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© Sebastian Krebitz, Falstaff LIVING

Antwerp Design Week 2026: Unser Rundgang durch Belgiens Designszene

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Falstaff LIVING war vor Ort und hat erlebt, wie die Antwerp Design Week 2026 belgisches Design zwischen Showrooms, historischen Häusern und persönlichen Begegnungen spürbar machte.

Rathaus Antwerpen

© Sebastian Krebitz, Falstaff LIVING

Bahnhof Antwerpen-Centraal

© Sebastian Krebitz, Falstaff LIVING

Die Antwerp Design Week 2026 hat sich in kurzer Zeit zu einem wichtigen Fixpunkt der internationalen Designszene entwickelt. Was als Initiative belgischer Marken begann, wirkte 2026 deutlich gewachsener und selbstbewusster. Das Programm verteilte sich über Antwerpen und die Region. Showrooms, Design-Distrikte und kuratierte Design Lover Walks machten die Veranstaltung sowohl für Fachpublikum als auch für Designinteressierte zugänglich. Genau darin liegt der entscheidende Unterschied zu klassischen Messeformaten. Antwerpen macht Design über Räume, Materialien und persönliche Begegnungen spürbar.

Eine der eindrucksvollsten Stationen führte zu Ethnicraft nach Boom bei Antwerpen. Die belgische Marke steht seit den 1990er-Jahren für Möbel aus Massivholz, natürliche Materialien und eine ruhige, internationale Formensprache. Schon die Anfahrt aus Antwerpen heraus zeigte, dass die Design Week nicht an der Stadtgrenze endet, sondern auch in der Region wichtige Stationen setzt. Bei Ethnicraft wartete kein klassischer Markenauftritt, sondern ein Showroom, der wie eine begehbare Erzählung aufgebaut war.

Mit »The COH House« zeigte Ethnicraft eine eigene Ausstellung, die den Showroom zur kuratierten Wohnwelt erweitert. Sieben thematisch unterschiedliche Wohnstimmungen konnten dort erlebt werden, darunter »The Belgian Mansion«, »The Lake House«, »The Urban Sanctuary«, »The Finca«, »The Oak Loft«, »The Collector’s Apartment« und »The Shoji«.

Jeder Raum folgte einer eigenen Idee von Persönlichkeit und verband Massivholz, textile Oberflächen, Accessoires, Licht, Pflanzen und architektonische Details zu einem charaktervollen Gesamtbild. Ethnicraft zeigte damit, wie weit eine Marke gehen kann, wenn sie ihr Materialverständnis nicht nur über Möbel, sondern über eindrucksvolle Wohnlandschaften vermittelt.

Auch »Morpho by Tomorrowland« setzte im Showroom einen markanten Akzent. Die Kollektion bringt die visuelle Welt des belgischen Festivals in Möbel und Objekte für Innen- und Außenbereiche. Organische Formen, handwerkliche Details und von Naturmotiven inspirierte Linien zeigten eine andere Seite von Ethnicraft. Poetischer, erzählerischer und dennoch fest verankert in Materialwissen und präziser Verarbeitung.

Interessant war daran auch, dass mit Tomorrowland eine Festival-Brand in ein Feld tritt, das lange klassischen Interior- und Designmarken vorbehalten war. Die Zusammenarbeit macht deutlich, wie stark Marken mit eigener Bildwelt das Thema Wohnen entdecken. Aus Bühnenästhetik, Naturmotiven und immersivem Storytelling wird eine Interior-Sprache, die nicht nur für Events gedacht ist, sondern auch für den eigenen privaten Rückzugsort.

Atelier Vierkant

Monumentaler Pflanzbehälter von Atelier Vierkant

© Sebastian Krebitz, Falstaff LIVING

»Odys Bench« von Atelier Vierkant

© Dries Janssens, Atelier Vierkant

Zusätzlich fielen die großformatigen keramischen Pflanzgefäße und Sitzobjekte von Atelier Vierkant auf. Als zusätzlicher Aussteller brachte die belgische Manufaktur eine skulpturale Materialebene in die Präsentation. Die Gefäße wirkten nicht wie bloße Pflanzbehälter, sondern wie architektonische Objekte aus Ton. Vor allem die »Odys Bench« zeigte, wie Atelier Vierkant das Material über reine Gefäßformen hinausdenkt. Ton wurde hier nicht nur zur Hülle für Pflanzen, sondern zu einem tragenden beziehungsweise sitzenden Element im Raum.

