Roberta Keil: »In der Kunst brauchen wir Austausch«
Mit temporären Galerie Pop-ups bringt Roberta Keil ein neues Konzept nach Wien, das zwischen dem heimischen Kunstmarkt und jenen in Berlin oszilliert. Bei ihrer ersten Ausstellung in der Wiener Innenstadt gibt es Arbeiten junger Berliner Künstler:innen zu entdecken, die bisher in Österreich noch nicht umfangreich gezeigt wurden.
Header Bild: Die zwischen Berlin und Wien lebende Galeristin Roberta Keil zeigt zeitgenössiche Kunst aus Berlin in der Wiener Innenstadt.
Der Ort ihrer ersten Ausstellung hätte Galeristin Roberta Keil nicht treffender wählen können: Die kopfsteingespflasterte, barocke Ballgasse Nummer 6 war jener Ort, an denen der junge Grazer Galerist Peter Pakesch Anfang der 1980er Jahre für Aufsehen sorgte. Hier formierte sich der nach ihm benannte Künstlerverband. Herbert Brandl, Otto Zitko oder Josef Danner zeigten als »Junge Wilde« ihre gestische Malerei und brachen Konventionen. Auch der Neo-Geo-Künstler Heimo Zobernig schuf im Rahmen der Pakesch-Truppe, ab 1985 schrieb sich mit der Zusammenarbeit zwischen dem Galeristen und Franz West der Ort endgültig in die österreichische Kunstgeschichte ein. Peter Pakesch erweiterte seinen Aktionsradius auf internationaler Ebene und zeigte in der Ballgasse Künstler wie die damaligen Kölner Jung-Stars Albert Oehlen und Martin Kippenberger oder Sol LeWitt. Lange ist's her, aber der Geist des Aufbruchs ist der Adresse bis heute inhärent. »Der Ort ist ein Glücksfall«, schwärmt die junge Galeristin Roberta Keil. »Hier wurde Geschichte geschrieben, und es ist aufregend, dass ich für meine erste Ausstellung diese Räumlichkeiten gewinnen konnte.«
Premiere für Berliner Künstler:innen mit Standing
Auch ihr Anspruch ist es, Neues nach Wien zu bringen und die hiesige Kunstszene aufzumischen. Nach dem Studium der Kunstgeschichte sowie internationalen Praktika war Roberta Keil die letzten Jahre Expertin für zeitgenössische Kunst in einem der renommiertesten Auktionshäuser im deutschsprachigen Raum, Grisebach in Berlin. »Ich bin sehr dankbar für diese Zeit, man sieht wahnsinnig viel Kunst diverser Sparten und lernt das Handwerk. Vom Vermessen über die Provenienzforschung und ist mit Künstlerstudios im ständigen Austausch. Ich hatte allerdings immer wieder das Bedürfnis, irgendwann eine eigene Galerie zu führen. Und dieser Zeitpunkt war jetzt.« Mit dem über Jahren geschulten Auge suchte Roberta Keil für die Wien Premiere eine Handvoll zeitgenössischer Künstler:innen für die Gruppenausstellung »Ball Berlin« aus, die in der deutschen Hauptstadt bereits ein gewisses Rennommee erlangt haben, in Wien jedoch noch nicht in umfangreichen Rahmen ausgestellt wurden. »Wien und Berlin haben Parallelen und ich trage beide Städte in mir. In Berlin gibt es viele Ateliers und eine vitale Kunstszene, Wien ist meine Heimatstadt und ich bin nach wie vor mit dem Ort und den hier arbeitenden Künster:innnen verbunden. Diese Tatsache bildet mein Galerie Konzept ab: Es wird künftig rund vier Ausstellungen pro Jahr in Wien und Berlin geben. In Berlin zeige ich österreichische Kunst, in Wien stelle ich internationale Künstler:innen aus, die in Berlin leben und arbeiten. Viele haben dort bereits ein Standing, sind in Wien aber noch unbekannt. Es gilt sie zu entdecken. Künftig möchte ich das Portfolio um weitere internationale Postitionen erweitern.« Die Gruppenschau zeigt Ausschnitte des Oeuvres von fünf internationalen, zeitgenössischen Künstler:innen und zwei Kollektiven: Jagoda Bednarsky, Pegasus Product, Sahar Zukerman, Lucia Kempkes, Anna Mirkin, Gernot Seeliger und Albrecht/Wilke sind mit dabei. Kaugummi wird auf Plüsch arrangiert, Esoterik auf die Schippe genommen und die klassische Mal- und Zeichenkunst werden zelebriert.
Spannende Positionen
Denn die qualitativ hochwertigen Arbeiten decken die Sparten Malerei, Zeichnung, Installation und Fotografie ab. Die Preise sind dennoch moderat und sollen einem jungen Klientel den Beginn einer Sammlerleidenschaft eröffnen. »Ich möchte bei meinem Konzept niemanden ausschließen: Ob Initialkäufer:innen oder arrivierte Sammler:innen, mein Klientel ist bunt gemischt, und das ist auch gut so, denn in der Kunst braucht es Austausch. Nicht nur territorial zwischen Ländern und Städten, sondern auch zwischen Generationen. Man kann wahnsinnig viel voneinander lernen. Dieser Aspekt ist mir sehr wichtig«, sagt Roberta Keil. Künftig wird ein permanenter Standort angestrebt: »Konzeptionell ist das ein wenig veraltet, aber für renommierte Messen ist die Standortfrage nach wie vor entscheidnend.« Am 20. Dezember von 18 bis 20 Uhr wird erstmals Finissage in der Ballgasse Nummer 6 gefeiert. Die Arbeiten sind bis einschließlich 22. Dezember von 11 bis 18 Uhr zu sehen und es ist die letzte Chance, Toast Hawaii, die fotografische Reverenz an festlich-kitschige Geschenkskörbe im Styling verblassender Konsumromantik & Co. - sei es als Weihnachtsgeschenk oder als Präsent an sich selbst - mit nach Hause zu nehmen.
Mehr Infos finden Sie unter: robertakeil.com