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© Kramer und Kramer/Katsey

Wirkraum: Die neu gestaltete »Kramer Werkhalle« in Zöfing

Architektur
Design
Interior Design
Interview

Mit der neu gestalteten »Kramer Werkhalle« in Zöfing entstand zuletzt ein Ort, der Gartenkultur mit Architektur, Design und Kunst vereint. Im LIVING-Interview erzählt Geschäftsführer Bernhard Kramer, welche Idee hinter dem Projekt steht – und wie es zur Kollaboration mit der »Nitsch Foundation« kam.

Dass sich Kramer und Kramer nicht in eine Kategorie fassen lässt, ist längst klar: Das vor rund 80 Jahren gegründete Unternehmen vereint Baumschule, Landschaftsarchitektur und Schauräume – und hat sich in den letzten Jahren als Adresse hervorgetan, die Gartenkultur stets im Kontext von Architektur, Design und Handwerk denkt. Dabei entwickelt sich Kramer und Kramer beständig weiter. Demnächst etwa präsentiert man – wie jedes Jahr im Anschluss an den Salone del Mobile – Neues von Paola Lenti: »The Chromatic Alphabet« zeigt ein System aus 44 Farbfamilien, Materialien und Oberflächen, das die Gestaltungsmöglichkeiten ungemein erweitert.

Von Herkunft und Zukunft

Kramer und Kramer entwickelt sich beständig weiter – zuletzt mit der Neugestaltung der Werkhalle, die Bernhard Kramers Großvater errichtete.

© Stefan Gergely,

Neues Jahr, neue Pläne

Ein großes Highlight ist zudem die neu kreierte »Kramer Werkhalle« am grünen Auberg in Zöfing. Die ehemalige Produktionsstätte für Pflanzen fungiert nun als ganzheitlicher Schauraum für Natur, Architektur und zeitgenössische Kunst. Im Gespräch mit Falstaff LIVING verrät Bernhard Kramer, was die Neugestaltung der alten Werkhalle und den Schritt in die Kunstwelt inspirierte.

Tor zur Natur

Von der »Kramer Werkhalle« führt der Weg direkt in den »Garden of uniqueTrees®«, wo besondere Bäume zu lebenden Kunstwerken werden.

© Kramer und Kramer/Katsey

LIVING: Am 16. April wurde eure Werkhalle am Standort in Zöfing eröffnet. Was gab den Anstoß für diese Umgestaltung?

Bernhard Kramer: Die »Kramer Werkhalle« ist für mich ein sehr emotionales Projekt, weil mein Großvater diese vor rund 70 Jahren erbaut hat. In den letzten Jahren diente sie als Produktionshalle, war aber ein bisschen aus der Zeit gefallen und hatte in dieser Form ihren Nutzen zum Großteil verloren. Für mich war es daher persönlich sehr wichtig, aus der alten Werkhalle etwas Neues entstehen zu lassen – auch, weil sie eine unglaubliche Grundarchitektur hat. Die Vorbilder dieser Stahlfachwerkkonstruktion waren für uns etwa Mies van der Rohe und Richard Neutra. So haben wir den Bau entkernt, neu aufgesetzt und daraus eine neue Werkhalle kreiert.

Die Werkhalle wirkt heute sehr reduziert und zugleich authentisch. Wie sah euer gestalterischer Zugang aus?

Die Herausforderung war es, alles nicht unbedingt Notwendige wegzulassen. Wir haben nur Oberflächen verwendet, die es auch damals schon gab. Die Fenster etwa wurden aus Rohstahl zusammengeschweißt, die Wände mit Klinker verkleidet und teilweise mit Lehm verputzt. Das hätte man in der Zeit genauso machen können – und das spürt man und sieht man auch.

Dialog in Rot

In der neuen Werkhalle ist derzeit die großformatige Malaktion »WALKÜRE« von Hermann Nitsch zu sehen. Das Mobiliar von Paola Lenti wurde farblich auf das intensive Rot der Kunstwerke abgestimmt.

