Kunst im Garten: Wenn Landschaft und Skulpturen verschmelzen
Wenn Skulpturen Wind und Wetter standhalten und die Natur selbst zur Bühne wird, entsteht ein spannungsreicher Dialog. LIVING spricht mit drei Expert:innen aus bildender Kunst und Gartenarchitektur über ihre Erfahrungen im Zusammenspiel von Werk und Landschaft.
Immer mehr Sammler:innen entdecken den Garten als Gesamtkunstwerk. Licht, Wetter und Vegetation verändern künstlerische Arbeiten und schaffen einen lebendigen Resonanzraum. Diese Qualität zwischen blühenden Stauden und knorrigen Gehölzen schätzen auch Katrin Liesenfeld-Jordan und Dirk Liesenfeld, als sie den ehemaligen »Rohrerhof« in den Kärntner Nockbergen erwarben. Statt eines abgeschlossenen Depots gründeten sie ein offenes Kunsthotel, das sich heute zur art-lodge, einem Kunsthaus samt Kunstalm, weiterentwickelt hat. »Als Großstädter unterschätzten wir zunächst allerdings die Dynamik der Natur«, berichten sie. Die Idee eines Skulpturenparks entstand, der im klassischen Sinn eigentlich keiner sein will. Installationen fügen sich in Weiden ein, Tiere ziehen vorbei, Wandernde entdecken Kunst im Vorübergehen. Kulturlandschaft erhält eine doppelte Bedeutung.
Freie Installationen
Das Paar Liesenfeld/Jordan sammelt vor allem junge österreichische und deutsche Positionen.
Über 20 Werke sind im »Skulpturenpark« zu entdecken, darunter auch Y–Xit Strategy (2013/2017) von Christoph Schirmer.
artlodge.at
christophschirmer.com
Und wie kommt die Installation auf die Alm? Eingeladene Künstler:innen leben zeitweise vor Ort und lassen sich von vorhandenen Materialien, der Topografie und Atmosphäre inspirieren. »Marktstrategien spielen kaum eine Rolle. Die Sammlung folgt auch keiner festen Galeriebindung, Entscheidungen entstehen aus Begeisterung«, so die Sammler. Die art-lodge versteht sich als Plattform zwischen Almgras und Ausstellungswand – offen, zugänglich und im stetigen Austausch mit der Flora.
Grünes Design
Diese Symbiose versteht kaum jemand besser als ein Landschaftsdesigner. »Harmonie entsteht, wenn Formen und Oberflächen miteinander korrespondieren. Spannung wiederum entsteht durch Kontraste, etwa durch eine reduzierte Skulptur vor üppiger Vegetation oder ein expressives Objekt in klarer Umgebung. Entscheidend ist, dass Kunst als integraler Bestandteil des Gesamtkonzepts wahrnehmbar wird«, erklärt Peter Baumgarten, Projektleiter bei Die Begründer. Firmengründer Jörg Zecha bestätigt: »Individuelle Gartengestaltung ist bereits eine Kunst für sich. Mit ausgewählten Werken schaffen wir Gärten, die nicht nur ästhetisch überzeugen, sondern auch die Persönlichkeit ihrer Besitzer:innen widerspiegeln.«
Naturschauspiel Nockberge
Neben Almwiesen begegnet man auch der Arbeit Chrome_Glider (2022) von Christian Murzek aus Edelstahl.
artlodge.at
murzek.com
Die Herangehensweisen sind dabei unterschiedlich. Manche Projekte entstehen in direkter Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstler:innen wie etwa Andreas Reimann. In anderen Fällen werden bestehende Arbeiten behutsam in eine neue Gartenarchitektur integriert. Die Herausforderungen liegen vor allem in Dimension, Materialbeständigkeit und im respektvollen Umgang mit dem Ort. »Kunst im Außenraum muss über viele Jahre bestehen, nicht nur ästhetisch, sondern auch technisch«, weiß Baumgarten. Aus Sicht der Gartenplanung können dabei selbst Solitärpflanzen, häufig Gehölze mit charakteristischer Wuchsform, als »wachsende Kunst« inszeniert werden.
16.000 qm Kunstalm
In der art-lodge wird Kunst regelmäßig neu kuratiert. Seit Sommer 2025 steht dort eine Skulptur des Berliner Künstlers Wolfgang Flad.
artlodge.at
wolfgangflad.de
Natur und Wahrnehmung
Mit einer Höhe von knapp drei Metern erhebt sich die Aluminiumskulptur blue lumes cg (2025) von Karl Karner aus dem Grün des Skulpturenparks Schwante.
kandlhofer.com
schlossgut-schwante.de
Skulpturen x Parks
Doch bleiben wir bei der bildenden Kunst. Lisa Kandlhofer, Galeristin der gleichnamigen Galerie, bezeichnet die Planung eines Skulpturenparks als eine der schönsten Aufgaben ihres Berufs. Warum? »Äußere Einflüsse wirken auf die Werke ein und verändern sie auf subtile Weise. In Galerieräumen ist die Betrachtung dafür meist kontrollierter und fokussierter.« Das bestätigen sowohl das Sammlerpaar Liesenfeld/Jordan als auch die Expertise der Landschaftsplaner. Doch wie beginnen, wenn bislang kaum Erfahrung mit Kunst im Garten besteht? »Viele Sammler:innen starten mit kleineren Arbeiten oder einem einzelnen Werk und entwickeln nach und nach ein Gespür für Mehr.« Meist entsteht daraus im gemeinsamen Austausch ein individuelles Konzept, das auf persönlichen Vorstellungen und räumlichen Gegebenheiten basiert. Gerade dieser Prozess mache solche Projekte besonders spannend.
Projekt Skulpturenpark, Klosterneuburg, 2019
Polierter Edelstahl und aufgeblasenes Aluminium im Dialog zwischen Amy Stephens, Changing of the Guards, 2018, und Hans Kupelwieser, Gonflables, 2019.
kandlhofer.com
Wie ein Grünraum als kuratierter Ort funktionieren kann, zeigen zahlreiche Beispiele, vom großen Skulpturenpark über Künstlergärten bis zu privat zugänglichen Anlagen wie jener der art-lodge. Gemein ist ihnen der bewusste Austausch von Kunst, Architektur und Pflanzen im freien Dialog.