Gemeinsam mit Holz, Pflanzen und den sieben Wohnwelten von »The COH House« entstand ein sorgfältig kuratierter Kosmos aus Materialexpertise, Handwerk, Design und Atmosphäre.

Zurück in Antwerpen führte eine weitere Station ins Luxushotel Botanic Sanctuary Antwerp. Schon beim Ankommen veränderte sich das Tempo. Historische Architektur, Innenhöfe, Hotellerie und ein fast kontemplativer Charakter bildeten einen Rahmen, der zu Evolution21 auf besondere Weise passte.

Die belgische High-End-Marke für Textilien, Leder, Möbel und Interior-Objekte ist geprägt von der kreativen Handschrift von Karine Bonjean. Für die Antwerp Design Week wurde diese Welt in einem Umfeld gezeigt, das historischen Charakter mit zeitgenössischer Luxury-Hospitality verbindet. Das Botanic Sanctuary Antwerp wurde damit zur Bühne für eine Marke, die stark über Haptik, Farbe und Übergänge zwischen Disziplinen erzählt.

Evolution21 im Hotel Botanic Sanctuary Antwerp

© Sebastian Krebitz, Falstaff LIVING

Evolution21 im Hotel Botanic Sanctuary Antwerp

© Sebastian Krebitz, Falstaff LIVING

Auch die Motive erzählten persönliche Geschichten. Baumzeichnungen auf Möbeln und Pölstern griffen Formen aus dem Botanischen Garten auf, der direkt an das Hotel anschließt, und stellten eine direkte Verbindung zum Standort her.

In einem Gespräch erzählte uns Karine Bonjean, dass sie selbst im Zeichen des Feuer-Pferdes geboren wurde. Dieses Motiv tauchte in der Präsentation immer wieder auf und gab der Inszenierung eine persönliche Ebene. Gerade diese Details machten die Räume für uns charaktervoll. Textilien wurden hier nicht als bloße weiche Ergänzung verstanden, sondern als gestalterisches Mittel, das Möbel, Licht und Architektur miteinander in Beziehung setzt. Dadurch entstand eine Umgebung, die intim und persönlich wirkte, zugleich aber klar kuratiert blieb.

Dinner mit Glasware und Objekte von Henry Dean x JU

© Sebastian Krebitz, Falstaff LIVING

Dinner mit Glasware und Objekte von Henry Dean x JU

© Sebastian Krebitz, Falstaff LIVING

Dinner mit Glasware und Objekte von Henry Dean x JU

© Sebastian Krebitz, Falstaff LIVING

Am Abend wurde aus der Präsentation ein exklusives Dinner in den Räumen des Botanic Sanctuary Antwerp. Evolution21 traf hier auf Tischkultur, Gastlichkeit und die Glaswelt von Henry Dean x JU. Besonders die dekorativen Glasobjekte setzten eine eigene Stimmung. Henry Dean entwirft seine Objekte inhouse und fertigt sie in kleinen Serien von Hand. Vasen, Schalen und Windlichter wurden Teil der Tischlandschaft und brachten Licht und Farbe in den Abend.

Royal Botania und Outdoor Living mit architektonischem Anspruch

»The Glasshouse« von Royal Botania in Wommelgem

© Sebastian Krebitz, Falstaff LIVING

In Wommelgem wurde besonders deutlich, wie architektonisch Royal Botania Outdoor Living versteht. Der Showroom »The Glasshouse« ist kein klassischer Schauraum, sondern ein Haus aus Licht, Glas und Gartenbezug. Inspiriert von der Architektur klassischer Gewächshäuser verbindet das Gebäude transparente Fassaden, großzügige Präsentationsflächen und eine besondere Nähe zum Außenraum. Der Dachgarten erweitert das Erlebnis nach oben und macht sichtbar, wie konsequent Royal Botania Outdoor Living als Gesamtkonzept denkt.

