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ICONOMY: DESIGN-ICONS UNTER 100 MIT RIESS

Produktdesign

Wird’s draußen langsam kalt, wirkt heißer Tee wahre Wunder als Wärmespender. Mit dem legendären Flötenkessel der österreichischen Emaille-Manufaktur Riess bringt man das ­Wasser schnell, energieeffizient und ungemein stilvoll zum Kochen.

Wasserkessel sind eine ziemlich archetypische Angelegenheit. Üblicherweise sind sie dickbauchig, haben oben eine Öffnung, wo man Wasser eingießt, einen Henkel, um sie zu halten, und vorne einen Schnabel, um das heiße Wasser wieder auszugießen. Über die Jahrhunderte wurde an dieser Formen­sprache oft herumgedoktert und mit unterschiedlichen Materialien experimentiert. Am Ende des Tages bleibt aber ein Wasserkessel stets ein Wasserkessel. Selbst wenn er die Gattung ändert und zum »Flötenkessel« wird. Das ist dann der Fall, wenn es möglich ist, auf den Schnabel eine Dampfpfeife aufzusetzen. Kocht das Wasser, gibt der Kessel ein weithin gut hörbares akustisches Signal an die Umwelt ab. Und zwar in einem Ton, der in sensibleren Gehörgängen durchaus im Stande ist, Nerven zu zerfetzen.

Wenn der Teekessel pfeift

Mit weniger Sensibilität gesegnete Menschen, bezeichnen dieses Kesselgeflöte allerdings als »singen« und freuen sich auf die dräuende Teezeremonie. Einer der ganz großen Sänger in der Flötenkesselgeschichte stammt aus dem Hause Riess und ist seit fast 50 Jahren beliebt. Ein Indiz dafür ist, dass er in unzähligen Farben, Mustern und Special Editions zu haben ist. Was allerdings immer unverändert blieb, ist seine annähernd an eine Halbkugel erinnernde Form – und zwar aus gutem Grund: Das Verhältnis zwischen Volumen und Grundfläche ist nämlich so bemessen, dass er beim Erwärmen des Inhalts nur sehr wenig Hitze abstrahlt. So verbraucht der Kessel bei Verwendung auf dem Gas- oder Induktionsherd sogar weniger Energie beim Erhitzen der maximal zwei Liter Inhalt als ein elektrischer Wasserkocher. Ebenfalls wichtig und seit Jahrzehnten ­erprobt: der hoch angesetzte Ausguss vulgo Schnabel, der verhindert, dass das sprudelnde Wasser herausspritzt, sowie ein stabiler Handgriff, an dem der Kessel sicher gehalten werden kann. Die Form des Riess Flötenkessels wurde übrigens seinerzeit im westfälischen Ahlen von der heute nicht mehr existierenden Emaille-Marke Narath designt und entwickelt. Das Besondere daran: Sie wird in einem Stück in einer Tiefziehmaschine hergestellt, danach emailliert man die Eisenform innen wie außen und montiert den Griff. So entsteht ein formschöner, ziemlich robuster Flötenkessel mit kratzfester und säurebeständiger Oberfläche, die einfach zu reinigen ist. Passt man auf das Teil also gut auf, haben auch die Nachkommen etwas davon.

Julian, Friedrich und Susanne Riess

Die Wurzeln des Unternehmens Riess reichen bis ins Jahr 1550 zurück. Damals wurde die ursprüngliche Pfannenschmiede in Ybbsitz im niederösterreichischen Mostviertel gegründet. Im Jahr 1922 wurde mit der Fertigung von Emaille-Kochgeschirr begonnen, heute ist Riess eine weltweit anerkannte und renommierte Emaille-Manufaktur und der einzige verbliebene Kochgeschirr-Hersteller in Österreich. Mit Kelomat hat das Unternehmen, das mittlerweile in neunter Generation von Julian, Friedrich und Susanne Riess geleitet wird, eine zweite starke Marke unter seinem Dach.

Flötenkessel von Riess
Jahr: 1975
Design: Narath Design Team
Preis: ca. 90 Euro

vlnr: Julian, Friedrich und Susanne Riess

Sing, du Pfeife! Der Riess ist ein ikonischer Wasserkocher, der auf jeder Herdart und sogar über offenem Feuer seinen Job macht und Wasser zum Sieden bringt. riess.at

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 07/2023

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