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© Jenna Peffley

Ken Fulks privater Members’ Club

Interior Design
Designer
LIVING Interview

The ’Quin House in Boston ist kein Club. Es ist eine Bühne und Stardesigner Ken Fulk der Regisseur. Einst ein Relikt des Gilded Age, hat der charismatische Storyteller aus dem damaligen Herrentreffpunkt einen exklusiven Hotspot kreiert – bunt, voller Leben, mit Speakeasy-Magie, Frank-Sinatra-inspiriert. Wir trafen den Inszenierungskünstler zum Talk.

Von außen ist alles Maskerade. Das Gebäude an der Commonwealth Avenue im Herzen Bostons, mitten im ehrwürdigen Back Bay, reiht sich brav in die Front aus historischen Stadthäusern ein. Beaux-Arts-Fassade, dezente Grandezza, viel »altes Boston«, das begeistert und sich als Europäer:in in der Stadt willkommen fühlen lässt. Doch wer durch die Türen des ’Quin House schreitet, betritt eine andere Realität – eine vielschichtige Bühnenwelt tut sich hier auf, sorgfältig, farbenfroh und originell inszeniert von Ken Fulk, einem der charismatischsten Storyteller im zeitgenössischen Interior-Design.

Ein Haus mit neuem Ego

Der in San Francisco ansässige Designer, bekannt für seine opulenten, narrativen Räume, hatte einen Auftrag, der ebenso heikel wie verheißungsvoll war: den einst streng elitär wirkenden Algonquin Club, ein Relikt des Gilded Age, in ein zeitgemäßes Social-Club-Konzept zu transportieren, ohne die Seele des Hauses zu verraten. Wo früher Zigarrenrauch und streng geschneiderte Anzüge dominierten, entfaltet sich heute eine Welt, die gleichzeitig Art-déco-Fantasie und Contemporary Art Gallery vereint: von Warhol über Picasso und Rodin bis zu zeitgenössischen Positionen – die Sammlung ist ein Kunstgenuss. Ken Fulks Vision vom ’Quin House, gemeinsam mit den Eigen-tümer:innen Sandy und Paul Edgerley weit über reine Interiorkosmetik hinauszugehen, ist erfolgreich geglückt. Denn es ging ihm vielmehr darum, einen Mikrokosmos für eine neue urbane Elite zu schaffen: divers, neugierig, viel unterwegs – und verwöhnt, was Erfahrung und Atmosphäre angeht. Und das ’Quin ist riesig. Rund 56.000 Quadratfuß, sechs Etagen, vier Restaurants, sechs Bars, acht Gästezimmer, Dachterrasse, Spa, Fitness- und Eventflächen. Ein »top secret« Highlight gibt es ebenso. Versteckt hinter einer unscheinbaren Tür liegt »The -Hideaway« – das Frank-Sinatra-geheime Refugium. Zutritt erhält nur, wer die Sinatra-Büste richtig streichelt – oder zumindest so tut, als wüsste er, was er tut. Drinnen flüstert der Jazz, das Licht ist so gedämpft, dass selbst Frank wahrscheinlich einen Cocktail übersehen würde, und jeder Winkel schreit: »Pssst … hier wird Geschichte getrunken.« Ein Ort, an dem man sich fühlt wie ein Rat-Pack-Mitglied – nur ohne die wilden Streiche. Wir wollten noch viel mehr wissen und haben Ken Fulk, der bereits eines unserer LIVING-Cover zierte, zum Talk über sein schillerndes Bostoner »Movie-Set«-Projekt getroffen.

Lateinamerika in Back Bay
Mit »Lunasol«, dem lateinamerikanisch inspirierten Restaurant, und der -dazugehörigen Bar »Fernando’s« treibt Fulk das Storytelling mit kräftigen Farben und viel Wandmalerei weiter. 

© Jenna Peffley

Cosy Corner
Im ’Quin House gibt es neben schmucken Zimmern eine einzige Suite, die u. a. neben Terrasse und View über einen eigenen Barbereich verfügt.