Durch das Glashaus führte uns Pieter Van Puyvelde persönlich. Der Besuch wurde dadurch mehr als eine Präsentation einzelner Kollektionen. Zwischen Showroom, Dachgarten und Produktinszenierungen entstand ein direkter Eindruck davon, wie eng bei Royal Botania Design, Technik, Materialqualität und Familiengeschichte miteinander verwoben sind.

Pieter Van Puyvelde demonstriert den »Anamon Parasol« Sonnenschirm.

© Sebastian Krebitz, Falstaff LIVING

Pieter Van Puyvelde demonstriert den »Anamon Parasol« Sonnenschirm.

© Sebastian Krebitz, Falstaff LIVING

Während des Rundgangs wurde schnell klar, dass Außenmöbel hier nicht als Ergänzung zum Wohnraum verstanden werden. Es geht um eine eigene Wohnwelt im Freien, um Materialien, Proportionen und technische Details, die auf privaten Terrassen ebenso bestehen wie in Hotels, auf Yachten oder in großen Gartenanlagen.

Auch die Geschichte hinter der Marke blieb in Erinnerung. Royal Botania ist ein familiengeprägtes Unternehmen, bei dem Entwurf, Materialauswahl und Vertrieb eng zusammenarbeiten. Im Gespräch wurde spürbar, wie persönlich die Rollen verteilt sind. Der Vater, ursprünglich Ingenieur, prägt viele Entwürfe selbst. Die Mutter wählt Materialien und Stoffe mit aus, Sohn Pieter Van Puyvelde kümmert sich um den Vertrieb. Dieser familiäre Zugang erklärt viel von der Sorgfalt, mit der die Produkte entwickelt werden.

Sichtbar wurde dieser Anspruch auch beim »Anamon Parasol«. Der von Kris Van Puyvelde entworfene Sonnenschirm wurde mit Designpreisen ausgezeichnet und ging nach seiner Präsentation online viral. Wie Pieter Van Puyvelde uns erzählte, zählt der Entwurf zu seinen persönlichen Lieblingsstücken. Sein Top-down-Öffnungsmechanismus lässt den Schirm von oben nach unten aufgehen, wodurch Tische, Stühle oder Loungemöbel nicht verschoben werden müssen. Ein integrierter LED-Lichtring verwandelt ihn am Abend in ein stimmungsvolles Lichtobjekt. Der Entwurf zeigt, wie Royal Botania technische Intelligenz, Komfort und richtungsweisendes Design verbindet.

Lampen und Leuchten für Innen- und Außenbereiche von Royal Botania

© Sebastian Krebitz, Falstaff LIVING
Royal Botania at Antwerp Design Week 2026

»Tuskany« Tagesbett aus der Hit-Serie »White Lotus« (Staffel 2)

© Sebastian Krebitz, Falstaff LIVING

Licht spielt bei der Marke generell eine wichtige Rolle. Leuchten, Sonnenschirme mit integrierter Lichttechnik und fein gesetzte Outdoor-Szenarien erweitern den Außenraum nicht nur funktional, sondern verändern seine Stimmung. Komfort, Technik und Gestaltung werden hier eng zusammengedacht.

Manche Möbel erkennt man sofort, noch bevor man den Namen kennt. Das Outdoor-Bett aus der Hit- Serie »White Lotus« (Staffel 2). Das Tuskany Tagesbett verlagert den Rückzug ins Freie und schafft einen Ort zwischen Lounge, Sonnenplatz und luxuriösem Freiluftzimmer. Darin zeigt sich, wie weit Royal Botania den Außenraum denkt: vom Sitzen zum Liegen, vom Essen zum Verweilen und vom einzelnen Möbel zur bewohnbaren Outdoor-Szene.

