Neustart und Umbau
Langweilig wird es 2026 nicht in der österreichischen Immobilienwelt. Besondere Fortschritte sind in der Quartiersentwicklung und bei komplexen Sanierungen und Adaptierung zu erwarten. Aber auch der Hochhaus-Boom ist noch nicht ganz zu Ende.
Er war der wohl berühmteste Rohbau Österreichs – und auch der kurzlebigste. Das als SIGNA-Projekt gestartete Kaufhaus Lamarr an der Mariahilfer Straße in Wien hatte schon die Dachgleiche erreicht, als René Benkos labyrinthisches Imperium zusammenfiel.
Nachdem die Stumpf Real Estate Group das Grundstück inklusive Bauruine erwarb, kam es zur Umplanung: kein Kaufhaus, sondern Handel und Wohnen. Also wurden die frisch betonierten oberen Geschoße im Herbst 2025 wieder abgebrochen. 2026 folgt der Neustart, mit Soyka/Silber/Soyka als Projektarchitekten und Martin Kohlbauer, der den Fassadenwettbewerb gewann. Der Entwurf von OMA Rem Koolhaas ist damit ad acta gelegt.
Grün und zentral
Mit "Inside Out" auf dem Bauplatz 4–6 steht eines der ersten Projekte am Nordwestbahnhof-Areal bereits in den Startlöchern.
dtflr.com
Aufregend hybrid
Für viele war das Projekt ein Symbol der Investoren-Hybris, aber es blieb gottlob eine Ausnahmeerscheinung. Denn andere Großprojekte in Österreich verlaufen in gesitteten Bahnen. Das heißt nicht, dass die Abrissbirne in der Garage bleibt. Sie wird nur mit mehr Feingefühl gehandhabt. Denn in Zeiten von Green Deal und akutem CO2-Bilanz-Bewusstsein wird nicht mehr sorglos auf Komplettabriss und Komplettneubau gesetzt.
Ein spektakuläres Beispiel für einen aufregenden Hybrid aus Alt und Neu wird ab Frühjahr 2026 in Innsbruck zu besichtigen sein: Das RAIQA zwischen Bahnhof und Altstadt. Das Raiffeisen-Quartier soll ein lebendiger öffentlicher Ort werden, mit Büros, Shops, Hotel, Restaurant und Sky-Bar.
Fast zurück auf null
Nach der SIGNA-Pleite wurde das Kaufhaus Lamarr zu den Akten gelegt und der Rohbau abgebrochen. Jetzt baut die Stumpf Real Estate Group hier einen Mix aus Handel und Wohnen.
stumpf.at
Das Besondere: Im Kern des Komplexes wurde die Stahlbetonstruktur der alten Raiffeisen-Landesbank erhalten und dient künftig als Identitätsmarker mit räumlichem Wow-Effekt – dank der Entwurfsideen von Pichler & Traupmann Architekten.
Die ersten Mieter:innen sind bereits eingezogen, weitere folgen in den nächsten Monaten. Ein Großteil der Flächen ist schon vermietet, der Fokus liegt auf regionalen Unternehmen.
Tanz der Terrassen
Fast fertig bebaut ist das Wiener Nordbahnhof-Quartier. Besonders einladend geriet der Wohnbau von Querkraft Architekten für MIGRA.
querkraft.at
Neue Parks
Während in Innsbruck gefeiert wird, wird in Linz ein Spatenstich erfolgen – und auch hier wird zuerst abgebrochen. Das Areal des ehemaligen Postverteilzentrums in idealer Lage neben dem Hauptbahnhof startet dann seine Verwandlung in die Post City Gardens.
Bis 2034 entsteht hier ein Ensemble aus elf Bauten für Wohnungen, Büros, Geschäftsflächen, ein Ärzt:innenzentrum und ein Hotel um das namensgebende Zentrum aus 6.000 Quadratmetern öffentlich zugänglicher Grünflächen und Parks. Nach dem Abbruch soll 2027 der Baustart für Phase 1 mit vier Gebäuden erfolgen – "abhängig von der Konjunktur", wie es vorsichtig heißt. Die Phase 2 startet voraussichtlich 2029 oder 2030.
Dichte Packung
Auf dem Areal des ehemaligen Postverteilzentrum am Linzer Hauptbahnhof entstehen ab 2026 die Post City Gardens.
post-city-gardens.at
Voll im Plan ist man bei der Quartiersentwicklung in Wien, hier steht 2026 mit dem Baubeginn für das Nordwestbahnhof-Areal das letzte große innerstädtische Entwicklungsgebiet vor dem Startschuss. Bis 2035 schaffen die Stadt Wien und die ÖBB die Grundlagen für rund 6.500 freifinanzierte, geförderte und kommunale Wohnungen und 4.700 Arbeitsplätze. Vier Standorte sind für Hochhäuser vorgesehen.
Die ersten Abbrüche der Bahninfrastruktur sind schon erfolgt, die Bauträgerwettbewerbe für die ersten Baufelder entschieden, die sich beidseitig eines langgezogenen Parks erstrecken werden. Neben Wohnen und Arbeiten werden hier auch kulturelle Einrichtungen von Anfang an eingebunden.
Relativ neu ist die frühzeitige Einbindung des Qualitätbeirats, den die Stadt Wien speziell für die Koordination von Quartiersentwicklungen eingerichtet hat.
Neues Bindeglied
Das RAIQA zwischen Bahnhof und Altstadt in Innsbruck wird Anfang 2026 eröffnet. Die Konstruktion der alten Raiffeisen-Zentrale wurde im Inneren erhalten und adaptiert.
dasraiqa.tirol
Kräne im Himmel
Nicht nur in die Breite und in die Tiefe, auch in die Höhe wird die heimische Immobilienwelt 2026 wachsen, wenn auch nicht so himmelstürmend wie in der Goldgräberstimmung der Niedrigzinsära. Besonders turmaffin hat sich in den letzten Jahren Linz erwiesen, dort wird Anfang 2026 der 109 Meter hohe Quadrill Tower am Areal der Tabakfabrik eröffnet, darin finden das "Arcotel Tabakfabrik" mit neun Geschoßen sowie 16 Etagen Büros Platz. Auch danach werden sich im Linzer Himmel die Kräne drehen: Gut zehn weitere Hochhäuser sind in Planung.
In Wien steht mit dem DC Tower 2 der letzte Turm auf der Donauplatte kurz vor der Fertigstellung. Etwas weiter flussabwärts wartet schon seit einer Weile der Timber Marina Tower auf seinen Baubeginn, der im ersten Quartal 2026 erfolgen soll. Hier haben UBM mit DC-Tower-1-Architekt Dominique Perrault ein spektakuläres Holzhochhaus konzipiert – eine Baustelle wie keine andere. Kurz: Langweilig wird es 2026 nicht werden.