© Jenna Peffley

Meister des Narrativs
Der große Restaurantbereich »Bondo« ist eine Verneigung vor der ursprünglichen Architektur des Algonquin Club – und gleichzeitig ein kühnes Statement zeitgenössischen Designs. Fulk bewahrte die historische Struktur, fügte ihr aber ein Element hinzu, das im Gedächtnis bleibt: eine gigantische Leuchte, geformt aus Baumstamm und Wurzelwerk, die wie ein schwebendes Raumschiff über dem Raum thront. thequinhouse.com

Foto beigestellt

Herzstück ist die ultimativ geschmackvoll in Szene gesetzte Bibliothek. Was das ’Quin House von vielen anderen Private Members’ Clubs unterscheidet, ist die konsequente Durchdringung von Hospitality, Kunst und Collecting.

© Jenna Peffley

Pink Bar »Scottie’s«
Das ist die loungige, Art-déco-inspirierte Champagner-Bar mit blass-rosa Wänden und den berühmten »Push for Champagne«-Knöpfen.

Courtyard-Flair
Der »Winter Garden« ist der halb überdachte Innenhofbereich, der wie ein kleiner Stadtgarten mitten im Haus wirkt.

© Jenna Peffley

LIVING: Vögelchen haben uns gezwitschert, dass Sie gegenüber dem ’Quin House lange Zeit gewohnt haben. In gewisser Weise muss sich dieses Projekt für Sie wie eine Rückkehr in Ihre frühe Jugend anfühlen …

Ken Fulk: Nach meinem College-Abschluss bin ich nach Boston gezogen und habe gegenüber dem Algonquin Club gewohnt – dem heutigen ’Quin. Natürlich hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich einmal eine Rolle in seiner Zukunft spielen würde. Ehrlich gesagt hätte ich auch nie gedacht, dass ich jemals die Gelegenheit bekommen würde, einen Blick in dieses berühmte Gebäude zu werfen. Es wurde in den 1880er-Jahren von der Firma McKim, Mead and White, die im Goldenen Zeitalter tätig war, als Herrenclubhaus erbaut. Als ich 2018 mit der Arbeit an dem Projekt begann, musste es dringend komplett renoviert und neu gestaltet werden. Es gab noch viele prächtige Elemente, aber der größte Teil des Gebäudes musste neu organisiert und umfunktioniert werden. Die Ehrfurcht, die ich Jahrzehnte zuvor empfunden hatte, als ich von der anderen Straßenseite aus auf die prächtige Fassade starrte, war jedoch geblieben.

Private Mitgliederclubs liegen derzeit voll im Trend. Liegt das an den unsicheren Zeiten, in denen wir leben, dass die Menschen nach privaten Rückzugsorten suchen? 

Ich glaube, dass wir Menschen uns alle nach Gemeinschaft sehnen. Nicht einfach nach Räumen, die mit Gleichgesinnten gefüllt sind, sondern nach Orten, an denen sich eine lebendige Mischung aus interessanten und interessierten Menschen trifft, die selbst Führungskräfte, Denker:innen und Macher:in-nen sind. Das ’Quin ist die Verkörperung dieser Idee, was zum großen Teil seinen Gründer:innen, Paul und Sandy Edgerley, zu verdanken ist.

Wie hat sich der Stil des Designs bei diesem Members’ Club ausgewirkt?

Ich habe einmal gescherzt, dass sich der Club so anfühlen sollte, als wären Rockstars in die Villa ihres Großvaters gezogen. Die Räume sind aufregend und manchmal auch pompös, aber sie sind ebenso komfortabel und einladend und strahlen eine unverwechselbare Wohnatmosphäre aus.

Wie haben Sie ein Gleichgewicht zwischen der historischen Architektur Bostons und Ihrem charakteristischen kühnen, eklektischen Stil gefunden?

