»Familotel«-Vorstandschef Sebastian J. Ott © Familotel
Deutsches Erbschaftssteuer-Urteil als Gefahr für familiengeführte Hotelbetriebe
Hotelkooperation »Familotel« fordert nach der Entscheidung des Bundesfinanzhofs eine politische Klarstellung.
von Alexandra Gorsche
08. Oktober 2024
Die Hotelkooperation »Familotel« sieht familiengeführte Hotelbetriebe in ihrer Existenz bedroht, nachdem der Bundesfinanzhof jüngst ein Urteil zur Erbschaftssteuer gefällt hat. Vorstandsvorsitzender Sebastian J. Ott appelliert eindringlich an die Politik, rasch zu handeln und fordert eine rechtliche Klarstellung, um Familienunternehmen in der Hotelbranche Sicherheit zu geben.
»Die aktuelle Entscheidung verschärft die Situation für viele Hotelbetriebe und erfordert sofortiges politisches Handeln. Wir benötigen Planungs- und Rechtssicherheit, damit die Zukunft der familiengeführten Hotels nicht gefährdet wird,« so Ott.
Urteil benachteiligt Hotelbranche
Die Entscheidung des Bundesfinanzhofs stellt für die Beherbergungsbranche eine klare Benachteiligung dar. Der Richterspruch betrifft insbesondere die erbschaftssteuerliche Behandlung von Hotel- und Pensionsbetrieben, die – anders als andere Gewerbe – als sogenanntes »Verwaltungsvermögen« eingestuft werden und somit keine steuerlichen Begünstigungen bei Erbschaften erfahren. »Dieses Urteil hat schwerwiegende Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche und die Zukunft vieler Familienbetriebe,« erklärt Ott. Er verweist darauf, dass bei rund 50 Prozent der Familotel-Mitgliedsbetriebe in den kommenden Jahren die Übergabe an die nächste Generation bevorsteht. Eine unsichere steuerliche Situation könnte hier erhebliche existenzielle Auswirkungen haben.
Hintergrund: Hotelbetriebe zählen zum Verwaltungsvermögen
Nach geltendem Erbschaftssteuerrecht wird Betriebsvermögen steuerlich begünstigt, Verwaltungsvermögen jedoch nicht. Der Bundesfinanzhof entschied kürzlich, dass Beherbergungsbetriebe – darunter Hotels, Pensionen und Campingplätze – als Verwaltungsvermögen gelten. Diese Einordnung bedeutet, dass sie keine steuerlichen Vorteile bei der Erbschaftssteuer erhalten. Die aktuelle Entscheidung fußt auf einem Fall, bei dem es um die Erbschaft eines Parkhauses ging. Auch dieses wurde als Verwaltungsvermögen eingestuft. Der Richterspruch betrifft somit auch Hotelbetriebe, was deren steuerliche Belastung im Erbfall erheblich erhöht.
Kritik aus der Branche
Die Entscheidung des Bundesfinanzhofs hat breite Kritik ausgelöst, nicht nur bei »Familotel«, sondern auch beim »Deutschen Hotel- und Gaststättenverband« (Dehoga). Der Verband sieht eine deutliche Benachteiligung von Hotels im Vergleich zu anderen Branchen, wie dem Handwerk oder der Industrie. Auch Professor Rainer Kirchhöfer von der »Stiftung Familienunternehmen« fordert eine Intervention der Finanzverwaltung. Ein sogenannter Nichtanwendungserlass könnte helfen, die negativen Folgen des Urteils abzumildern und den Betrieben zumindest vorerst eine gewisse Sicherheit zu bieten.
Hoteliers müssen sich auf Herausforderungen einstellen
Sebastian J. Ott unterstützt diese Forderungen uneingeschränkt und rät Hoteliers dringend, sich intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen: »Als ›Familotel‹ stehen wir unseren Mitgliedsbetrieben in dieser schwierigen Phase zur Seite. Es ist wichtig, dass die Branche auf die Herausforderungen vorbereitet ist und nicht nur auf die politischen Entscheidungen wartet.« Die wirtschaftlichen Belastungen durch die aktuelle Marktlage seien bereits groß, weshalb zusätzliche steuerliche Hürden dringend vermieden werden sollten.
Über »Familotel«
»Familotel«, gegründet 1994, ist heute Europas führende Hotelkooperation im Bereich der Familienhotellerie. Mit 65 Mitgliedsbetrieben bietet die Kooperation wirtschaftlich und unternehmerisch eigenständigen Hotels eine starke Plattform. Im Jahr 2023 erzielten die Mitgliedsbetriebe einen Rekordumsatz von 338 Millionen Euro. Der Vorstandsvorsitzende Sebastian J. Ott führt die »Familotel AG«, während Alexander Borchard den Aufsichtsrat leitet.
»Familotel« setzt sich kontinuierlich für die Interessen seiner Mitglieder und der gesamten Branche ein und fordert die Politik auf, schnell zu handeln, um die Zukunft der familiengeführten Hotels zu sichern.
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