Vorschau: Der Immobilienmarkt 2026 in Österreich
Der österreichische Immobilienmarkt startet 2026 mit frischen Signalen: Investor:innen kehren zurück, der Wohnmarkt stabilisiert sich und der Blick richtet sich wieder nach vorne. Trotz Engpässen zeigt der Markt erstmals seit Jahren klare und anhaltende Erholungstendenzen.
Aufatmen bei Wohnungssuchenden, Bauträger:innen, Investor:innen und bei der ganzen Volkswirtschaft: Die Immobilienbranche startete 2026 mit leichtem Rückenwind. »2026 wird für die Immobilienwirtschaft ein Jahr der Neuorientierung und Professionalisierung«, analysiert der Fachverbandsobmann der Immobilientreuhänder Roman Oberndorfer.
Wir erwarten uns finanzierungsseitig ein günstiges Umfeld für Kreditnehmer.
– Günther Artner, ERSTE Group
Und ja, Nachhaltigkeit bleibt auch heuer eines der wichtigsten Themen, »weil Klimakrise, Ressourcenknappheit und soziale Spannungen den Handlungsdruck weiter erhöhen«, erklärt der Geschäftsführer der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI), Peter Engert. Weiters nennt er Suffizienz (»weniger, aber besser bauen«), Resilienz (»robuste Gebäude und Quartiere«) und die »serielle Sanierung als zentrale Hebel für den Bestand« als wesentliche Faktoren.
Engpass und Erholung
Aber wie entwickelt sich nun der Markt? »2026 wird uns einige neue Baustarts und Fertigstellungen bringen. Das ist gut und wichtig und wird den Markt gewissermaßen ankurbeln, wenngleich wir wissen, dass die Anzahl der Wohnungen, die dadurch entstehen, die starke Nachfrage nach Wohnraum nicht decken wird«, erklärt BUWOG Geschäftsführer Andreas Holler. Innovationen könnten einen Beitrag leisten, den Neubau anzukurbeln. Holler: »So haben wir Ende 2025 den Bau des Südtiroler Quartiers begonnen, das in serieller Modulbauweise realisiert wird.«
»DC2«
Ende des Jahres soll der von Dominique Perrault entworfene Turm endgültig fertig sein und die Wiener Skyline vervollständigen. sb-gruppe.at
Michael Ehlmaier, EHL, geht von einem fragmentierten Immobilienmarkt aus, wo etliche Marktteilnehmer:innen nach wie vor mit ernsten Herausforderungen konfrontiert sein werden, andere aber bereits von steigenden Preisen profitieren. »Der Höhepunkt der Insolvenzwelle dürfte überwunden sein, die Folgen werden uns aber 2026 noch begleiten«, so Ehlmaier. Fest steht, dass die Nachfrage hoch bleibt, wie Maklerin Ulrike List (Bestlist Immobilien) bestätigt: »Diese Dynamik wird primär durch den anhaltenden Zuzug, begrenzte Neubautätigkeit und demografische Entwicklungen getragen, vor allem in Wien, Graz und Innsbruck. Selbst in moderateren Regionen zeigt sich das Nachfrageplus – einzig Kärnten verzeichnet einen leichten Rückgang.«
ÖRAG-Vorstand Stefan Brezovich ergänzt, dass Eigentumswohnungen schon 2025 stärker nachgefragt waren als in den schwachen Jahren davor: »Dieser Trend wird sich fortsetzen. Einerseits sind die Löhne in den letzten Jahren deutlich gestiegen, während die Kaufpreise sich kaum verändert haben – die Leistbarkeit hat sich somit im Vergleich zu den Vorjahren etwas verbessert. Das Zinsniveau hat sich in einer vernünftigen Höhe stabilisiert, was den Eigentumsmarkt ebenso stützt.«
»Grace«
Sorgsam revitalisiertes Altbau-Wohnprojekt mit 33 englisch-inspirierten Apartments im Herzen des 3. Wiener Bezirks. crownd.at
Apropos Zinsen: Nach Jahren der Unsicherheit entspannt sich nun auch die Lage auf den Finanzierungsmärkten. Günther Artner, ERSTE Group: »Wir erwarten uns finanzierungsseitig ein günstiges Umfeld für Kreditnehmer:innen. Die meisten Banken verfügen über eine ausgezeichnete Kapitalausstattung und speziell im Gewerbeimmobiliensektor steigt aus unserer Sicht der Appetit auf Finanzierungen in diesem Sektor.« Eine große Änderung in der Zinsentwicklung sei heuer nicht zu erwarten.
2026 werden uns Suffizienz, Resilienz und die serielle Sanierung als zentraler Hebel für den Bestand beschäftigen.
– Peter Engert - ÖGNI
Und was passiert in den anderen Bereichen der Immobilienwirtschaft? Im Facility Management wandelt sich die Rolle der Betreiber:innen. Doris Bele und Mikis Waschl von den Verbänden FMA bzw. IFMA betonen: »Zukunftsträchtige FM-Lösungen sind technologiegestützt (IoT, CAFM, KI, Daten-Dashboards) und klar an Unternehmenszielen ausgerichtet, so wandelt sich FM vom Unterstützer zum strategischen Wertschöpfer für Dekarbonisierung, Nutzererlebnis und Resilienz.«
Auch die Arbeitswelt verändert sich, wie Michael Freitag von Sodexo erklärt: »Hybrides Arbeiten bleibt, aber die Funktion des Büros wandelt sich radikal: vom reinen Arbeitsort zum Begegnungsraum mit flexiblen und menschenzentrierten Flächen. Dabei geht es nicht nur um Quadratmeter-Effizienz, sondern zunehmend um Rückzugsorte, Ruhezonen und Räume, die mentale Gesundheit aktiv fördern.« Fest steht also: die Veränderung bleibt – aber sie ist absehbar. Immerhin.