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© Christina Häusler

Mid-Century Revival: Die stilvolle Renovierung eines Wohnhauses

Österreich
Architektur
Design
Interior Design
Vintage

Das Atelier- und Wohnhaus einer Architekturpionierin aus den 1950er-Jahren wurde vor dem Abriss gerettet, von KABE Architekten mit Liebe zum Detail renoviert und erstrahlt heute in neu-altem Glanz des Mid-Century Modern.

Steigt man die steile Straße des Südhangs im Wienerwald empor, kann man kaum glauben, dass dieses Haus nur mit Glück dem Abriss entgangen ist. Wie eine Skisprungschanze schwingt sich das Dach über großen Atelierfenstern empor, daneben tanzen dünne Balkongeländer in Fifties-Eleganz horizontal ums Eck. Ein verstecktes Mid-Century-Juwel, errichtet 1957–1959 von der Architektin Helene Koller-Buchwieser, die hier wohnte und arbeitete. Eine Doppelfunktion, die man dem Haus ansieht, und auch ansehen sollte. Die Raumhöhen variieren von 2,30 Metern bis zu stolzen sechs Metern im Atelierbereich.

Große Show
Die luftige Treppe in der Mitte des Hauses mit einladendem Fifties-Schwung wurde komplett neu hergestellt, inklusive des zeittypischen Geländers.

© Christina Häusler

GEDULD UND SORGFALT

Koller-Buchwieser, die erste Frau, die in Österreich eine Ziviltechnikerprüfung ablegte, hatte sich während eines Amerika-Stipendiums von den Bauten Frank Lloyd Wrights inspirieren lassen. Das sieht man der Villa im Wienerwald an, vor allem bei den Außenwänden aus rau belassenem Naturstein, die den weißen Putz hangseitig rahmen. Dass man diese österreichisch-amerikanische Kulturfusion auch heute noch bestaunen kann, ist einem Ehepaar zu verdanken, das auf der Suche nach einem besonderen Objekt aus den 1950er-Jahren war und hier fündig wurde. Nachdem Koller-Buchwieser 2008 im ehrwürdigen Alter von 96 Jahren starb, stand das Gebäude leer, in schlechtem Bauzustand und nicht denkmalgeschützt. Alle anderen Interessent:innen hätten gleich nach Unterzeichnung des Kaufvertrags die Abrissbirne bestellt – diese nicht.

Präzise eingepasst
Die neue Küche mit Blick in den Garten fügt sich mit zurückhaltendem Luxus in Stil und Raum des Hauses ein. Der Boden übernahm das Steinlayout der alten Küche.

© Christina Häusler

Denn diese Bauherren, die jahrelang auf der Suche nach einem Haus aus der Mid-Century-Modern-Ära waren und hier endlich fündig wurden, machten sich mit Geduld und Sorgfalt an die aufwändige und liebevolle Sanierung des Objektes, gemeinsam mit Birgit Kaucky und Arnold Brückner vom Wiener Büro KABE Architekten. Man vertiefte sich in Materialforschung und Bauphysik, um heutigen Energiestandards gerecht zu werden, gleichzeitig ging es darum, den Geist und die Seele des Hauses zu bewahren.

Freude mit Furnier
Die Bibliothek wurde in maximaler Annäherung an die ursprüngliche komplett neu hergestellt. Die Möbel wurden, wie im ganzen Haus, von den Bauherren in intensiver Recherche einzeln ausgesucht.

© Christina Häusler

Gelungen ist beides mit Bravour. Dank dünnem Dämmputz konnte ein wuchtiges Styropor-Verpolstern der Wand vermieden werden, für die zarten, aber inzwischen durchgerosteten Fensterprofile fand sich ein passender Ersatz. Ein besonderes Fest wurde das Interieur. Hier wurde die Raumaufteilung leicht verändert und spätere Einbauten entfernt, doch immer mit Respekt vor Zeitgeschichte und Material.

Prairie Style in Niederösterreich
Im Kaminzimmer lässt sich noch nachspüren, dass sich Helene Koller-Buchwieser für ihr Haus von einem Besuch bei Frank Lloyd Wright in den USA inspirieren ließ.

© Arnold Brückner

PRACHT IN KARAMELL

Die Einbaumöbel und Verkleidungen im ehemaligen Zeichensaal wurden restauriert, die Küche wurde zum Haupteingang und wanderte ins Gartengeschoss, wo sie sich nach zwei Seiten zur Terrasse öffnet. Hinter dem Wandregal der Bibliothek im Herzen des Hauses führt eine versteckte Tür in die Privaträume, abgewandt von der Straße. Alt und neu zugleich: Die grandiose Wendeltreppe mit dem nierentischförmigen Antritt, die Eingangs- und Gartengeschoss mit karamellfarbener Pracht verbindet. Ein kleiner, aber
besonderer Raum: Das Gästezimmer neben dem Eingang, das durch ein kreisrundes, maßgefertigtes Fenster in den Garten schaut, eine Hommage des Bauherrn an Japan, dessen Kultur ihn seit jeher fasziniert.

Runde Sache
Das Fenster im Gästezimmer, eine aufwendige Einzelanfertigung, ist eine Hommage der Bauherrn an die japanische Kultur.

© Arnold Brückner

Der konstruktiv aufwändigste Bauteil, der komplett neu hinzukam, ist heute praktisch unsichtbar: die Garage unterhalb des Hauses, in der die Sportwagen-Sammlung des Bauherrn Platz findet. Diese werden über eine Drehscheibe in Raummitte in der Garage verteilt, darüber spannt sich eine geometrisch komplex gefaltete Betondecke, akzentuiert durch gelbe Lichtbänder – eine Hommage an den Künstler James Turrell. Das hölzerne Tor unter dem aufgeklappten Sichtbeton-Vordach wurde als wohnlich wirkende Analogie zur Eingangstür im Haupthaus konzipiert.

Naturnah
Das Badezimmer, ganz in Weiß gehalten, mit Blick in den Wald. Bisweilen huscht hier ein Fuchs oder ein Reh vorbei.

© Christina Häusler

Über dem Vordach krönt eine Skulptur des Künstlers Giuseppe »Pino« Donnaloia die Zufahrt, der auch an der Fassade des Hauses den Geist der 1950er-Jahre bildhauerisch ergänzte. So finden Alt und Neu zu einem Gesamtkunstwerk zusammen. Frau Koller-Buchwieser wäre zufrieden.

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 2/2026

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Maik Novotny
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