Vom Rohrlager zum Architekturkonzept: Das »Gambit Office«
KWK Promes verbindet für Gambit Systems in Gliwice Büro, Werkstatt und Lager in einer ungewöhnlichen Geometrie. Wir zeigen das Konzept hinter dem »Gambit Office«.
Wie lässt sich die Identität eines Unternehmens vermitteln, ohne auf plakative Zeichen zurückzugreifen? Für Gambit Systems entwickelte das polnische Architekturbüro KWK Promes in Gliwice einen Firmenstandort, dessen Form unmittelbar aus dem Kerngeschäft des Rohrhändlers hervorgeht. Die Silhouette erinnert an übereinandergestapelte Rohre und verbindet die unterschiedlichen Arbeitsbereiche zu einem zusammenhängenden Entwurf.
Ein Stapel Rohre als Ausgangspunkt
Den Ausgangspunkt bildete die Vorgabe, ein repräsentatives Büro- und Lagergebäude mit möglichst begrenztem Budget zu realisieren. Das Architekurstudio griff dafür auf ein vertrautes Bild aus dem Arbeitsalltag des Unternehmens zurück. Die Anordnung gestapelter Rohre bestimmte die Neigung des Daches und prägte die gesamte Geometrie. Der zweigeschossige Bürobereich, die niedrigere Werkstatt und die höhere Lagerhalle bleiben als eigenständige Volumen erkennbar, sind architektonisch jedoch eng miteinander verbunden.
Auch die Umgebung floss in den Entwurf ein. Auf dem Grundstück stand zuvor eine rechteckige Produktionshalle, während das angrenzende Wohngebiet von Häusern mit steilen Dächern und langgezogenen Nebengebäuden geprägt ist. Zur Straße bildet der Neubau eine geschlossene Kante. Auf der dem Wohnviertel zugewandten Seite löst sich das Volumen dagegen stärker auf und nimmt die kleinteiligere Struktur der Nachbarschaft auf.
Ursprünglich sollten Rohre aus dem Sortiment von Gambit die Gebäudehülle bilden. Da diese für den Einsatz unter der Erde entwickelt wurden, erwiesen sie sich jedoch als ungeeignet. Unter UV-Einstrahlung wären sie oxidiert, zudem erfüllten sie die geltenden Brandschutzanforderungen nicht. KWK Promes übertrug die gestalterische Idee deshalb auf unbehandeltes Aluminiumblech. Das robuste Material ist kostengünstig, pflegeleicht und entwickelt mit der Zeit eine matte Patina, die der Fassade einen beinahe betonartigen Ausdruck verleiht.
Der industrielle Charakter setzt sich in den Innenräumen konsequent fort. Sichtbeton bestimmt Wände, Decken und Treppen, während raumhohe Verglasungen Arbeits- und Besprechungsbereiche voneinander trennen, ohne die räumlichen Zusammenhänge zu unterbrechen. Besonders auffällig ist die diagonal durch den offenen Bürobereich geführte Betonstruktur, die Konstruktion und Raumgestaltung unmittelbar miteinander verbindet. Dunkle Einbauten und eine zurückhaltende Möblierung ergänzen die graue Materialpalette, einzelne Pflanzen und der Blick in den Garten setzen einen bewussten Kontrast. Im zentralen Treppenraum fällt Tageslicht über die Oberlichter tief in das Gebäude und hebt die klare Geometrie des Entwurfs hervor.
Bei vergleichbaren Gewerbebauten wird ein repräsentativer Bürotrakt häufig an eine funktionale Lagerhalle angefügt. Das Gambit Office verfolgt einen anderen Ansatz. Sämtliche Gebäudeteile folgen derselben formalen und materiellen Idee, obwohl sie unterschiedliche Aufgaben erfüllen. KWK Promes zeigt damit, wie aus wirtschaftlichen Vorgaben eine eigenständige architektonische Lösung entstehen kann.
Projekt: Gambit Office
Ort: Gliwice, Polen
Architektur: Robert Konieczny und Michał Lisiński, KWK Promes
Innenraum und Landschaftsplanung: KWK Promes
Auftraggeber: Gambit Systems
Grundstücksfläche: 3.043,81 Quadratmeter
Bruttogeschossfläche: 1.182,2 Quadratmeter
Entwurf: 2013
Fertigstellung: 2024
Fotografie: Juliusz Sokołowski / v2com-newswire.com