Kreative Freiheit: CEO Neena Gupta hat sich mit der Umsetzung der »Miiro«-Hotels auch einen persönlichen Traum erfüllt.
© James Mc Donald
Zwei neue Hotels in Wien: »Miiro« setzt auf Grätzel-Vibe und Service
Die indische Gruppe »InterGlobe Enterprises« wagt mit »Miiro« ein Hospitality-Abenteuer in Europa. PROFI hat CEO Neena Gupta zum Exklusiv-Interview im neu eröffneten Hotel im Palais Rudolf getroffen.
von Brigitte Radl
04. Dezember 2025
Neena Gupta schiebt die grünen Vorhänge des Wiener Designers zur Seite. »Er hat sein Atelier gleich hier ums Eck«, erklärt die CEO von »Miiro Hotels« und Executive Director Group Strategy and International Hospitality bei »InterGlobe Enterprises« stolz. Das gehöre zum Konzept: Die Einflüsse der lokalen Nachbarschaft finden sich in den »Miiro«-Hotels in Design, Kulinarik und Atmosphäre wieder. Auch auf die Erhaltung historischer Bausubstanz wird sorgfältig geachtet.
Nach der Hotelführung beantwortet die indische Business-Frau im hellen Frühstücks- und Barbereich »Baronesse« ausführlich und mit viel Selbstvertrauen die Fragen von Falstaff PROFI.
PROFI Wie lange arbeiten Sie schon in der Hotellerie – und wie haben Sie in die Branche gefunden?
Neena Gupta: Ich bin keine Hotelière. Mein Berufsleben habe ich als Anwältin begonnen, bis ich vor 18 Jahren zu »InterGlobe Enterprises« wechselte. Mein Hauptjob war zunächst, strategische Initiativen zu leiten und neue Businesses in Indien aufzuziehen. 2017 haben wir dann beschlossen: Es ist Zeit für ein internationales Hospitality-Abenteuer.
Was hat Sie motiviert, den Lead im Projekt »Miiro« zu übernehmen?
Ich habe alles gemacht, was ein Mensch im Business-Leben machen kann (lacht). Außer: etwas ganz Neues, Eigenes zu kreieren, auf das ich später mit Stolz zurückblicken kann. Diese Chance habe ich ergriffen und hier sind wir: In 18 Monaten haben wir vier »Miiro«-Hotels in Paris, Barcelona, Gstaad und London eröffnet. Jetzt folgen zwei in Wien. Dafür sollten wir ins »Guiness-Buch der Rekorde« aufgenommen werden. (lacht wieder)
Verträgt Wien noch weitere Hotels?
In jeder Stadt ist immer noch Platz für ein Hotel. Wien ist eines der kulturellen Zentren Europas, hat viel Geschichte, aber auch einen modernen Vibe. Urlauber kommen genauso wie Business-Gäste. Auch, wenn wir nicht ein bestehendes Hotelportfolio gekauft und daraus »Miiro«-Häuser gemacht hätten: Wien war immer eine Wunschdestination.
Neben diesem Haus am Rudolfsplatz eröffnen Sie auch eines am Spittelberg. Worin unterschieden sich die zwei Wiener »Miiro«-Hotels?
Wir kreieren unsere Hotels im Einklang mit der Umgebung. Wir wollen das Flair des Bezirks oder Grätzels, der direkten Nachbarschaft für unsere Gäste einfangen. Der erste Wiener Gemeindebezirk ist mondän, luxuriös und »businessy«, der siebte künstlerisch, kulturell und jung. Das setzen wir in unseren Konzepten um. So gibt es etwa im Palais Rudolf gehobene italienische Küche mit österreichischem Einfluss, am Spittelberg wird eine ungezwungene Pizzeria mit modernem Salatangebot eröffnen. Und natürlich spiegelt sich dieser Unterschied auch im Design wider: gediegen, elegant und zurückhaltend im Ersten; bunt, verspielter und hip im Siebten.
