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© www.vromero.com/Avani Hotels & Resort

Mehr als Dekor: Kunst im Dialog mit der Umgebung

Design
Interview
Kunst

In einer der schönsten Buchten von Mahé, der Hauptinsel der Seychellen, steht ein frisch renoviertes Hotel, dessen Interior von noblem Purismus geprägt ist. So können die blauen Pools ihre Strahlkraft ebenso entfalten wie die expressiven Werke der ungarischen Künstlerin Zsaklin Miklós.

LIVING Sie haben unglaublich kräftige Bilder für das Hotel gemalt. Was war der Gedanke dahinter?

ZSAKLIN MIKLÓS Das Management des »Avani+ Hotels« wurde durch meine langjährige Präsenz in der Kunstszene der Seychellen auf mich aufmerksam. Sie entdeckten meine Arbeiten auf dem lokalen Kunstmarkt und fanden, dass mein stilisierter Ausdruck gut zu ihrer gestalterischen Vision passte. Das künstlerische Konzept stammt vollständig von mir. Ich hatte völlig freie Hand bei Formen und Farbgebung innerhalb eines stilisierten botanischen Ansatzes. Im Fokus standen Kompositionen rund um den »Traveler’s Tree«, tropische Waldmotive und Palmen-Adaptionen – umgesetzt in kräftigen Farben und präziser Linienführung.

Der »Traveler’s Tree« ist ein Symbol für tropische Landschaften aber auch für die Balance zwischen Natur und Struktur. Steht Ihre Kunst nicht in Konkurrenz zur echten Natur draußen?

Eine wunderbare Frage! Meine Werke konkurrieren nicht mit der Natur, sondern spiegeln ihre Wirkung auf mich als Künstlerin wider. Es ist ein Dialog mit der Umgebung – keine Konkurrenz.

Sie haben Ihre ersten Jahre in Budapest verbracht, heute leben Sie in einem tropischen Paradies. Wie kam es dazu?

Ich bin 2010 aus privaten Gründen mit meiner Familie auf die Seychellen gezogen. Ich kam mit drei kleinen Kindern und einem akademischen Hintergrund in internationalen Beziehungen und öffentlicher Verwaltung. Erst 2012 begann ich mit meiner künstlerischen Tätigkeit, organisierte zwischen 2013 und 2016 drei Einzelausstellungen auf den Seychellen sowie eine temporäre Schau in Abu Dhabi. Anfangs konzentrierte ich mich auf geometrische und nichtfigurative Abstraktionen sowie abstrakte Porträts in kleinen und mittleren Formaten mit Acrylfarbe. Naturmotive kamen ab Juni 2016 hinzu. Die urbane Atmosphäre konnte in mir nie jene kreative Strömung auslösen, die ich für meine Arbeit brauche. Seit meinem Umzug auf die Inseln fließt die Inspiration – getragen von der Natur und den tropischen Bedin­gungen. Es geht um das richtige Umfeld für kontinuierliche schöpferische Impulse.

Farbklang der Inselwelt. Die Werke von Zsaklin Miklós übersetzen die tropische Landschaft der Seychellen in ein präzises grafisches Vokabular.

© Zsaklin Miklós

Inspiration. Aus Ungarn stammend, fand Zsaklin Miklós erst nach ihrem Umzug auf die Seychellen ihre künstlerische Stimme.

© Zsaklin Miklós

Komplementär. Neben einem weißen Strand regen Miklós’ Bilder aber zum Weiterträumen an.

© Zsaklin Miklós

Gab es andere Gebäude, in die Ihre Werke integriert wurden?

Ja, in den letzten zwölf Jahren war meine Kunst Teil verschiedener Innenraumgestaltungen auf den Seychellen, insbesondere in Hotels und in diversen Gästehäusern.

Ist Malerei oft nicht ein einfaches »Aufhübschen« von Räumen?

Malerei im Innenraum ist keineswegs zwangsläufig oberflächliche Zierde. Ob ein Gemälde als bloße Dekoration oder als architektonisches Element wahrgenommen wird, hängt vom Künstler und vom gestalterischen Ziel ab.

Optischer Vitaminshot. Die kräftigen Kompositionen prägen das gesamte »Avani+« auf Mahé. Die farbenfrohen Motive frischen das Design auf.

© Avani Hotel & Resorts

Gibt es auf den Seychellen überhaupt so etwas wie einen Kunstmarkt?

Es existiert sowohl eine staatlich organisierte Kunstszene als auch Kunst- und Bildungsprojekte, die von nichtstaatlichen Organisationen getragen werden. Klassische Institutionen wie Galerien oder größere Ausstellungshallen sind allerdings nur in begrenzter Zahl vorhanden. Viele Ausstellungen entstehen daher im Rahmen einzelner Initiativen oder Projekte. Die Szene ist relativ klein, aber lebendig. Es gibt eine Gruppe etablierter Künstlerinnen und Künstler sowie eine wachsende Zahl junger Talente. Insgesamt bewegt sich das aktive Umfeld schätzungsweise im Bereich von etwa 50 bis 60 Kunstschaffenden.

Die baulichen Strukturen des Hauptteils des Hotels, in dem Ihre Kunst strahlen darf, wurden als Bestand belassen, statt neu gebaut. Es referenziert an die koloniale Tropenarchitektur, ohne peinlich zu wirken. Wie präsentiert sich der restliche Baustil auf der Insel? Wird er weiterentwickelt oder neu interpretiert?

Historisch ist die Architektur stark vom kolonialen Stil geprägt. Heute wird dieser häufig vereinfacht und zeitgemäß interpretiert, bleibt aber bei vielen Neubauten weiterhin eine wichtige Referenz. Ausnahmen finden sich vor allem bei neuen Einkaufszentren und kommerziellen Gebäuden, einer vergleichsweise neuen Gebäudekategorie auf den Inseln, sowie bei privaten Bauprojekten. Staatliche Gebäude greifen dagegen oft weiterhin Elemente der kolonialen Architektur auf.

Frisch gestylt. Das eben renovierte Hotel brilliert mit neu gestalteten »Lagoon Access«-Zimmern und richtig guten Inselerlebnissen.

avanihotels.com

© Avani Hotels & Resort

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 2/2026

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Heimo Rollett
Heimo Rollett
Print-Redakteur
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