Muralistin Marie Hartig: »Man spürt das Werk wachsen«
Nicht nur Tapeten, auch Murals haben ihren Weg zurück auf unsere Wände gefunden: Die Kunstform überzeugt mit Facettenreichtum, modern interpretierten klassischen Motiven – und verleiht Räumen das gewisse »je-ne-sais-quoi«.
Titelbild: Mit Mut zur Wand: Die gemalten Welten der Österreicherin Marie Hartig zieren zahlreiche Wände – von prachtvollen Schlössern bis hin zu kleinen Bädern. mariespaintedworlds.com
LIVING Warum erfreut sich die Gestaltung mit Wallpapers und Wandmalereien immer größerer Beliebtheit?
Maria Hartig Eine Wandmalerei durch eine:n Kunstschaffende:n ist einzigartig und natürlich teurer. Eine Person, die eine solche bei mir in Auftrag gibt, würde eher keine Tapete benützen. Das Wallpaper hingegen ist eine Reproduktion: Es gibt verschiedene Materialien und man kann ein Zimmer innerhalb eines Tages völlig verändern. Es gibt Tapeten, die sehr günstig sind, aber auch sehr luxuriöse Hand-painted Wallpapers wie jene, dich ich für NOBILIS gestaltet habe. Diese kann man auf der ganzen Welt, unabhängig von den Temperaturen, auf die Wand geben.
Was ist es, das Ihnen persönlich an der Wandmalerei am besten gefällt?
Ich genieße das großflächige Erzählen von Geschichten, das die Malerei ermöglicht. Der Entstehungsprozess ist organisch: Eine Wandmalerei dauert – man kann leiten, spüren und sehen, wie das Werk wächst. Das Schöne daran: Das fertige Mural erlebt man, während man das Zimmer durchschreitet.
Was gilt es bei der Raumgestaltung mit Murals zu beachten?
Was man mit einem Raum macht, ist immer eine Frage des individuellen Stils. Jedes Motiv erschafft eine andere Atmosphäre und erzielt andere Effekte. Gästebäder etwa kann man bunt-verrückt gestalten, weil man nicht sehr viel Zeit dort verbringt, Beispiel hierfür wäre mein »Lines-and-Stripes-WC« in einer Wiener Wohnung.
Wie sah der kreative Prozess hinter dem Mural im »Rosewood Vienna« aus?
Meine Inspirationsquelle für den Salon stammt aus der Habsburgerzeit: Damals versammelte man Pflanzen von überallher im Palmenhaus, um den Leuten hier zu zeigen, wie prachtvoll die Welt ist. Im Zentrum meines Designs steht die Farbe Grün, von der es mehr Töne gibt als von jeder anderen Farbe und die sehr angenehm fürs Auge ist. Die Arbeit selbst hat 40 Tage gebraucht, ich hatte hier auch zwei Assistentinnen, vor allem für die großen Flächen zu Anfang.
Zu guter Letzt: Was liegt denn gerade im Trend in Sachen Murals und Tapeten?
Ich denke, den »einen« Trend gibt es derzeit nicht. Große und florale Muster sind auf jeden Fall beliebt, aber es gibt auch Designs mit spannenden Materialien, die nichts Figuratives abbilden, sondern mit Textur arbeiten. Wo Tapeten und Murals gut passen: als Element des Maximalismus, bei dem die Wände stark im Vordergrund stehen.
»Salon Aurelie«: Für den glamourösen »Salon -Aurelie« im »Rosewood Vienna« ließ sich die Muralistin vom ikonischen Wiener Palmenhaus inspirieren. nobilis.fr/de
(c) Rosewood Vienna