Laut Studie denken 52 Prozent der Deutschen ans Auswandern
Ein Leben im Ausland können sich viele vorstellen: Eine aktuelle Umfrage in vier europäischen Ländern zeigt, welche Destinationen bei Auswanderungswilligen besonders beliebt sind – und warum das klassische Expat-Leben zunehmend einem flexibleren Lebensmodell weicht.
Ein Leben im Ausland ist für viele längst mehr als ein Traum. Eine aktuelle Umfrage des deutschen Versicherers »Feather« zeigt: Fast die Hälfte der Befragten in Europa kann sich vorstellen, künftig in einem anderen Land zu leben. Das favorisierte Land für die Auswanderung ist auch ein beliebtes Urlaubsziel.
Der Versicherer hatte 2.000 Erwachsene in Deutschland, Frankreich, Italien und dem Vereinigten Königreich befragt. Besonders ausgeprägt ist demnach der Wunsch im Ausland zu leben in Frankreich (57 Prozent der Befragten). Es folgen Deutschland (52 Prozent), Italien (49 Prozent) und das Vereinigte Königreich (48 Prozent). Lediglich rund jede zehnte befragte Person schließt einen Umzug kategorisch aus. 28 Prozent der Befragten planen die Auswanderung sogar bereits oder bereiten sie aktiv vor.
Steigende Lebenshaltungskosten als Beweggrund
Als Hauptgrund für den Wunsch nach einem Leben im Ausland nennen die Befragten die steigenden Lebenshaltungskosten. Besonders häufig wird dieser Faktor im Vereinigten Königreich (53 Prozent) genannt, gefolgt von Frankreich (48 Prozent), Deutschland (43 Prozent) und Italien (32 Prozent).
Daneben unterscheiden sich die Beweggründe deutlich: Während Brit:innen vor allem auf niedrigere Lebenshaltungskosten hoffen, legen französische Auswandernde den größten Wert auf eine höhere Lebensqualität. In Deutschland halten sich beide Motive die Waage. Für Italiener:innen stehen hingegen berufliche Perspektiven und eine bessere Work-Life-Balance stärker im Vordergrund als in den übrigen Ländern.
Wohin auswandern?
Bei den bevorzugten Zielländern zeigt sich ein klarer Favorit: Spanien führt das Ranking in mehreren Ländern an. So stellt für Brit:innen (24 Prozent) und Italiener:innen (20 Prozent) das südeuropäische Land die erste Wahl dar. Auch bei Französ:innen (16 Prozent) und Deutschen (12 Prozent) gehört Spanien zu den beliebtesten Zielen.
Die Top-Favoriten unterscheiden sich dennoch je nach Herkunftsland. Französische Auswandernde bevorzugen Kanada (17 Prozent), während es die Deutschen vor allem nach Österreich (17 Prozent) zieht. Weitere beliebte Länder für die Auswanderung Kanada, Portugal, die Schweiz, Italien, Australien und Neuseeland.
Abseits des Overtourismus auch beim Auswandern
Künftig wird, so der Versicherer, nicht mehr allein die Frage nach Sonne und schöner Landschaft entscheidend sein. Wichtiger würden Faktoren wie Lebensqualität, Erschwinglichkeit, Gesundheitsversorgung, Klimabeständigkeit, Infrastruktur und der Zugang zur Natur. Länder wie Kanada, Australien, Neuseeland oder Portugal könnten deshalb weiter an Attraktivität gewinnen. Auch Slowenien, Montenegro und Kroatien gelten als aufstrebende Ziele für alle, die mediterranes Lebensgefühl mit geringeren Lebenshaltungskosten verbinden möchten.
Die klassischen Favoriten Spanien, Frankreich und Italien dürften dennoch gefragt bleiben. Allerdings zeichnet sich laut der Studie ein Wandel ab: Statt der bekannten Hotspots rücken zunehmend kleinere Städte, ländliche Regionen und kühlere Landesteile in den Fokus. Für viele steht heute nicht mehr der schönste Urlaubsort im Mittelpunkt, sondern die Frage, wo sich dauerhaft die höchste Lebensqualität erreichen lässt.
Der Trend geht zum »Semi-Pat«
Neben den bevorzugten Zielländern verändert sich auch die Art des Auswanderns. Anstelle eines dauerhaften Neuanfangs gewinnt ein flexibler Lebensstil an Bedeutung. Der Trend geht zum »Semi-Pat« statt einer klassischen Expat-Erfahrung: Menschen verbringen mehrere Monate im Jahr an verschiedenen Orten, arbeiten ortsunabhängig und verlagern ihren Lebensmittelpunkt je nach Lebensphase oder Saison.