Die Möbel sind nicht auf eine Saison ausgelegt, sondern auf Dauer. Royal Botania arbeitet mit qualitativ hochwertigen Materialien, präziser Verarbeitung und einer klaren Idee von Reparierbarkeit. Viele Produkte sind so gedacht, dass sie gepflegt, überarbeitet und bei Bedarf instand gesetzt werden können. Zusammen mit den vielfachen Auszeichnungen der Marke wird deutlich, wofür Royal Botania steht: für Outdoor Design, das über Materialqualität, Komfort, Langlebigkeit und technische Details überzeugt.

Dann standen da plötzlich Schafe im Innenhof. Und genau das machte die Station von Wool & Wire so einprägsam. Im »Living Showroom« am Paardenmarkt trafen handgefertigte Teppiche, textile Wandobjekte und natürliche Fasern auf Workspace-Ikonen von MillerKnoll. Gemeinsam mit Benofice entstand kein klassischer Office-Showroom, sondern eine wohnliche Materialwelt zwischen Arbeit, Interior und Handwerk. Die Schafe im Hof waren letztlich mehr als ein charmanter Moment. Sie machten klar, wo alles beginnt: beim Material und seiner Herkunft.

»The Hall« im Expo Club gehörte zu jenen Präsentationen, die den Rahmen von Interior Design bewusst erweiterten. Kuratiert von AIM Architecture und Yoko Choy brachte die Ausstellung Möbel, Mode, Schmuck, Textilien, Collectible Design, Skulptur und experimentelle Arbeiten zusammen. Schon der Eintritt veränderte die Wahrnehmung. Man ging durch schwere Stoffvorhänge, die den Raum akustisch und atmosphärisch vom Außen trennten. Sphärische Musik, gedämpfte Materialien und die Nähe der Disziplinen erzeugten das Gefühl, eine eigene Welt zu betreten. Ein Objekt stand hier nicht nur für seine Funktion, sondern auch für Herkunft, Körper, Kultur und Material.

»Best of Belgium« setzte im Felixpakhuis ein starkes Zeichen für die Vielfalt belgischer Gestaltung. Der Ausstellungsort passte dafür besonders gut. Das ehemalige Lagerhaus liegt im Hafenviertel Het Eilandje und gehört zu jenen Antwerpener Industriebauten, die heute neue kulturelle und öffentliche Nutzungen tragen. Der lange, überdachte Innenraum, die Backsteinarchitektur und die Nähe zum alten Hafen gaben der Präsentation einen klaren, fast rauen Rahmen. Die von Belgofurn initiierte Ausstellung zeigte Möbel- und Objektdesign mit Fokus auf Handwerk, Innovation und Kreativität.

Bei »The Vault by FRANQ« wurde ein ehemaliger Tresor im Hotel FRANQ zur Bühne für Tischkultur, Keramik und Glas. Fine Dining & Living zeigte dort Arbeiten von Atelier Europe und EcoMade by Fine2Dine. Oberflächen, Glasuren, Formen und Tischobjekte wurden zu einer kompakten Welt zwischen Dining, Interior und Handwerk.

Neben dem Tresorraum führte das Hotel FRANQ zu einem kleinen historischen Exkurs: Im malerischen Innenhof befindet sich mit »Den Doorenboom« eines der ältesten erhaltenen Häuser Antwerpens. Seine rund 400 Jahre alten keramischen Wandfliesen öffneten einen Dialog zwischen Handwerk von gestern und Tischkultur von heute

Antwerpen fühlte sich anders an: persönlicher, näher und zugänglicher. Am Ende sind es nicht nur die Marken, die man mitnimmt, sondern die Räume, die Wege, die Gespräche und die kleinen Überraschungen. Eindrucksvolle Wohnlandschaften, ein Glashaus, ein Innenhof mit Schafen. Die Antwerp Design Week 2026 zeigte, wie nahbar Design werden kann, wenn es nicht in einer Messehalle stattfindet, sondern mitten in der Stadt und ihrer Umgebung. Aus unserem Besuch wurde eine belgische Designreise, die Lust auf mehr macht.

Sebastian Krebitz
Sebastian Krebitz
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