Rick-Enders

Direktor Rick Enders ist überzeugt: In der starken Identität des »Sheraton Frankfurt Airport Hotel" liegt die Chance, neue Akzente zu setzen.

© Sheraton Frankfurt Airport Hotel & Conference Center, Marriott International

Jubiläum in Frankfurt: Wie lebt man mit 1.017 Hotel-Zimmern, Herr Enders?

Mit dem Motto »Vom Jet direkt ins Bett« war das »Sheraton Frankfurt Airport« einst das größte Tagungshotel Westeuropas. Imposant ist das mittlerweile 50 Jahre alte Haus immer noch – die speziellen Anforderungen schildert der GM Rick Enders.

von Roland Graf
24. September 2025

1975 wurde direkt am Terminal 1 des Frankfurter Flughafens mit 555 Zimmern gestartet. Das »Sheraton Frankfurt Airport« war zwischenzeitlich das größte Business-Hotel Westeuropas, woran 4.000 Quadratmeter Tagungsfläche nicht unbeteiligt sind. Zum 50. Geburtstag schildert Direktor Rick Enders, wie sich das seit 2020 im Dual-Brand-Konzept (Sheraton und Marriott) geführte Haus heute präsentiert. Und wie man Personal für einen solchen Giganten findet.

Falstaff PROFI: Wie unterscheidet sich die Größenordnung des »Sheraton Frankfurt Airport Hotel« von einem »normalen« City-Hotel, etwa auch bei der Kulinarik?

RICK ENDERS: Die Dimensionen unseres Hauses sind tatsächlich außergewöhnlich – mit 784 Zimmern allein im Sheraton und insgesamt 1.017 Zimmern gemeinsam mit dem Marriott Hotel gehören wir zu den größten Hotels Deutschlands. Diese Größenordnung bringt natürlich besondere Anforderungen mit sich – organisatorisch, logistisch und kulinarisch. Diese Dimensionen wirken sich auf nahezu alle Bereiche aus – von der Logistik über die Gästestruktur bis zur Kulinarik. Während ein typisches City-Hotel vielleicht Frühstück für 100 bis 200 Gäste vorbereitet, versorgen wir an Spitzentagen mehrere hundert Gäste gleichzeitig – verteilt auf verschiedene Outlets, Club Lounges und Veranstaltungsbereiche. Das bedeutet: Unsere Küchen müssen nicht nur effizient arbeiten, sondern auch flexibel und qualitativ hochwertig. Auch die Vielfalt der Gäste ist größer: Neben Businessreisenden und Konferenzteilnehmer begrüßen wir auch Langzeitgäste, Leisure-Reisende, Airline-Crews und auch Besucher aus der Region. Diese Mischung erfordert ein besonders breites Serviceangebot – und ein Team, das international denkt und lokal handelt. Kurz gesagt: Ein Hotel dieser Größe ist wie eine kleine Stadt – mit eigener Infrastruktur, komplexen Abläufen und einem hohen Anspruch an Qualität und Gastfreundschaft.

Sheraton Frankfurt Airport Hotel
Das »Sheraton« am Frankfurter Flughafen gehört zu den größten Hotels Deutschlands. | © Sheraton Frankfurt Airport Hotel & Conference Center, Marriott International

Fax senden oder Fahrer buchen waren früher klassische Services eines Geschäftshotels – womit punktet man heute?

Heute zählen andere Dinge: Geschwindigkeit, Flexibilität und Individualisierung. Unsere Gäste erwarten ein nahtloses digitales Erlebnis – vom mobilen Check-in über digitale Zimmerschlüssel bis zur Echtzeitbuchung von Meetingräumen für spontane Business-Sessions. Gleichzeitig spielt das Umfeld eine immer größere Rolle. Businessreisende möchten nicht nur effizient arbeiten, sondern sich auch wohlfühlen. Deshalb setzen wir auf inspirierende Räume, offene Lobbys mit Bibliothekselementen und großzügige Lounges.  Auch Kulinarik ist heute ein entscheidender Faktor: Unsere Gäste schätzen bei uns die Vielfalt – vom schnellen Gericht in der »Eatery kitchen and bar« bis zur offenen Showküche im »Flavors« mit Dry-Ager. Die »Taverne« überrascht mit regionaler Küche, »The Bar« mit über 20 Signature-Cocktails. Kulinarik ist bei uns kein Nebenschauplatz, sondern Teil des Gesamterlebnisses – und ein Wohlfühlfaktor gerade für Gäste, die viel unterwegs sind.

Ein großes Haus bedeutet einen noch größeren Kampf um Talente: Welche Mitarbeiter-Benefits – von Weiterbildung bis zu Wohnmöglichkeiten – gibt es bei Ihnen?

