Zum Inhalt springen
© Getty Images

Steuer, Sonne, Immobilien: Hier leben Milliardäre

Immobilien
INVESTMENT
Reise

Wer genug Geld hat, kann überall leben. Die Frage ist nur: Wo kostet es am wenigsten, genug Geld zu haben? Diese Frage beschäftigt gerade mehr Milliardär:innen als je zuvor.

Jeff Bezos verlegte seinen Wohnsitz im November 2023 nach Miami, Steuer­ersparnis: geschätzt 610 Millionen Dollar. Ken Griffin verlegte 2022 seinen Hedgefonds Citadel von Chicago nach Florida, Tom Brady, Ivanka Trump, Larry Ellison folgten. Larry Page und Sergey Brin verließen Kalifornien noch vor Jahresbeginn 2026, als dort eine Vermögensteuer drohte, die sie zusammen rund 25 Milliarden Dollar gekostet hätte. Florida hingegen hat keine Einkommensteuer – neben der Sonne ein guter Grund für einen Umzug…

Diese Promi-Namen sind aber nur ein Teil einer globalen Bewegung, die gerade Rekorde bricht. Nach Daten von Henley & Partners zogen 2025 weltweit rund 142.000 Millionäre ihren Wohnsitz um, mehr als je zuvor. Die größten Verlierer: Großbritannien mit 16.500 abgewanderten Millionären, China mit 15.200. Die Gewinner: VAE, USA, Italien, Schweiz.

Die Schweiz

Wo Google, OpenAI, Meta und Nvidia Büros eröffnen, zieht auch neues Kapital hin. »Silicon Limmat« nennen manche den neuen Tech-Hub am See in Zürich, der eine junge, internationale Gründereliteanzieht.

© Getty Images

Original, Bummvoll und andere Werte

Rund 40 Prozent der etwa 39.000 Einwoh­ner:innen Monacos sind Millionäre, das durchschnittliche Nettovermögen liegt bei über 20 Millionen Dollar pro Kopf. Keine Einkommensteuer, keine Kapitalertragsteuer – Monaco bleibt beim Geldadel beliebt, es ist halt bummvoll. Immo Quadratmeterpreise von 50.000 bis über 100.000 Euro regulieren den Zugang effektiver als jede Bürokratie. Der Unterschied zur neuen Konkurrenz: Monaco ist das Ziel der alten Reichen, nichts für die jüngere, techaffinere Generation.

Die Kriterien haben sich verschoben. Früher reichte eine Adresse in einem Niedrigsteuerland. Heute wird differenzierter gerechnet: Welche Art von Einkommen? Wie strukturiert? Wie oft tatsächlich vor Ort? Die konkreten Steuerregeln hängen fast immer von Steuerwohnsitz, Staatsangehörigkeit, Einkunftsart und der Strukturierung der eigenen Vermögenswerte ab. Was folgt, beschreibt die typische Grundlogik, nicht jeden Einzelfall.

Lange der heißeste Tipp: Dubai. Keine Einkommensteuer, keine Kapitalertragsteuer, kein Erbe. Das Golden Visa ist ab rund 550.000 Euro Immobilieninvestment erhältlich. Aber Dubai verändert sich schneller, als viele wahrhaben wollen. Die Emirate haben sich dem OECD-Krypto-Meldeprogramm angeschlossen, Transaktionsdaten fließen automatisch zwischen Behörden. Das Bild der totalen Steuerfreiheit und regulatorischen Lässigkeit stimmt so nicht mehr. Und die erhoffte Sicherheit steht unter einem fetten Fragezeichen.

Monaco

Rund 40 Prozent der knapp 39.000 Einwohner:innen sind Millionär:innen. Keine Einkommens-, keine Kapitalertragsteuer, 300 Sonnentage jährlich. Der Preis für diese Privilegien: 50.000 bis 100.000 Euro pro Quadratmeter.

© Getty Images

Italien ist das unerwartete Star-Angebot Europas. Wer mindestens neun der zehn vorangegangenen Jahre nicht in Italien steuerpflichtig war, kann alle ausländischen Einkünfte pauschal ver­steuern, unabhängig von ihrer Höhe. Fixbetrag: 300.000 Euro jährlich, gültig für 15 Jahre. Jedes Familienmitglied zahlt 50.000 Euro dazu. Wer eine Mil­liarde Dollar in US-Aktien hält und 50 Millionen Dollar Dividenden kassiert, zahlt also 300.000 Euro Steuer. In Deutschland oder Österreich wäre es ein Vielfaches. Seit Abschaffung des britischen Non-Dom-Regimes ist die Nachfrage stark gestiegen. Quadratmeterpreise in Mailand: 12.000 bis 20.000 Euro in Toplagen.

Die Schweiz ist altbekannt, aber Zürich ist eine andere Stadt geworden. Google betreibt hier mit über 5.000 Mitarbeiter:innen sein größtes Forschungszentrum außerhalb der USA, OpenAI, Meta, Microsoft und Nvidia haben in den letzten zwei Jahren Büros er­öffnet. Der Spitzname »Silicon Limmat« ist halb ironisch, aber nicht ganz falsch. Das zieht eine neue Generation an: Tech-Gründer und KI-Forscher, die international denken, aber europäisch leben wollen. In vielen Kantonen, etwa Zug, Genf oder Waadt, können wohlhabende Ausländer, die hier wohnen aber nicht arbeiten, eine Pauschalbe­steuerung be­antragen: Besteuert wird dann der Lebens­aufwand, mindestens aber das Fünffache der Jahresmiete, nicht das tatsächliche Einkommen.

Italien

Italiens Flat-Tax-Regime für Zuzüger macht »la dolce vita« auch steuerlich attraktiv. Wer neu anreist, versteuert ausländische Einkünfte pauschal, unabhängig von ihrer Höhe, für bis zu 15 Jahre.

© Getty Images

Asien, konkret Singapur, bleibt das bevorzugte Ziel für Vermögende mit Fokus auf den pazifischen Raum. Ausländische Kapitalerträge sind dort nicht steuerpflichtig, die Einkommensteuer ist gedeckelt bei 24 Prozent. Das Global Investor Programme bietet Daueraufenthaltsrecht ab einer Investition von zehn Millionen Singapur-Dollar. Hongkong legte 2024 ein eigenes Programm auf, Japan gewinnt an Zugkraft, Thailand hat sein Elite Visa auf über 58.000 aktive Mitglieder
ausgebaut.

Milliarden Kriterien

Für 2026 werden 165.000 Milliardärs-Umzüge prognostiziert. Ihre Entscheidung wohin, ist keine leichte, viele Dinge spielen eine Rolle. Nur die Anzahl der Sonnenstunden ist jedenfalls das falsche Kriterium, wenn dabei die Milliarden zu schmelzen beginnen


Erschienen in
Falstaff Residences 01/2026

Zum Magazin

Heimo Rollett
Heimo Rollett
Print-Redakteur
Mehr zum Thema
1 / 11