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© Michael Rausch - Schott/picturedesk.com,

Glanz, der nicht verblasst: Silber made in Austria

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Österreich

In Wien lebt eine jahrhundertealte Handwerkskunst fort, die in Zeiten von Massenproduktion fast exotisch wirkt: die Silberschmiedekunst. Einige Wiener Betriebe schaffen es jedoch, ihre Tradition in die Gegenwart – und sogar in die Zukunft – zu führen.

Silber, das weiß glänzende Metall, das Menschen seit der Antike fasziniert, hat in Wien lange Tradition: Bereits in der Hofburg deckte man mit ihm prunkvolle Tafeln ein. Heute pflegen nur noch wenige Betriebe die Kunst, aus dem Edelmetall Objekte zu schaffen, die Generationen überleben: Die Silberschmieden Jarosinski & Vaugoin, die Wiener Silber Manufactur sowie der Juwelier Rozet & Fischmeister zählen zu den letzten ihrer Art. Über Generationen haben sie Handwerkswissen bewahrt, aber Silber auch neu interpretiert – und dafür gesorgt, dass es als Geschenk, Sammelstück oder Wertanlage geschätzt wird.

Aus Wien in die Welt

Bei Jarosinski & Vaugoin blickt man auf eine Unternehmensgeschichte, die ins Jahr 1847 zurückreicht. Aktuell führt Jean-Paul Vaugoin eine der ältesten Silberschmieden der Welt in sechster Generation. In der Wiener Zieglergasse betritt man sein Geschäft, das aus der Zeit gefallen wirkt: In Vitrinen stehen silberne Becher neben Austerngabeln, Hühnerbeinhaltern und Grapefruitlöffeln. In der Werkstatt werden Kostbarkeiten geformt, die auch der ­Kensington-Palast und arabische Königshäuser ordern. Jean-Paul Vaugoin erzählt, dass seine Werkstatt die letzte in Österreich ist, die noch Gabeln und Besteck in eigener Produktion herstellt – mit rund 200 Besteckmustern. Ursprünglich wollte er beruflich in der Finanzwelt Fuß fassen, doch dann entschied er sich für eine Lehre als Gold- und Silberschmied und übernahm mit 21 Jahren das Erbe seiner Vorfahren. Seine Strategie: kompromisslose Qualität mit Service und neuen Zugängen zu verknüpfen. Dazu gehören Kooperationen mit Designer:innen, Social-Media-Präsenz und der Verleih von Tafelsilber für Hochzeiten. »Besonders gut«, sagt er, »verkaufen sich Taufbecher und klassische Besteckmuster, was beweist, dass Tradition Bestand hat. Gleichzeitig gewinnen Reparaturen und Restaurierungen an Bedeutung.«

Edles Krabbeltier
Der krabbenförmige Salzstreuer von Jarosinski & Vaugoin wurde von Hand aus massivem Silber und Gold-Vermeil gestaltet.
vaugoin.com

© Jarosinski & Vaugoin

Designgeschichte in Silber gegossen

Über ein Archiv mit Entwürfen bedeutender Künstler der Wiener Werkstätte wie Josef Hoffmann, Kolo Moser oder Otto Prutscher verfügt die Wiener Silber ­Manufactur – 1882 gegründet. Viele dieser Klassiker, wie ein Hoffmann-Besteck von 1902, werden bis heute produziert und wirken zeitlos modern. »Nur wenige Produkte wie Bilder­rahmen werden zugekauft, weil sie preislich in Österreich nicht mehr konkurrenzfähig wären«, sagt Beatrice Höllige, Shopmanagerin der Boutique in der Spiegelgasse im ersten Bezirk.

Der Tradition verpflichtet
Jean-Paul Vaugoin leitet in sechster Generation Jarosinski & Vaugoin, eine der ältesten Silberschmieden der Welt.

© Jarosinski & Vaugoin

Sorgfalt, die sich lohnt

Die Manufaktur setzt bei ihren Produkten auf die Verbindung von Tradition und Moderne. Neben den historischen Entwürfen gibt es Kooperationen mit renommierten Künst­ler:innen: Zaha Hadid entwarf monumentale Vasen und Erwin Wurm transformierte sein »Fat Car« in eine Silberdose. »Auch junge Designer:innen werden eingeladen, ihre Ideen umzusetzen. Ziel ist es, Silber auch als moderne Ausdrucksform zu positionieren. Gleichzeitig wächst das Interesse jüngerer Kundschaft, die Silber zunehmend auch als Wertanlage schätzt«, berichtet Beatrice Höllige.

Doch wie pflegt man Silber am besten? Franz Fischmeister kennt die Antwort. Am besten, erklärt er, bewahrt man Silber in ­Vitrinen auf und putzt es regelmäßig. »Wichtig sind auch spezielle Putzmittel und die Verwendung weicher Schwämme – niemals die raue, grüne Seite, da diese zerkratzt. Silber ist für Genera­tionen gedacht, darum lohnt es sich, sorgfältig damit umzugehen.« Seit mehr als 200 Jahren spielt Silber in dem Unternehmen, das Franz Fischmeister in der sechsten Generation am Wiener Kohlmarkt führt, eine wichtige Rolle: Rozet & ­Fischmeister war einst k. u. k. Hoflieferant und gilt seit jeher als erste Adresse für Tafelsilber. Das wohl berühmteste Stück: das reich verzierte »Collier de Chien«, das am Hals von Adele Bloch-Bauer 1907 von Gustav Klimt für die Ewigkeit festgehalten wurde.

Die Letzten ihres Standes
Die Wiener Silber Manufactur zählt zu den wenigen weltweit, die die Kunst, Silber zu verarbeiten, noch beherrschen.
wienersilbermanufactur.com

© Michael Rausch - Schott/picturedesk.com

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 8/2025

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