Happy Birthday: 100 Jahre Augarten Porzellan!
Die Wiener Porzellanmanufaktur Augarten feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Aus diesem freudigen Anlass widmet das angeschlossene Wiener Porzellanmuseum der Institution eine Ausstellung mit dem verheissungsvollen Titel »Plötzlich Bob. Symbole des Aufbruchs«.
Header Bild: »Crowd«, Gruppe von Figuren der Zwanziger Jahre, entworfen von Mathilde Jaksch, ausgeführt von der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten, Wien, 1926-1930.
Eifrig rankt sich ein buntes Völkchen in leidenschaftlich-träumerischer Körperhaltung aneinander, zart und kunstfertig ist ihre Ästhetik. Dabei handelt es sich um eine Porzellanfigur aus den späten 1920-er Jahren, hergestellt von der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten. Es ist jene Wiener Institution, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen zelebriert. Die Manufaktur und das Museum feiern mit der Ausstellung »Plötzlich Bob. Symbole des Aufbruchs« und dem Digitalisierungsprojekt »Kulturerbe digital: Wiener Porzellan« ihr handwerkliches und künstlerisches Erbe. Ab 22. September - für die Laufzeit von genau einem Jahr - läuft die Schau, die vor allem dem Geist gesellschaftlicher Umbrüche des Gründungsjahres 1923 Rechnung trägt. Die Epoche der Moderne in Wien galt als eine, die allen wirtschaftlichen Widrigkeiten mit einem ungebrochen Schöpfergeist entgegentrat. Das künstlerische und kreative Schaffen in der Stadt blühte. Künstlerzusammenschlüsse wie die Wiener Werkstätte oder die Secession waren ihre wohl prominentesten Plattformen.
Die weibliche Ästhetik als treibende Kraft des Aufbruchs
Einen besonderen Stellenwert nahm die von Frauen initiierte Dynamik ein. Ihre Befreiung aus überkommenen Konventionen schien unaufhaltsam, wenn auch selbst in der Kunstwelt polemischer Widerstand laut wurde. Die Porzellanfiguren der Manufaktur Augarten, vorwiegend von Künstlerinnen der Wiener Werkstätte oder selbstständigen Keramikerinnen bzw. Bildhauerinnen geschaffen, sind nicht nur Belege des hohen gestalterischen und handwerklichen Niveaus, sie spiegeln auch die Haltung des Aufbruchs wider. Ein Beleg dafür findet man in der Darstellung der Frauen. Die oftmals gezeigte »Bobfrisur« dieser weiblichen Figurinen bricht in aller Deutlichkeit mit Dutt und überkommener Etikette.
Neuauflage mit historischen Rohstoffen
Selbiges gilt für die Kleidung der Figuren. »Pyjama« von Mathilde Jaksch zeigt eine Frau in einem Kleidungsstück, das bis dahin Männern vorbehalten war. Anlässlich der 100-Jahr Feier wird die emblematische Figur aus dem Jahr 1928 als kleine Edition neu aufgelegt. Das korallenrote Pigment der Wangen ist heute übrigens nicht mehr erhältlich. Der Porzellanmaler verwendete einen letzten Vorrat aus alten Zeiten, um die limitierte Edition originalgetreu zu staffieren.
Mehr Info:
PORZELLANMUSEUM IM AUGARTEN
Schloss Augarten, Obere Augartenstraße 1, 1020 Wien
www.augarten.com