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© MA 45/ Christian Fürthner

Kunst im Vorübergehen: Wiens schönste Skulpturen unter freiem Himmel

Kunst
Wien
Angewandte Kunst

Wien ist voller Kunst, die sich nicht in Museen versteckt. Entlang von Plätzen, Passagen und Uferwegen lassen sich bedeutende Skulpturen und Installationen entdecken.

Zwischen Stadtarchitektur und Natur entfaltet sich in Wien eine Vielfalt an Werken, die den öffentlichen Raum verwandeln. Wer sich auf einen Streifzug durch die Stadt begibt, entdeckt Kunst, die sich im Vorübergehen offenbart und bleibt vielleicht stehen, um ein wenig länger zu schauen. LIVING stellt Ihnen einige der eindrucksvollsten Werke vor.

Henry Moore: Hill Arches, Karlsplatz (1978)

Vor der Karlskirche spannt sich Henry Moores monumentale Bronzeplastik über das Wasserbecken – ein organischer Gegenpol zur barocken Strenge des Bauwerks. Entstanden Anfang der 1970er-Jahre, gehört sie zu einer Werkgruppe, in der Moore Bögen und Kurven als zentrales Gestaltungselement erforschte. Hill Arches sollte ursprünglich auf dem Grundstück des Künstlers in England aufgestellt werden. Doch anlässlich der Umgestaltung des Wiener Karlsplatzes schenkte Moore das Werk der Stadt Wien. Am 26. April 1978 wurde die Skulptur im Wasserbecken vor der Karlskirche installiert – seither gilt sie als eines der Wahrzeichen des Platzes.

Alfred Hrdlicka: Mahnmal gegen Krieg und Faschismus, Helmut-Zilk-Platz (1988)

Das 1988 enthüllte Ensemble zeigt in gegenständlicher Form Leid, Schmerz und Erniedrigung als Folgen von Faschismus, Krieg und Antisemitismus. Das Werk besteht aus mehreren Teilen: Hinter dem monumentalen »Tor der Gewalt« wäscht eine bronzene Figur eines alten Juden die Straße. Die Skulptur »Orpheus betritt den Hades« gedenkt den Toten des Widerstandes und der Opfer des im Krieg zerstörten Philipp-Hofes. Den Abschluss bildet der »Stein der Republik«, in den die österreichische Unabhängigkeitserklärung eingemeißelt ist.

Hill Arches: Je nach Lichteinfall wirkt die Bronze weich oder kraftvoll, meditativ oder dramatisch. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, wie Architektur, Wasser und Skulptur miteinander in Resonanz treten – und wie Kunst im öffentlichen Raum über Jahrzehnte hinweg ihre Präsenz behauptet.

© Shutterstock

Mahnmal gegen Krieg und Faschismus: Das Mahnmal, das bei seiner Errichtung kontrovers diskutiert wurde, gilt heute als eines der bedeutendsten Werke politischer Kunst im öffentlichen Raum. Es konfrontiert, statt zu beschönigen und macht Geschichte auf beklemmende Weise sichtbar, mitten im Herzen Wiens

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Rachel Whiteread: Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoah, Judenplatz (2000)

Das Holocaust-Mahnmal der britischen Künstlerin Rachel Whiteread wurde am 25. Oktober 2000 enthüllt – errichtet auf Initiative eines Komitees rund um Simon Wiesenthal und im Auftrag der Stadt Wien. Es erinnert an rund 65.000 österreichische Jüdinnen und Juden, die zwischen 1938 und 1945 ermordet wurden.

Whiteread formte den Kubus als nach außen gekehrte Bibliothek: unzählige Bücher mit den Rücken nach innen, ihre Inhalte für immer verborgen. Diese »namenlose Bibliothek« steht für die ausgelöschten Geschichten und das Verstummen einer Kultur. Auf dem Sockel sind die Namen der Vernichtungslager eingraviert, um die geschlossene Tür zieht sich die Inschrift des Gedenkens in drei Sprachen.

Lukas Maria Kaufmann: Davidstern-Installationen (seit 2018, diverse Bezirke)

Im Gedenkjahr 2018 initiierten das Jüdische Museum Wien und die international renommierte Lichtkünstlerin Brigitte Kowanz das Projekt »OT«. Seit November 2018 markieren leuchtende Installationen an 25 Standorten in 16 Wiener Bezirken die einstigen Synagogen und Betstuben der Stadt. Die von Lukas Maria Kaufmann entworfene »Sternstele« besteht aus einem schlichten Metallmast und einem geschwungenen Leuchtkörper. Nähert man sich ihr, fügen sich die Linien zu einem Davidstern zusammen – einem Symbol des Gedenkens und der Präsenz. Über einen QR-Code lassen sich historische Informationen und virtuelle Rekonstruktionen der zerstörten Gotteshäuser abrufen.

Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoah: Das Mahnmal gilt als eines der eindrucksvollsten Beispiele zeitgenössischer Erinnerungskultur: ein stiller, kraftvoller Ort, der Verlust, Leere und Geschichte in eine einzige Skulptur aus Beton fasst.

© Shutterstock

Davidstern-Installationen: Der Titel »OT« bedeutet im Hebräischen »Zeichen« und verweist auf die spirituelle Verbindung zwischen Gott und Mensch. Zugleich ist das Projekt ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen: eine leuchtende Erinnerung an die mehr als 25 Synagogen, die während der Novemberpogrome 1938 zerstört wurden, und an die Menschen, deren Geschichte ausgelöscht wurde.

© www.wulz.cc, 2018

Bank Austria Park: Wiens jüngster Skulpturengarten (Floridsdorf, seit 2025)

Seit Herbst 2025 lädt der neue Bank Austria Park an der Oberen Alten Donau zum Spaziergang durch ein begehbares Kunstwerk ein. Auf rund 28.000 Quadratmetern verbinden sich Natur, Skulptur und Klang zu einer offenen Galerie. Vierzehn zeitgenössische Arbeiten, von lebenden Weidenformationen bis zu kinetischen Objekten, reagieren auf Wind, Wetter und Licht. Kuratiert nach einer Idee von André Heller, ist der Park ein Beispiel dafür, wie Stadt, Landschaft und Kunst zu einem gemeinsamen Erlebnis verschmelzen können.

»Die Wasserwächterin« von André Heller: In ihrer rechten Hand hält sie ein über fünf Meter hohes Windrad. Die Wirkung dieser Arbeit wird durch ein Wasser- und Nebelspiel sowie Lichteffekte unterstützt.

© MA45/Christian Fürthner
Redaktion
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