Und umgekehrt: Was definiert die Marke – und woran sollen sich die Gäste nach einem Besuch erinnern?
Erstens, an das Service. In jedem »Miiro«-Hotel ist das Personal gleich kompetent, aufmerksam und zuvorkommend. Wir haben eine starke Markenkultur, die unsere Mitarbeiter jeden Tag mit Leben erfüllen. Zweitens, an das »Miiro«-Gefühl. Bei uns fühlen sich Gäste wie zuhause, weil das Grundkonzept überall dasselbe ist: die »Amenities« in den Badezimmern, das funktionale Zimmerdesign, das nachhaltige Gym, unser »Refresh Room« und mehr. Und drittens, der lokale Touch – liebevoll bis ins kleinste Detail umgesetzt.
»Jedes bessere Hotel bietet Ihnen ein schönes, komfortables Zimmer, aber wir gehen die Extrameile. Wir wollen, dass Sie bei uns gut schlafen, es praktikabel haben und nicht auf Lichtschaltersuche gehen müssen. Wir lösen echte Pain Points.«

Miiro« ist eine noch junge Marke. Was waren bisher Ihre größten Herausforderungen?
Aufbau und Positionierung der neuen Marke in so kurzer Zeit waren hart: Die sorgfältige Renovierung von historischer Substanz, wie hier im Palais Rudolf; unterschiedliche Gesetze in unterschiedlichen Ländern und die Koordination von Indien aus; und natürlich die richtigen Leute zu finden. Das macht eine Marke aus – oder zerstört sie.
Wie gehen Sie beim Recruiting vor?
Uns ist nicht jeder, der einen Job, sucht willkommen. Wir suchen gezielt nach Personen, die in einem bestimmten Bereich Bestleistungen erzielt haben – und kontaktieren sie, vor allem über LinkedIn. Viel geht auch über Empfehlungen. Unser Einstellungsprozess ist klar geregelt: sechs bis sieben Gespräche mit relevanten Entscheidern, die mit den Mitarbeitern zu tun haben werden. Ich selbst habe viele Leute ausgewählt. Ich suche Menschen, die zu »Miiro« passen und die ich für unsere Reise begeistern kann. Wir führen in allen Häusern intensive und wiederkehrende Kulturtrainings und Brand-Workshops durch. Unsere Mitarbeiter sollen sich als Gastgeber verstehen und die Besucher auch so servicieren. Das ist Kern unserer Marke.
»Man muss Mitarbeiter kontinuierlich motivieren, weiterbilden und begeistern. Das ist eine permanente Herausforderung, der sich jede Marke stellen muss.«
Was sind Ihre nächsten Ziele mit »Miiro«?
Nach sechs Hotels in 20 Monaten werden wir eine Pause einlegen, um uns zu konsolidieren. Wir überprüfen, was wir gut gemacht haben und wo es noch Optimierungspotenziale gibt. 2027 beginnen wir dann mit der Planung weiterer Hotels, zunächst in Prag und Hamburg. Wir haben noch viele Ideen in der Pipeline und sind immer auf der Suche nach neuen Destinationen. Wir wären zum Beispiel gerne in Madrid, Mailand oder Florenz vertreten.
Der Konzern hinter »Miiro«
»InterGlobe Enterprises« ist ein indischer Reisekonzern und eines der führenden indischen Konglomerate. Die Gruppe ist hauptsächlich in der Luftfahrt und Hotellerie tätig und bekannt dafür, erfolgreich Unternehmen und Marken aufzubauen. Die bekannteste Tochtergesellschaft ist »IndiGo«, Indiens größte Fluggesellschaft. Darüber hinaus bietet »InterGlobe Enterprises« Dienstleistungen in den Bereichen Logistik, Airline-Management, Pilotenausbildung und Flugzeugwartung an. »Miiro Hotels« ist die europäische Lifestyle-Hotelmarke der Gruppe.
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