Martina Parker im Interview: Vom Gartenkrimi zur Kräuterexpertin
Martina Parker ist bekannt für ihre Krimis, die nicht nur spannend sind, sondern auch viel nützliches Wissen über Natur vermitteln. Die Gartenexpertin und Kochbuchautorin lebt mit ihrem Mann im südlichen Burgenland. Uns erzählt sie, wie sie zum Garteln gekommen ist, welche Trends es gerade gibt – und wie man am besten Kräuter anlegt.
In ihren Gartenkrimis gibt es keinen einsamen Inspektor, der tödliche Fälle ermittelt. Meist steht eine Gruppe an Frauen im Zentrum, die sich gegenseitig unterstützt und lokal verankert ist. Martina Parker war aber auch wichtig, Fachwissen übers Garteln in ihre Bücher zu packen – schließlich ist sie selbst eine leidenschaftliche Gärtnerin. Im südlichen Burgenland bewohnt sie mit ihrem Mann, der Engländer ist, einen typischen Streckhof – mit vielen Tieren und einem Garten, der ruhig ein wenig wild sein darf.
LIVING Wie hat sich Ihre Gartenleidenschaft entwickelt?
MARTINA PARKER Ich habe schon von klein auf mit dem Papa gegartelt, der allerdings akribisch war. Wenn da die Karottensamen nicht genau im richtigen Abstand waren, hat er sie wieder herausgeholt und neu gesetzt. Ich bin das Gegenteil. Bei mir wächst Kraut und Rüben, ich liebe naturnahe Gärten, in denen es wuchern darf. Es hat sich zum Glück immer mehr durchgesetzt, dass der englische Rasen verschwindet – und der Garten ein wenig unordentlicher sein darf. Das ist auch für die heimische Tierwelt wichtig. Ich empfehle immer, ein Stück Wiese üppiger wachsen zu lassen.
Welche Tipps geben Sie Hobby-Gärtner:innen noch mit?
Man sollte entspannt bleiben, kein Jahr ist gleich. Nach einem perfekten Jahr für Erbsen schmecken sie im nächsten vielleicht gar nicht. Das ist die Natur. Man muss immer mehr anbauen, damit man zumindest einen Treffer hat. Aber es heißt nicht, dass man ein:e schlechte:r Gärtner:in ist, wenn nicht alles aufgeht. Vieles regelt sich ohnehin von selbst: Wir hatten ein Jahr, da gab es viele Wühl-mäuse, dann sind plötzlich vermehrt Greifvögel aufgetaucht. Manchmal muss man das einfach aussitzen.
Naturnah
Martina Parker in ihrem Garten im Burgenland. In ihrem Koch- und Gartenbuch »Aufdeckt – Leben wie im Gartenkrimi« hat sie Rezepte ihrer Kindheit versammelt.
martinaparker.com
Garten im Glas
Parker liebt es, Dinge einzulegen und zu experimentieren. Nur der Pastinaken-Schnaps, den sie jüngst ausprobiert hat, schmeckt nicht wirklich.
martinaparker.com
Trifft das auch auf Kräuter zu?
Absolut, wir haben im Innenhof ein kleines Hochbeet. Da ist aus einem winzigen Lorbeerstrauch ein richtiger Baum gewachsen. Echter Lorbeer gilt in unserer Region nicht als zuverlässig winterhart, unserer wusste das nicht. Prinzipiell aber würde ich eine Kräuterspirale empfehlen. Ganz oben wachsen die trockenheitsliebenden mediterranen Kräuter wie Rosmarin und Thymian. Weiter unten, wo sich mehr Feuchtigkeit sammelt, fühlen sich Kräuter mit höherem Wasserbedarf wie Schnittlauch wohler.
Worauf soll man beim Kauf von Kräutern achten?
Supermarkt-Basilikum ist dicht gesät und für den schnellen Verbrauch produziert. Damit er langfristig wächst, versuchen viele ihn zu vereinzeln und umzutopfen. Aber ich habe weitaus bessere Erfahrungen mit der Direktsaat von Samen gemacht. Robustere Kräuter wie Minze kann man aber durchaus aus dem Topf aussetzen. Aber Achtung: Minze wuchert. Also besser extra pflanzen im Garten, genauso wie Liebstöckel.
Wie sieht es mit der Sonneneinstrahlung aus?
Man sagt, Kräuter schmecken umso aromatischer, je mehr Sonne sie bekommen. Deshalb ist es auch besser, sie nicht direkt nach einem Regen zu ernten. Auch trocknen sollte man sie nicht unbedingt nach einer Schlechtwetterperiode.
Muss man im Winter etwas tun?
Rosmarin gilt als trockenheits- und hitzeresistent, ist aber weder besonders nässeverträglich noch in allen Regionen zuverlässig winterhart. Vor allem Staunässe im Winter verträgt er schlecht. Meine Erfahrung ist: Wenn Kräuter als exotisch oder selten angesehen werden, dann hat das meist einen Grund. Dann sind sie aufwendiger in der Pflege. Bei Pflanzen draußen im Topf muss man beachten, dass man sie an frostfreien Tagen gießt und den Topf vor Durchfrieren schützt. Die meisten sterben nicht an Kälte, sondern verdursten.