Mit rund 350 Mitarbeitern aus über 60 Nationen sind wir ein echtes Spiegelbild der internationalen Hotellerie. Und wir wissen: Wer Talente gewinnen und halten will, muss mehr bieten als einen Arbeitsplatz. Das »Sheraton Frankfurt Airport Hotel« ist und bleibt eine Kaderschmiede der Branche. Viele unserer ehemaligen Mitarbeiter haben hier ihre Karriere begonnen und sind heute weltweit in Führungspositionen tätig – vom General Manager bis zum CEO. Diese Entwicklung ist kein Zufall: Wir investieren gezielt in Weiterbildung, fördern Talente individuell und bieten vielfältige Karrierewege innerhalb der Marriott-Gruppe. Als einer der größten Ausbildungsbetriebe im Hotelbereich der Rhein-Main-Region bieten wir jungen Menschen zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten – vom klassischen Hotelfach über Küche und Service bis hin zu Eventmanagement und Technik. Bei uns kann man tatsächlich alle Hotelberufe erlenen. Wir haben sogar einen hauseigenen Sommelier und einen Metzger – das ist für ein Hotel am Flughafen eine echte Seltenheit. Unsere enge Zusammenarbeit mit Berufsschulen und Bildungsträgern sorgt dafür, dass Theorie und Praxis optimal verzahnt sind. Aktuell haben wir insgesamt 48 Auszubildende – einschließlich dualer Studenten – im Haus haben. Was uns besonders macht, ist die familiäre Atmosphäre trotz der Größe. Geburtstage werden individuell gefeiert, es gibt ein »Birthday Buddy«-System, und jeder Mitarbeiter erhält von mir eine handgeschriebene Geburtstagskarte und ein persönliches Geschenk. Diese kleinen Gesten schaffen ein starkes Miteinander, das sich direkt auf das Gästeerlebnis überträgt. Auch das Thema Wohnen spielt eine Rolle: Für neue Kollegen, insbesondere aus dem Ausland, bieten wir Übergangslösungen und unterstützen bei der Wohnungssuche. Dass wir in Bezug auf Mitarbeiter vieles richtig machen, zeigt nicht nur die starke Bindung unserer aktuellen Teams – sondern auch die unserer ehemaligen Kollegen. Zum 50. Jubiläum feiern wir eine große Party, zu der wir unsere Ehemaligen eingeladen haben. Wir haben bereits über 200 Zusagen aus aller Welt. Diese internationale Rückkehr zeigt, wie tief die Verbindung zum Haus auch nach vielen Jahren noch ist.

Wie lassen sich bei einem 50 Jahre lang gut eingeführten »Produkt« neue Akzente setzen?

Ein traditionsreiches Haus wie das »Sheraton Frankfurt Airport Hotel« bringt eine starke Identität mit – und genau darin liegt auch die Chance, neue Akzente zu setzen. Wir entwickeln Bewährtes weiter und verbinden es mit den Anforderungen von heute. In den letzten Jahren wurden sämtliche Zimmer, Lounges und große Teile des Konferenzzentrums renoviert – zuletzt die Lobby und die gastronomischen Bereiche. So bleibt unser Haus nicht nur funktional auf dem neuesten Stand, sondern auch visuell und atmosphärisch attraktiv. Ein zentraler Aspekt ist die Digitalisierung: Unsere Gäste erwarten ein nahtloses digitales Erlebnis. Diese Services erhöhen nicht nur den Komfort, sondern tragen auch zur Effizienz und Nachhaltigkeit bei. Letztere ist ohnehin ein zentrales Thema. Mit unserer Green Key-Zertifizierung, dem Verzicht auf Einwegprodukte, regionaler Beschaffung und Initiativen zur Abfallvermeidung setzen wir klare Zeichen. Ein weiterer Meilenstein ist die Einführung von »Connect Responsibly« – einem globalen Programm von Marriott International, das Veranstaltungsplanern detaillierte Umweltberichte (CO₂- und Wasser-Fußabdruck eines Events) zur Verfügung stellt.  Diese Transparenz ist ein echter Mehrwert und ein Zeichen dafür, wie sich auch etablierte Häuser wie unseres weiterentwickeln, um den Erwartungen einer neuen Generation von Gästen und Veranstaltern gerecht zu werden. So bleibt unser Haus auch nach 50 Jahren relevant – weil wir nicht stehenbleiben, sondern mit der Zeit gehen.

Aus Ihrer langjährigen, globalen Erfahrung: Was sind die aktuell größten Veränderungen in der Hospitality-Welt?

Die Hospitality-Welt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel – und das nicht erst seit gestern. Nach über zwei Jahrzehnten in internationalen Hotels sehe ich eine Branche, die sich neu erfindet: digitaler, nachhaltiger, menschlicher. Dabei haben sich die Erwartungen der Gäste grundlegend verändert. Es geht längst nicht mehr nur um Komfort, sondern um Kontrolle und Individualität. Menschen möchten selbst entscheiden, wann sie einchecken, wie sie ihr Zimmer öffnen oder wo sie arbeiten. Auch die Zielgruppen verändern sich. Die Grenzen zwischen Geschäfts- und Freizeitreisen verschwimmen. Viele Gäste sind heute »Bleisure«-Reisende – sie verbinden Business mit Erholung, suchen nicht nur Effizienz, sondern auch Inspiration. Langzeitaufenthalte gewinnen an Bedeutung, ebenso wie hybride Formate, die Arbeit und Leben miteinander verbinden. Die Zukunft der Hotellerie liegt in der Balance: zwischen Technologie und Menschlichkeit, zwischen globaler Verantwortung und lokaler Verwurzelung. Die Häuser, die diese Balance finden, werden auch in den nächsten 50 Jahren erfolgreich sein.

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