Luxus-Hideaways auf Mallorca: Die schönsten Rückzugsorte der Insel
Berüchtigt und doch unterschätzt – Mallorca, die größte der Baleareninseln, hat sich zu einem exklusiven Erholungsort gewandelt. Eine Neuentdeckung von luxuriösen Private Hideaways bis hin zum rauen Tramuntana-Gebirge.
Vom gewohnten Trubel ist jetzt in der Vorsaison auf Mallorca kaum etwas zu spüren – höchstens auf den Einkaufsmeilen der Hauptstadt. Doch der Rest der Insel dämmert keineswegs im Dornröschenschlaf dahin: Fleißige Handwerker sind derzeit von West nach Ost im Einsatz. Besonders sichtbar ist das bei der Ankunft am Flughafen, in den die Betreibergesellschaft Aena aktuell über 400 Millionen Euro investiert. Altes geht, Neues entsteht – allerorts hübscht sich die Insel auf, bereit, Residenten und Urlauber gleichermaßen mit neuen Ideen zu begeistern.
Dabei gewinnt der Traum, dass Mallorca zu einem neuen Ibiza, Sylt oder Mykonos heranwächst, zunehmend realistischere Züge. Besonders im Hochpreis- und Wohlfühlsegment ist Mallorca dabei, ganz oben in der Weltklasse mitzuspielen, wobei einer der neuesten Trends eigentlich ein alter ist – die Insel als exklusiver Rückzugsort.
Kann das inmitten des Massentourismus gelingen? 2024 war ein Jahr der Extreme auf den Balearen: Besucherrekord, Spitzenumsatz, Rekordzahlen bei den Passagieren am Flughafen Palma. 18,7 Millionen Urlauber kamen im Jahr 2024 auf die Inselgruppe, die meisten davon nach Mallorca. Über 120 Flughäfen weltweit bieten Direktflüge nach Palma an, 25 davon aus Deutschland, fünf aus Österreich und drei aus der Schweiz. Klingt nicht unbedingt nach Entspannung? Irrtum! Mittlerweile gibt es auf Mallorca unzählige Möglichkeiten, den Massen zu entfliehen und Ruhe zu genießen.
Auf den Spuren Chopins
Sie müssen es ja nicht gleich so machen wie Pianist Frédéric Chopin und Schriftstellerin George Sand: Das prominente Künstlerpaar verbrachte 1838 fernab der Zivilisation einen ganzen Winter im Kloster von Valdemossa. Sand glaubte, das Klima würde dem Wohlbefinden ihres lungenkranken Partners nutzen – das tat es nicht, wie sie in ihrem 1842 erschienenen Buch »Ein Winter auf Mallorca« beschrieb.
Wobei es auch ein abwegiger Gedanke ist, in einer winterkalt-feuchten Klosterzelle die Lösung für gesundheitliche Probleme zu suchen. »Bis 2019 waren die Residenten ständig unterwegs: jeden Tag ein anderes Restaurant, jeden Tag auswärts essen«, sagt der österreichische Starkoch Klaus Brunmayr.
Seit Corona wachse jedoch die Sehnsucht nach mehr Privatheit. 2020 machte sich der gelernte Sushimeister Brunmayr als Private Cook selbstständig. Als er damit auf Mallorca anfing, sagt er, gab es eine Handvoll Mitbewerber auf der gesamten Insel – heute, schätzt Brunmayr, sind es 300. Er gilt als der bekannteste.
Der 46-Jährige wurde 1999 zu einer Gastro-Berühmtheit auf der Insel, weil er als Erster den Parmesan-Laib nach Mallorca brachte. Damit machte er die Trüffelpasta zum Signature-Gericht des »Tristán«, des damals einzigen Zwei-Sterne-Restaurants der Insel. Zu Brunmayrs Klientel gehören Spitzensportler, Manager, Vorstände, Prominente – Menschen, die ihre Privatsphäre genießen wollen.
Er kocht auf gecharterten Yachten, in Villen, Fincas oder zu besonderen Events. Seine Freiheit ist die Abwechslung und Ungebundenheit: »Mit Corona haben die Menschen erkannt, wie schön sie es zu Hause haben. Auf der eigenen Terrasse – und sei sie auch nur gemietet.«
Wein und Wildnis
Dem würde Domenic Amat Kreft sicherlich zustimmen. Der 28-jährige Winzer steht auf dem Weingut »Terra Ión« inmitten der bewaldeten Hügel der Tramuntana und zeigt mit fröhlichem Stolz, was er und sein Team in den letzten zwei Jahren geschaffen haben: einen Ort gebirgiger Gemütlichkeit mitten im mallorquinischen Nichts.
