Katharina Rapp siebt aus: Am Ende nimmt die Cluster Director of Marketing im »The Chedi« (CH) nur 10 % der Influencer-Anfragen an.
© The Chedi Andermatt
Gratisnächte für Influencer – ja oder nein? So entscheidet »The Chedi«
Viele wollen die Annehmlichkeiten eines Luxus-Hotel erleben: Mit täglich »zwei bis fünf Anfragen«, darunter 60 % nicht aus dem Heimmarkt Schweiz, ist man im »The Chedi« Andermatt konfrontiert. Wie sie Influencer-Angebote aussiebt und wo sie Mehrwert sieht, schildert Katharina Rapp.
von redaktion
02. April 2026
INTERVIEW Benny Epstein
PROFI Wie hat sich die Menge der Anfragen über die Jahre verändert?
KATHARINA RAPP Sie ist in den letzten vier bis fünf Jahren massiv gestiegen. Gleichzeitig hat sich die Qualität stark auseinanderentwickelt. Es gibt heute sehr viele Anfragen, aber ein großer Teil davon hat für uns keine echte Relevanz – weder in Bezug auf Zielgruppe noch auf Content oder tatsächlichen Einfluss. Die wirklich spannenden Anfragen sind eher die Ausnahme.
Wer behandelt diese Anfragen im Hotel?
Die erste Beurteilung passiert intern im Marketing. Danach stimmen wir uns je nach Fall mit Sales, Revenue und Operations ab. Bei gewissen Anfragen holen wir zusätzlich eine Einschätzung unserer PR-Agenturen ein.
Worauf achtet »The Chedi« dabei speziell?
Ganz klar auf Relevanz vor Reichweite. Uns interessieren nicht primär Zahlen, sondern:
• Passt die Community zur Marke?
• Ist der Content hochwertig und gut erzählt?
• Wirkt die Person glaubwürdig?
• Versteht sie unsere Marke und unser Produkt?
• Wie professionell ist der Umgang?
• Was haben frühere Kooperationen gebracht?
Verwendet ihr bestimmte Tools zum Überprüfen der Follower, Likes etc.?
Wir schauen uns Engagement, Follower-Struktur, Wachstum und Authentizität an. Zahlen sind wichtig, aber für uns nie der einzige Entscheidungsfaktor.
Welche Plattformen (von Blog über Website, Podcast, Instagram bis hin zu TikTok) haben dabei Gewicht?
Instagram ist nach wie vor der wichtigste Kanal für visuelles Storytelling. TikTok gewinnt stark an Bedeutung, vor allem für Reichweite und Awareness. Blogs und Websites sind selektiv spannend, dafür wertvoll in der Tiefe und für SEO (= Suchmaschinenoptimierung, Anm. d. Red.). Podcasts und Longform-Formate sehen wir eher als Branding-Tool.
Habt ihr dafür ein spezifisches Budget oder geht ihr da von Fall zu Fall vor?
Wir entscheiden von Fall zu Fall. Es kommt auf die strategische Relevanz, die Saison, den Zielmarkt und den erwarteten Mehrwert an. Ein fixes Influencer-Budget haben wir bewusst nicht.
Lädt ihr aktiv Influencer ein? Nur auf Gruppenaufenthalte oder auch für Individualbesuche?
Beides. Wir laden gezielt aktiv ein, meistens für individuelle Besuche, wenn es strategisch Sinn macht. Bei Events oder Angeboten, bei denen wir bewusst Awareness aufbauen möchten, arbeiten wir auch mit mehreren Influencern gleichzeitig. Wie sehen solche Einladungen aus? In der Regel beinhalten sie eine Übernachtung mit Frühstück. Alles Weitere wird individuell entschieden. Bei Food-Influencern steht das kulinarische Erlebnis im Fokus, bei Wellness-Influencern klar der Spa,
bei anderen Formaten entsprechend das Erlebnis, das zum Profil passt.
Wie messt ihr Erfolg oder Misserfolg solcher Einladungen?
Nicht nur über Likes. Wir betrachten u. a.:
• Content-Qualität
• Engagement-Rate
• Tiefe des Storytellings
• Reichweite in relevanten Zielmärkten
• Weiterverwendbarkeit des Contents
• Langfristigen Impact auf die Marke
Ganz konkret: Wie viele Anfragen nehmen Sie an?
Am Ende sind es klar unter zehn Prozent der Anfragen.
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