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Heiße Quellen erinnern an den Vulkanismus, der die Landschaft in der Südoststeiermark einst mitgeprägt hat. Heute sind die Thermen gerade im Herbst beliebte Erholungsoasen.

Heiße Quellen erinnern an den Vulkanismus, der die Landschaft in der Südoststeiermark einst mitgeprägt hat. Heute sind die Thermen gerade im Herbst beliebte Erholungsoasen.
© STG / Gery Wolf

Wellness im Herbst: das Beste aus der Steiermark

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Der Herbst in der Steiermark vereint das warme Licht des Spätsommers mit den ersten Vorboten des Winters, der besonders am Morgen bereits seine kühlen Finger ausstreckt. Romantisch ist es allemal.

In der  Südsteiermark spricht der Herbst in der Sprache des Weins. Der Nebel sammelt sich in den Tallandschaften und kriecht nur langsam über die Hügelkanten, bis die Sonne durchbricht und die Trauben an den Stöcken im sanften Licht schimmern lässt. Die Blätter der Weinstöcke, Obstbäume und die kleinen Waldstücke mischen sich indes zu einem bunten Farbpotpourri, während die Keller der Weinbauern erfüllt sind vom Duft der Gärung.

Wein ist hier ein Archiv der Zeit: Die Trauben sammeln die Wärme des Sommers, mischen sie mit den Mineralien des Bodens; in den Fässern und Flaschen reifen sie zu komplexen Aromaspektren, die sie später im Glas wieder freigegeben.

Als Spiegelbild ihrer Heimat überzeugen die südsteirischen Weine mit würziger Frische und Dichte. Sie verbinden Regionalität und Geschmacksvielfalt mit dem Bewusstsein für den Moment und werden so in Kombination mit den engen, kurvigen Straßen zwischen den Zieladressen der Weinliebhaber zur Einladung zum Entschleunigen. Widerstand? Zwecklos.

Auch im »Loisium« in Ehrenhausen hat Stress Hausverbot, als wolle man dem Gast vermitteln: Der Moment ist vergänglich, doch er verdient Aufmerksamkeit. Wein wird hier nicht nur probiert, sondern räumlich erlebt. Jeder Schluck, jede Aussicht, jede Stunde im Spa sind damit Bausteine dieser Bewusstseinsbildung, die in der »Weinbank« von Gerhard Fuchs und Christian Zach im Ortszentrum ihre kulinarisch-vinophile Fortsetzung auf höchstem Niveau und noch dazu in Spaziergang-Nähe erfährt.

Nicht, dass etwas weiter im Osten der Herbst der Landschaft ein anderes Kleid anziehen würde – dennoch unterscheidet sich das Vulkanland in seinem geologischen Grundgerippe und damit in seiner Topo­grafie und dem Terroir wesentlich von den Weinbergen der Südsteiermark.

Uralte, erloschene Vulkankegel prägen die Böden voller Basalt und Tuff, die die geologische Geschichte der Region erzählen, und verleihen den hier wurzelnden Weinen eine robuste, hoch mineralische Note. Dazu kommen entlang der steirisch-burgenländischen Grenze Thermalwasservorkommen. Wie in Bad Waltersdorf, wo sich ein modernes Zentrum für ganzheitlichen Gesundheitstourismus entwickelt hat. Insgesamt ist die Region in den letzten vier Jahrzehnten zu einer Ganzjahresdestination für Wasser-, Wellness- und Wein-Aficionados herangewachsen.

Im satten Herbstlicht entfaltet die Südsteiermark ihren besonderen Reiz. Die Weingärten wirken noch idyllischer, der Horizont noch weiter, die Entschleunigung noch greifbarer.
© Shutterstock
Im satten Herbstlicht entfaltet die Südsteiermark ihren besonderen Reiz. Die Weingärten wirken noch idyllischer, der Horizont noch weiter, die Entschleunigung noch greifbarer.

Zeit der Ernte

Man setzt auf die Verbindung von Rebe und Regeneration. Serviert wird ein Gesamtangebot: am Vormittag die Therme, am Nachmittag ein Ausflug zu den Schlössern der Region oder auf einen der Golfplätze, dazu ein dichtes Rad- und Wanderwegenetz, das die Umgebung überspannt. Das Thermenland bleibt so kein einzelner Punkt auf der Karte, sondern ein delikates Gewebe aus Geologie, Geschichte und Genuss – nicht nur, aber gerade auch im Herbst, wenn im goldenen Licht der tief stehenden Sonne das Land an Weite gewinnt und in den Weingärten und auf den Feldern die Ernte der letzten Monate eingefahren wird.

Es sind Stunden und Tage harter Handarbeit, auf die im Verlauf der kommenden Herbstwochen in den Lebensmittelmanufakturen der Region die Veredelung folgt. Die Speisekarten sind mit heimischen Produkten entsprechend gut gefüllt. Zwischen Klöch, St. Anna am Aigen, Riegersburg und Kapfenstein sind die Sortenvielfalt und Qualität des regionalen Weinangebots hoch, die Dichte an kulinarischen Spezialitäten erstaunlich und die Möglichkeiten, den steirischen Herbst zu genießen, vielfältig.

So wartet mit dem »Rogner Bad Blumau« eine architektonisch extravagante Thermendestination, die auf urzeitliche Heilquellen aus einem unterirdischen Urmeer aufbaut. Über der Erdoberfläche hat Friedensreich Hundertwasser eine farbenfrohe und fantasiereiche Architektur geschaffen, die als Kulisse für ein umfassendes Wellnessangebot dient.