Auf dem Anwesen, das sich aus einem Haupthaus und mehreren Nebengebäuden zusammensetzt, wird auf sechs Hektar Wein angebaut und gekeltert; ein großer Gemüse- und Kräutergarten steht für den Selbstversorgungscharakter der frisch renovierten Finca. Hier sollen fernab der Zivilisation neben Weinverköstigungen zukünftig Tagungen, Seminare, Kochkurse oder Hochzeiten inklusive Übernachtungen stattfinden. Die Buchungslage bestätigt die Idee: Rückzug als Trend.
Viele solcher Refugien sind in den Nach-Corona-Jahren entstanden. »The Private Hideaway« gehört zu den exklusivsten Anbietern auf der Insel und bietet moderne Designer-Fincas und Villen für acht bis zwölf Personen mit 24-Stunden-Full-Service. Das Motto: Grenzenloser Komfort. Kunden sollen sich über nichts den Kopf zerbrechen, alles wird organisiert: Shuttle, Golfplatz inklusive Ausrüstung, Fahrräder, Private Cook, Yacht, Restaurant- oder Show-Reservierungen, Hubschrauber.
Schlafen wie Richard Gere
Wer etwas mehr Gesellschaft um sich herum genießen möchte, findet in den High-End-Hotels der Insel die perfekte Alternative. Die Entwicklung im Fünf-Sterne-Segment auf Mallorca ist verblüffend: Gerade wurde etwa das Hotel »Four Seasons Formentor« im Norden der Insel nach jahrelangen Sanierungsarbeiten eingeweiht.
Dessen günstigstes Zimmer ist ungefähr so teuer wie eine Nacht in einem Private Hideaway (1.550 Euro) und lässt den Gast allerdings den Hauch der Geschichte schnuppern: Winston Churchill, Helmut Schmidt, Gary Cooper oder Charlie Chaplin checkten hier schon ein. Einer der ersten Besucher nach der Neueröffnung 2024 war Richard Gere.
Ein privates Hideaway hat auch Janina Zweig für sich und ihre Gäste erschaffen. Es liegt im noblen Puerto Portals und ist das kleinste Restaurant im Yachthafen. »Janina« bietet in erster Meereslinie gerade einmal Platz für 30 Gäste – eine echte Rarität auf Mallorca. Der Betrieb ist so klein, dass es nicht einmal ein Kühlhaus gibt. »Wir kaufen jeden Tag frisch ein«, sagt Zweig.
Für Gruppen ab zehn Personen wird das Restaurant zur geschlossenen Gesellschaft. Der »Master-Tisch« liegt unmittelbar neben der Kochstätte, und so verschmelzen im Laufe des Abends die Grenzen zwischen Koch, Kellner und Gast. Nach einer kulinarischen Reise durch die Küchen Japans, Thailands und Spaniens wird es zum Schluss bodenständig österreichisch: Kaiserschmarrn und Salzburger Nockerln schließen den Magen auf zünftige Weise.
Genug der Ruhe
Marlon Keller ist seit zehn Jahren Makler auf Mallorca. Der Düsseldorfer weiß, dass der Wunsch nach Ruhe auf der Insel kein Dauerzustand ist. »Zuerst wollen die Kunden ein Haus in erster Meereslinie, doch der nächtliche Blick in ein schwarzes Loch wird für manche mit der Zeit zur Belastung«, berichtet Keller. »Dann schwenken sie um auf eine Finca im Landesinneren, um festzustellen, dass so ein Anwesen sehr viel Arbeit macht. Die dritte und letzte Wahl fällt dann auf ein Stadthaus in Palma« – zurück in den Trubel. »Feiern, aber mit Stil« ist das Credo der Vereinigung »Palma Beach«.
Erfunden hat den Slogan Juan Miguel Ferrer, Präsident der Gastronomenvereinigung des balearischen Unternehmerverbands CAEB. Und damit möchte er wiedergutmachen, was sein Vater angerichtet hat: Toni Ferrer erfand 1979 die Bierstraße an der Playa de Palma. Der Senior brachte als Erster deutsches Fassbier auf die Insel und verkaufte es auf der Straße vor seiner »König Pilsener Stube«.
Für viele Mallorquiner eine Art Ursünde, die den Abgrund in den Exzess ebnete. Sohn Juan Miguel korrigierte den Weg 2015, sanierte die in die Jahre gekommenen Restaurants seines Vaters und zauberte wahre Schmuckstücke an den Ort, der im Volksmund Ballermann genannt wird. Sie heißen »Chalet Siena«, »Chiringuito«, »Bonito«, »Ginger« und »Bikkini Beach«.
Ferrer drehte an der Preisschraube, schockte mit einem Rührei für 14,50 Euro die Billig-Ballermänner. Doch seit »Palma Beach« hat sich die in die Jahre gekommene Playa de Palma mächtig gemausert. Sogar der umstrittenste Partykoloss der Insel passt sich den neuen Rahmenbedingungen an: In diesem Jahr wird der »Megapark« 25 Jahre alt– und investiert Millionen, um auch gehobenes Publikum zu begeistern.