Zum Inhalt springen
© ALISTERTHORPE.CO.UK/Praskac Pflanzenland GmbH

Outdoor Living neu gedacht: Der Garten als stilvoller Rückzugsort

GARTEN-SPEZIAL
Garten
Frühling
Design

Vom Yogadeck bis zur Feuerstelle: Private Gärten werden heute als fein abgestimmte Rückzugsräume in der Landschaft komponiert. Wie Zonierung, Pflanzenwahl und Materialität intime Orte schaffen und warum echte Freiraumqualität bestmögliche Planung braucht.

Früher reichten ein Grill, zwei Liegestühle und der ehrliche Vorsatz, öfter draußen zu sein. Heute wird der Garten geplant wie ein Boutiquehotel. Mit Yogadeck, Erfrischungsoase, Fitnessbereich, Feuerstelle und einem Platz, der nur dafür da ist, nichts zu tun. Schöner Rasen beeindruckt niemanden mehr, und ein cooler Pool allein sorgt nicht fürs Seelenglück. Wer draußen lebt, will intime Räume – und zwar solche, die eine echte Auszeit erlauben.

Genau hier beginnt Landschaftsarchitektur im privaten Maßstab. Nicht als dekoratives Pflanzenarrangement, sondern als Disziplin der Raumbildung. »Plätze und Räume zu schaffen, ist ein Kernwert guter Gartengestaltung«, sagen Gartenarchitekt Philipp Schimek vom Pflanzenland Praskac sowie Inhaber Johannes Praskac. »Um zu verstehen, wie man schöne Refugien und besondere Plätze im Garten schafft, muss man zuerst Raum an sich verstehen.« Boden, Wände, Dach – was im Haus selbstverständlich ist, gilt im Grünen genauso. »Wände können durch Sträucher, Beete, Hecken, Zäune und Mauern gebildet werden.« Selbst Halbhohes habe Wirkung. »Das Dach können uns Bäume, Pergolen oder Stoffe schaffen.« Erst wenn diese Elemente zusammenspielen, entsteht ein Ort mit räumlicher Qualität und nicht bloß eine zonierte, möblierte Fläche.

»Drei mal drei Meter ist das Mindestmaß für einen Rückzugsort fast jeder Art.«
Johannes Praskac, Praskac Pflanzenland

© India Hobson/Praskac

Wie persönlich so ein Ort wird, entscheidet weniger die Quadratmeterzahl als die Präzision der Planung. »Es ist spannend, Menschen und ihre Gärten kennenzulernen, ihre Geschichten, ihre Art zu leben«, sagt Gartengestalter Peter Baumgarten von Die Begründer. »Denn für mich ist deren Garten nicht irgendein Grünraum, er ist das Spiegelbild ihrer Identität.« Ein Rückzugsplatz müsse daher »Geborgenheit bieten, von der Proportion her zum Rest passen und die Orientierung im Garten fördern«. Bei einer Feuerstelle ist die Abendsonne mitzubedenken, beim Yogaplatz die Morgensonne. Baumgarten: »Das grüne Refugium sollte sowohl die individuellen Bedürfnisse abdecken als auch so konzipiert sein, dass es stimmig ist«.

Sinnliche Wasserstelle
Wie ein Spiegel der Stille erschafft die riesige Wasserschale einen kontemplativen Rückzugsort im Garten.
praskac.at

© India Hobson/Praskac

Kraftplatz im Grünen
Dieser modulare Outdoor-Gym-Würfel verbindet Training und Design zu einem stilvollen Platz für Bewegung.
ethimo.com

© MW-Architekturfotografie

Choreografie der Bedürfnisse

Ein gelungenes Beispiel für diese Choreografie aus Funktion und Atmosphäre ist ein Relaxraum mit Erfrischungsbecken, eingefasst von Naturstein und umgesetzt von Stone4you. »Gewünscht war hier ein privates Refugium mit einem kleinen, feinen Wellnessbereich zum Entspannen«, erzählt Inhaber Georg Leeb. Wasserbecken, Wasserfall, integrierte Sitzbank – alles verkleidet mit Kanfanar-Kalkstein aus Istrien. »Natursteine wie Kanfanar, Travertin oder Sandstein verstärken ein mediterranes Flair, speichern tagsüber Sonnenwärme und geben sie nachts langsam wieder ab – ideal für wärmeliebende Pflanzen und ein angenehmes Mikroklima.« Steinmauern seien zudem »pflegeleichter und langlebiger als beispielsweise Hecken, Trittplatten im Gras verschmelzen mit der Natur und grenzen Grasflächen, Beete und einzelne Gartenbereiche wunderbar voneinander ab«. Material wird hier zum ordnenden Element, nicht zur Dekoration.