Das Unikat ist auch über die »WellCard« buchbar – einer Eintrittskarte in rund 30 Thermen in Österreich. Von der größten Therme des Landes in Bad Loipersdorf bis zur Therme Wien und dem Tauern Spa in Kaprun/Zell am See sind die wichtigsten Thermen des Landes unter diesem Vermarktungsdach vereint. Auch dabei: das »Asia Hotel und Spa« in Leoben. Im hauseigenen Restaurant »Feinschliff« sorgt Raphael Schlager für neudefinierte Klassiker der heimischen Küche, während sich draußen im vor 17 Jahren mit Referenz an die chinesische Partnerstadt Xuzhou und die Schlichtheit der asiatischen Gartentradition angelegten Parkareal die Blätter der Bäume langsam verfärben und von den Ästen verabschieden. 

Wie auch etwas weiter östlich im Almenland legt sich in diesen voralpinen Regionen der Herbst wie ein wohliger Schal übers Land. Er wärmt noch die Haut, während die Luft schon klar und kühl ist und in den Hochlagen auch schon der Winter erste Schneegrüße schicken kann. Gegen deren nachhaltige Konservierung wehren sich zumindest die Monate September und Oktober aber mit aller Entschlossenheit – und großzügigen Sonnenfenstern. Sie geben den Blick frei auf ein Mosaik aus sattem Gold, tiefem Rot, warmen Braun- und dunklen Grüntönen, was die sanftwelligen Kuppen rund um das »Hotel Pierer« auf der Teichalm wie ein Werk eines impressionistischen Landschaftsmalers erscheinen lässt. Die Straße aufs Hochplateau schlängelt sich durch Wälder, in denen die Sonne wie flüssiger Honig durch das Laub tropft. 

Aussee im Herbst

Ähnliche Eindrücke sammeln lassen sich bei einem Spaziergang rund um den Altausseer See. Wenn das Wasser das Herbstlicht zurückwirft wie ein poliertes Silberblech und man den umgebenden Bergen zusieht, wie sie langsam in den Wolken verschwinden, findet man seinen Herzschlag recht zügig im Status »Ruhepuls«. Keine Erstentdeckung.

Die damalige Villa Wágner, 1880 direkt am Ufer erbaut, wurde schon zu Zeiten der Monarchie schnell zum Rückzugsort für Sommerfrischler und Musikliebhaber, Literaten und Wissenschaftler. Heute firmiert das Haus unter »Hotel Seevilla«. Die Aura ist geblieben. Ein Frühstück auf der Terrasse, das leise Klatschen der Ruder eines Fischerboots am See, die monströsen Felswände als stiller Hintergrund – Altaussee im Herbst liefert ein Bild alter Eleganz. Und zeitloser Erholung. 

Sicherer Hafen für Genuss Suchende: Die »Seevilla« am Altausseer See.
© Seevilla Altaussee / Karl Steinegger
Sicherer Hafen für Genuss Suchende: Die »Seevilla« am Altausseer See.

Neues und Bewährtes

Raus aus dem Ausseerland wechselt die Landschaft ihre Tonlage. Bereits am Fuße des Grimmings bei Bad Mitterndorf lockt der »Aldiana Club Salzkammergut« mit einer Verbindung von Aktivität und Wellness. Hier verschränken sich Bewegung und Entspannung wie zwei Stimmen im Duett: morgens ein Lauf durch die taufeuchten Wiesen, nachmittags ein Eintauchen in die warme Therme. Die Berge ringsum wachen wie alte Riesen, und manchmal, wenn der Himmel klar ist, scheinen sie den Reisenden anzulächeln.

Weiter im Westen hat sich die Region rund um die Wintersportmetropole Schladming als ein Terrain für Gipfelstürmer, Mountainbiker und Wanderer etabliert – auch im Herbst, wenn die Wälder glühen, es nach feuchtem Moos und Laub riecht und man dem Rascheln der herabfallenden Blätter zuhören kann.

Mit den »Chalets Coburg« ist seit Kurzem ein neues, zentral gelegenes Boutiquehotel geöffnet, das mit 21 Appartements für ein exklusives Wohnvergnügen sorgt. Nicht weit entfernt liegt mit dem Natur- und Wellnesshotel »Höflehner« ein Haus, das sich in den letzten Jahren zu einem Leuchtturm in Sachen 360-Grad-Wellness entwickelt hat. Der Blick aus dem Pool reicht weit hinein ins Ennstal und hinauf auf die Silhouette des Dachstein-massivs, kantig, weiß und grau.

Einen scharfen Kontrapunkt setzt Graz. Die Landeshauptstadt ist ein eigener Kosmos: Auf engstem Raum treffen sich Renaissance-Innenhöfe und futuristische Architektur wie Kunsthaus und Murinsel, ein urbaner Rhythmus und Kastanien, die wie kleine Trommelschläge auf den Boden fallen, üppige Barockkirchen und urige Bauernmärkte – wer hier einkauft, trägt den Herbst in einer Tasche nach Hause.

Die Steiermark spielt in dieser Zeit des Jahres ihre vielleicht größte Stärke aus: Sie verdichtet Einzelteile zu einem Resonanzraum, sie schafft nahtlose Übergänge zwischen hohen Gipfeln, sanften Hügellandschaften, zwischen körperlichen Aktivitäten und kulinarischen Kostbarkeiten, zwischen traditionellen Wellness-Anwendungen und modernem Spa-Design, zwischen Altstadtgassen und Weinstockzeilen, zwischen Sonne und Licht, warmem Wasser und kühler Luft. Die Steiermark im Herbst wirkt wie ein Loungemöbel, auf dem der Sommer Feierabend macht und sich der Winter langsam auf sich selbst einstimmt.


Erschienen in
Falstaff Magazin Österreich Nr. 7/2025

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Klaus Höfler
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