Wie bei allen erfolgreichen Beziehungen oder großartigen Designs braucht man Spannung. Die »Grundstruktur« des
historischen Gebäudes war das perfekte Gegengewicht zu unseren kühnen Innenräumen. Auch die von der unvergleichlichen Kate Chertavian kuratierte Kunst sorgt für einen äußerst modernen Kontrast.

Wie gehen Sie normalerweise mit historischen Räumen um, wenn Sie moderne Designelemente einführen?

Dies ist eines der historisch bedeutendsten Gebäude in Boston, einer Stadt voller großartiger Architektur. Unser Mantra hier war: nicht vermasseln!

Können Sie einen Raum oder ein Designdetail im ’Quin House beschreiben, das für Sie eine besondere Bedeutung hat?

»The Reading Room«, also die Bibliothek, ist mein Lieblingsraum. Er war historisch gesehen am bedeutendsten, musste jedoch komplett auseinandergenommen und wieder neu aufgebaut werden. Wir mussten einen Weg finden, die handvergoldete Relieftapete neu zu gestalten, da das Original stark beschädigt war. Wir haben alle originalen Davenport-Möbel restauriert und mit luxuriösen Stoffen bezogen. Das Endergebnis ist eine neu belebte Hommage an das Original, aber mit einer neuen, pulsierenden Energie.

Die Atmosphäre rockt das Geschehen …

Die Räume, in denen wir unser Leben verbringen, sind wichtig. Sie fördern Gespräche und helfen uns, Erinnerungen zu prägen. Wir wollten einen Ort schaffen, der in gewisser Weise einladend und vertraut wirkt, aber dennoch völlig unerwartet und aufregend ist. Außerdem verfügt der Club über vier voll ausgestattete Restaurants und sechs Bars. Es gibt sicherlich nichts Vergleichbares in Boston oder irgendwo sonst im Land.

Wie konnten Sie das soziale und kulturelle Leben Bostons im Design widerspiegeln?

Ich war entschlossen, ein Erlebnis von Weltklasse zu bieten: etwas, das jede:r, die oder der dem Club beitritt, schätzen und auf das sie oder er stolz sein kann. Um das Gesicht Bostons genau widerzuspiegeln, haben wir eine Mitgliedschaft zusammengestellt, die so vielfältig und interessant ist wie die Stadt selbst.

Welche Materialien, Farben und Texturen standen im Mittelpunkt Ihres Designkonzepts?

Wir haben luxuriöse Materialien ausgewählt, die den Ursprung des Gebäudes aus den 1880er-Jahren ergänzen und erweitern. Eine komplexe Mischung aus Mustern, die sich von handgefertigten Details abheben. Außerdem haben wir mit maßgeschneiderten Wandgemälden und dekorativen Lackierungen überall einen starken handwerklichen Touch umgesetzt.

Wie sehen Sie die Zukunft exklusiver Mitgliederclubs wie The ’Quin House?

Ich denke, die Zukunft ist vielversprechend, aber auch herausfordernd und mit viel Arbeit verbunden. Um etwas wie The ’Quin zu schaffen und es wirklich in der Gemeinschaft zu verankern, braucht ein Club Menschen wie die Edgerleys, die so viel investiert haben – nicht nur finanziell, sondern auch mit ihrer Zeit, ihren Netzwerken und ihrem Engagement für Spitzenleistungen.

Was hoffen Sie, dass ein:e Besucher:in, die oder der zum ersten Mal das ’Quin House betritt, empfindet oder erlebt?

Ich möchte, dass sie oder er sich wie zu Hause fühlt – in einem sehr eleganten Zuhause!

Wenn das ’Quin House eine Geschichte erzählen könnte, wie würde diese Geschichte beginnen?

Wenn diese Wände sprechen könnten, welche Geschichten würden sie erzählen …

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 9/2025

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Angelika Rosam
Angelika Rosam
Falstaff LIVING Herausgeberin
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