Erholungsoase mit Frischekick
Edler Kanfanar-Naturstein rahmt das Erfrischungsbecken mit mediterraner Noblesse. Im Kubus
dahinter lädt eine diskrete Lounge zum Rückzug ein.
stone4you.at

© Oraskac Pflanzenland GmbH

Während ein Relax-Kubus im Garten Klarheit und Abgrenzung ausstrahlt, lebt ein Yogaplatz vom Dialog mit der Vegetation. Bewegung im Freien macht schließlich wach, aktiv und gesund. Ein geschützter Ort mit ausreichend Fläche – idealerweise mit einem Holzdeck von rund drei mal drei Metern – bildet die Basis. Duftende Pflanzen wie Lavendel, Thymian oder Minze wirken hier beruhigend, Rosen oder Schmetterlingsflieder setzen weiche Akzente. Selbst das leise Plätschern eines Gartenbrunnens – beim Yogaplatz etwa mit einer Lotosblume – kann die Atmosphäre stimmungsvoll verändern. Es geht dabei nicht um Esoterik, sondern um Sensorik und Naturnähe. Die Feuerstelle wiederum ist das archaische Gegenstück zur meditativen Zone. Hier darf der Raum runder, kompakter sein, eingefasst von dichten Hecken oder halbhohen Mauern.
Peter Baumgarten empfiehlt »markante, große Findlinge« oder »Schotter als kraftvolle Elemente«. »Entscheidend ist, dass der Platz ein Wohlfühlort bleibt, also nicht überdesignt, sondern ästhetisch und reduktionistisch ist.«

Reflexion der Entspannung
Innen Wärme, außen Landschaft: Der Spiegelwürfel »Amadé« verschmilzt mit dem Grün – ein privater Spa-Moment mit skulpturaler Präsenz.
beta-wellness.com

© Beta Wellness

Komponierter Masterplan

Genau daran scheitern viele Projekte. »Viele entscheiden sich zu schnell für Einzelelemente, weil nicht im Ganzen gedacht wird«, warnen die Experten. Landschaftsarchitektur beginne immer mit dem Masterplan, nicht mit dem Möbelkauf.

Neben der eigentlichen Komposition ist freilich auch die Lage maßgeblich. »Alles, was Sie regelmäßig nutzen wollen, müssen Sie nahe am Haus halten«, sagt Johannes Praskac. Die Daumenregel: »Mit jedem Meter von der Hauskante halbiert sich die Nutzung«. Bevor neue Terrassen geplant werden, solle man bestehende optimieren – »oft reicht ein Solitärbaum als natürlicher Sonnenschutz. Eine Terrasse, auf der es zu heiß ist, wird nicht verwendet«.

Glühender Treffpunkt
In Naturstein gefasst wird die Feuerstelle zum archaischen Mittelpunkt des Gartens. Ein Ort für Gespräche, Wärme und lange Abende unter freiem Himmel.

© beigestellt

Neben fixen Installationen gewinnen flexible Rückzugsorte an Bedeutung: eine Hängematte zwischen zwei Bäumen, ein textiles Zelt als temporärer Leseraum oder ein diskret integrierter Fitnessplatz – gibt es bereits als Fertigelement, etwa von FORMS oder Ethimo. Halbhohe Hainbuchen- oder Eibenhecken strukturieren dabei ohne abzuschotten. »Weniger ist mehr«, weiß Praskac: »Besser einen oder zwei größere, gut funktionieren­de Rückzugsplätze als viele kleinere«.

Am Ende entsteht kein Freizeitpark, sondern eine Abfolge präzise gesetzter Räume. Wasser kühlt, Stein speichert, Pflanzen rahmen, Bäume beschatten. So wird der Garten zu einem perfekt komponierten Masterplan aus Grün, Material, Licht und Wohlbefinden.

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 2/2026

Zum Magazin

Susanna Pikhart
Autor
Mehr zum Thema
1 / 5