feiert dieses Jahr das 15-jährige Bestehen ihres Designbüros in L. A. gullajonsdottir.com

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Hotel-Projekt in Saudi-Arabien

Auch die Hotelkette Kimpton setzt auf den Stil des Architekturbüros – Ende des Jahres etwa eröffnet das Kimpton Riyadh in Saudi-Arabien, dessen Designkonzept in die ehemalige Oase der Region führt: »Es ging sehr stark um den Fluss von Wasser und Grün, um diese Art einer Oase inmitten einer geschäftigen Stadt zu schaffen.« Dort wird man zudem vom Licht- und Schattenspiel der Flügel saudi-arabischer Schmetterlinge empfangen. Dieses Jahr stellt das Designbüro insgesamt vier Projekte fertig – darunter das »Sandbourne«, ein Strandhotel in Santa Monica, wo organische Formen und Deckenelemente ein neues Gefühl der Räumlichkeit kreieren werden. Oder das »Thompson Miami« in South Beach, gestaltet im Geiste des tropischen Modernismus. Es bleibt also spannend im Hause Jónsdóttir.

Gulla Jónsdóttir gestaltet nicht nur Räume, sondern auch Mobiliar – darunter den eleganten »Petal Chair« aus gebeizter Esche. wexlergallery.com

(c) Khanh Renaud/Square

Die Glasdecke im prämierten »Le Grand Restaurant« in Paris zieht mit verschiedenen Formen und Farben die Blicke auf sich. jeanfrançoispiege.com

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Im neuen »Sandbourne Santa Monica« zeigt sich die Vorliebe der Isländerin für naturinspirierte, organische Formen. marriott.com

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 5/2024

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Christina Horn
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