© Kramer und Kramer/Katsey

Die Halle wirkt weniger wie ein Showroom und mehr wie ein offener Raum zwischen Wohnen, Arbeit und Ausstellung. War das bewusst so gedacht?

Sowohl die Halle als auch ihr Inhalt sind sehr emotionsgetrieben – und eigentlich wenig kaufmännisch gedacht. Die Werkhalle ist nicht so aufbereitet, wie man es normalerweise machen würde. Das heißt, wenn man eintritt, hat man nicht den Eindruck, an einem Verkaufsort zu sein. Alles hat einen laborartigen Werkstattcharakter: Man spürt, dass man an einem Ort ist, wo gearbeitet wurde – und noch immer gearbeitet wird. Natürlich nicht mehr in demselben Ausmaß wie früher, aber das rohe Handwerk ist nach wie vor spürbar. Wenn man vor die Tür geht, ist man mitten in der Produktion und nicht in einem Showroom.

Neben Mobiliar von Paola Lenti und ausgewählten Zimmerpflanzen wird die »Kramer Werkhalle« auch zum Ausstellungsort für Kunst. Wie kam es dazu?

Kunst war immer ein großes Thema für mich und meine Frau, sowohl privat als auch in unserer Arbeit. Wir sind aber keine Galeristen – und wir wollen auch keine sein. Wir verkaufen keine Kunst; wir bieten ihr lediglich den Raum, den gerade großflächige Werke benötigen. Die Idee ist, jedes Jahr ein Projekt mit einem großen Künstler umzusetzen. Als erste Ausstellung zeigen wir die letzte große Malaktion des österreichischen Ausnahmekünstlers Hermann Nitsch. Die »WALKÜRE« entstand als begleitende Aktion zu Richard Wagners Oper während der Bayreuther Festspiele 2021. Seit April 2026 sind diese großformatigen Boden- und Wandschüttbilder bei uns zu sehen. Was ich spannend finde: Unter Nitschs Anleitung wurden für diese Werkgruppe fast 1.000 Liter Farbe in satten Rot-, Orange-, Gelb-, Blau- und Grüntönen vergossen. Um den Dialog zwischen zeitgenössischer Kunst und Gartenkultur zu fördern, haben wir außerdem einen eigenen Verein gegründet. Damit wollen wir die Verbindung dieser beiden Disziplinen auch im ländlichen Raum stärken.

»Kunst war immer ein großes Thema für mich und meine Frau, sowohl privat als auch in unserer Arbeit.«

Bernhard Kramer, Geschäftsführer Kramer und Kramer

Raum für Großes

In der »Kramer Werkhalle« treffen rohe Architektur und großformatige Arbeiten von Hermann Nitsch aufeinander.

kramer-werkhalle.at

© Kramer und Kramer/Katsey

Apropos: Auch den »Garden of uniqueTrees®« habt ihr mit Kunst versehen …

In unserem Baumpark ist Kunst begrenzt auf die skulpturale Ebene. Der Übergang in den Garten war für uns fast der springende Punkt der neuen Werkhalle: Sie fungiert sozusagen als Eingangstor in den »Garden of uniqueTrees®«. Wer dort spazieren geht, ist meist über die Maßen beeindruckt davon, was Bäume können.

Warum war der Schritt in die Kunstwelt für euch wichtig – und folgerichtig?

Für unsere Entwicklung bei Kramer und Kramer ist das sehr interessant, weil Kunst genauso ein Teil unserer Welt ist wie Architektur oder Design. Wir versuchen, uns kontinuierlich weiterzuentwickeln und bewegen uns in neue Felder, die wir spannend finden. Das macht es auch für unsere Kund:innen spannend, besonders am Auberg in Zöfing. Uns ist wichtig, dass sie dort einen ganzheitlichen Ausflugsort vorfinden, an dem Gartenkultur, Architektur, Design, Kunst und sogar Kulinarik ineinandergreifen.


Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 4/2026

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Christina Horn
Autor
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